Nutri-Score erklärt: Ich esse heute gelb. Und du?

Der Nutri-Score kommt nach Deutschland. Was bedeutet es, wenn unsere Lebensmittel bald in Ampelfarben leuchten?

Grün, Gelb, Orange und Rot ­– diese Farben werden dir bald nicht nur im Straßen-, sondern auch im Supermarktverkehr begegnen. Deutschland führt die Lebensmittelampel ein.

Ein Gewinn für Verbraucherorganisationen, eine Niederlage für Julia Klöckner (CDU): Die Politikerin hatte sich die letzten Jahre gegen die Einführung der Lebensmittelampel gewehrt.

Nun haben Verbraucher selbst entschieden. Und Klöckner gibt sich geschlagen. In einer repräsentativen Umfrage wurden ihnen vier verschiedene Modelle zur Bewertung von Lebensmitteln vorgestellt. Das Ergebnis wurde am 30. September vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vorgestellt. Der Sieger ist Nutri-Score – eine Ampel in fünf Farben, die 57 Prozent der Befragten überzeugte und von unabhängigen Ernährungswissenschaftlern entwickelt wurde.

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Wie funktioniert der Nutri-Score?

Nach Ampelsystem. Inhaltsstoffe werden dabei grob in gut oder schlecht unterteilt. Ist eine Ampel rot, enthält sie zum Beispiel potenziell gesundheitsschädigende Mengen an Kalorien, Zucker, gesättigten Fettsäuren oder Salz gemessen auf 100 Gramm. Zeigt die Ampel grünes Licht, wird das Produkt prinzipiell als gesund angesehen ­– es weist zum Beispiel einen hohen Protein- oder Ballaststoffgehalt auf. Insgesamt gibt es fünf Stufen von dunkelgrün bis rot.

"Der Nutri-Score ist so angelegt, dass er hinsichtlich einer gesunden Ernährung eine erste, gute Orientierung sein kann“, zeigte sich nun auch Klöckner bei der Vorstellung der Ampel in Berlin überzeugt, wie die Tagesschau berichtete.

Nutri-Score hat nicht nur Freunde

Kritik kommt zum einen – Überraschung – von Seiten der Lebensmittelindustrie. Aber auch Verbraucherorganisationen wie Foodwatch sehen noch einen Haken im langersehnten Lebenmittel-Label: Der Nutri-Score ist eine freiwillige Empfehlung an Unternehmen. Ob Hersteller ihn auf ihren Produkten verwenden, bleibt ihnen selbst überlassen.

In einigen anderen europäischen Ländern ist der Nutri-Score übrigens bereits eingeführt, jedoch ebenfalls auf freiwilliger Basis – in Frankreich findet man das Label bereits im Supermark, Belgien und Spanien ziehen nun nach.

In Deutschland haben jedoch bereits mehrere Unternehmen angekündigt, den Nutri-Score nutzen zu wollen. Darunter sind Nestlé, Edeka, McCain und Mestemacher. Danone, Iglo und Bofrost nutzen das Lebensmittel-Label sogar bereits. 

Brauchen wir eine Lebensmittel-Ampel wie Nutri-Score?

Ganz auf die Lebensmittel-Ampel verlassen sollten sich Kunden trotzdem nicht. Schließlich werden Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker oder Konservierungsmittel nicht im Nutri-Score berücksichtigt. Es handelt sich bei den Farben also lediglich um ein Hilfsmittel zur Kaufentscheidung – wer sicher gehen will, wagt einen Blick auf das Kleingedruckte. Der Nutri-Score ersetzt nicht die bisherigen Nährstoffangaben eines Produktes.

Das weiß auch Klöckner, die den Nutri-Score lediglich als Schritt auf dem Weg zu einer gesünderen Gesellschaft sieht: "Das erweiterte Nährwertkennzeichnungsmodell allein wird das Übergewichtsproblem nicht lösen, dessen bin ich mir auch bewusst", weiß die Bundesernährungsministerin.

Bestenfalls beginnen Unternehmen von selbst, ihre Produkte ein Stück weit gesünder zu gestalten. Ein Schritt dahin wäre, zu hinterfragen, ob ein Joghurt für den guten Geschmack zum Beispiel wirklich so viel Zucker braucht. Bereits 2018 hatte Rewe einen derartigen Test gestartet und seinen Kunden einige Produkte mit unterschiedlichen Zuckergehalten angeboten.

Der Nutri-Score ist eine kleine Stütze für den schnellen Alltag, der zu einer bewussteren Kaufentscheidung führen kann. Für manche hält er sicher noch die eine oder andere Überraschung bereit – wenn der geliebte Saft oder Müsliriegel dann unter der Bewertung des Nutri-Score eben doch rot wird.

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