Laura Poitras: Ihr Kampf gegen die Geheimdienste

Die US-Journalistin Laura Poitras ist eine der wichtigsten Personen im Skandal um die Enthüllungen von Edward Snowden. Für ihre mutige Arbeit erhielt sie den Henri-Nannen-Preis.

Im Januar 2013 bekam Laura Poitras eine E-Mail, die ihr Leben verändern sollte. Ein anonymer Schreiber wandte sich an sie, weil er brisante Informationen hatte. Er wusste, dass die Filmemacherin an einer Doku über digitale Überwachung arbeitete. Die Amerikanerin sagte zu und brachte den größten Geheimdienstskandal der Geschichte ins Rollen. Der Mail-Schreiber hieß Edward Snowden.

Bei aller Aufregung um seine Person wird oft vergessen, dass auch Snowden Helfer braucht. Ohne Poitras' Wissen über Datenschutz und Überwachung, ohne ihre Kontakte und ihre Vorsicht wäre die Enthüllung nicht möglich gewesen. Poitras filmte auch das erste Interview mit Snowden in Hongkong, das um die Welt ging. Trotzdem kennt kaum jemand ihren Namen. "Das ist perfekt so", sagt Poitras gegenüber der "New York Times". Sie weiß, was es bedeutet, wenn man ins Visier der Staatshüter gerät. Seit sie im Jahr 2006 ihren Film "My Country, My Country" vorstellte, eine Dokumentation über die amerikanische Militärpolitik im Irak, steht sie auf der Liste derjenigen, die stundenlang am Flughafen verhört werden können. Beamte haben schon oft ihre Notizen und elektronischen Geräte beschlagnahmt. Auch deshalb ist sie inzwischen eine Spezialistin, wenn es darum geht, Daten zu verschlüsseln und sich vor Abhörung zu schützen.

Warum gilt eine Dokumentarfilmerin als "terrorverdächtig"?

Laura Poitras stellt in ihren Filmen unbequeme Fragen. Was hat 9/11 mit Amerika gemacht? Wo werden unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung Menschenrechte verletzt? Und sie macht es gut. 2007 wurde "My Country, My Country" für einen Oscar nominiert. "The Oath", ihre Film über den Guantanamo-Häftling Salim Hamdan und Bin Ladens Leibwächter Abu Jandal, bekam auf dem Sundance Film Festival den Preis für die beste Doku.

Nun wurde Laura Poitras selbst ausgezeichnet: Am Freitag verlieh ihr der Hamburger Gruner+Jahr-Verlag den Henri-Nannen-Preis 2014 "für ihren selbstlosen Kampf um die Wahrheit und damit die Freiheit der Information und um die Pressefreiheit". Edward Snowden bedankte sich bei der Preisverleihung per Videobotschaft persönlich bei Laura Poitras. Sie habe es mit ihrer Arbeit zu einer offeneren Welt gebracht. "Sie hat einen wichtigen Schritt gemacht für uns alle", so Snowden.

Poitras ist fest entschlossen, ihre Arbeit fortzusetzen und ihren Film über Staatsüberwachung fertigzustellen. Das sei sie ihrem Informanten schuldig. "Edward Snowden hat sein Leben aufs Spiel gesetzt und mir diese Bürde anvertraut."

Trailer zu Poitras' Dokumentation "The Oath"

Artikel aktualisiert am 19.5.2014

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