Öko-Bilanz: Wie umweltfreundlich ist Online-Shopping wirklich?

Klick, Brumm, Klingeling ...Online-Shopping ist irre bequem. Aber wie ökologisch ist es eigentlich?

Internet oder Laden: Wer bietet mehr? 

Der Stromverbrauch am eigenen Laptop, der Server des Onlineshops, das Umschlagzentrum der Post, die Zustellung im Dieseltransporter – wer online shoppt, verballert ganz schön viel CO2. Für ein Paket ohne Retour kommen da laut Öko-Institut 660 Gramm zusammen. So viel wie bei einer heißen Fünfminuten-Dusche.

Jetzt kommt das Aber: Suche ich mir in einem Laden ein paar Schuhe aus, nutze ich dort Strom, Heizung und alles, was zu einem funktionierenden Gebäude dazugehört. Bedeutet konkret: Ein ganzes Kilogramm CO2 pro Mensch für einen Shoppingtrip. Wer dann noch mit dem Auto hinfährt, verballert gleich mal das Dreifache.

Daumen hoch: 1:0 für den virtuellen Einkaufskorb in Sachen Klimabilanz

Retouren: Der Weg in die Hölle 

Falls es jemand noch nicht wusste: Retouren! Sind! Böse! Die Rückgabe eines Pakets verdoppelt den CO2-Abdruck quasi von 660 auf 1030 Gramm. Klingt wenig? Leider nein: Eine Bitkom-Umfrage hat errechnet, dass mittlerweile die Hälfte aller Klamottenpakete an den Händler zurückgehen. Heißt: Nimmt man die Retouren aller Warengruppen zusammen, belasten sie das Klima wie 2200 Autofahrten von Hamburg nach Moskau. Täglich!

Und als ob das nicht schlimm genug wäre, werden laut Uni Bamberg vier Prozent aller Retouren, obwohl nagelneu, auch noch vernichtet. Für Europa bedeutet das Schätzungen zufolge, dass jährlich mehrere Millionen Rücksendungen einfach in die Tonne gekloppt oder verbrannt werden – weil es billiger ist zu schrotten als auszupacken, zu prüfen und wieder einzusortieren.

So was von Daumen runter! Die Hölle hat ab jetzt einen besonderen Platz für Menschen, die ständig Retouren verschicken

Retourenaufkleber: Pakete-Stapel

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Not to do: Zappen

Klimafreundliches Online-Shopping erfordert eiserne Regeln: Bei tausend Shops gleichzeitig zu bestellen, geht gar nicht, weil mehr Zusteller*innen natürlich mehr Lieferwagen bedeuten. Jetzt mal an die eigene Nase fassen: Drei Jacken auf drei Websites zu ordern, aber eigentlich nur eine behalten zu wollen, ist vielleicht praktisch, aber ganz böse und erhöht den Schadstoffausstoß des einen Teils mal eben ums Dreifache.

Daumen hoch: für Onlineshopper, die bei einem Händler einkaufen

Hallo, jemand zu Hause?

Der Klassiker: Kaum geht man zehn Minuten Papiermüll wegbringen, war der Paketbote da. Eine ökologische Schweinerei: Jetzt muss das Päckchen entweder zur Abholstation oder am nächsten Tag erneut vor die Haustür kutschiert werden. Bedeutet neben CO2 und Feinstaub auch noch Reifenabrieb – der größte Mikroplastik-Verursacher in unserem Land! Pro Jahr kommen dadurch laut Umweltbundesamt 110 000 Tonnen Gummipartikel zusammen.

Einen individuellen Zeitfenster-Termin ausmachen? Bloß nicht! Ist der absolute Supergau. Heißt nämlich: noch mehr Logistik, noch mehr Kuriere, noch mehr Autos, noch mehr Umweltsau.

Daumen hoch: für ins Büro oder an die Packstation liefern lassen

Unfair bepackt 

Was wir häufig vergessen: Hinter jedem Klick stecken Menschen. Ver.di prangerte kürzlich die Arbeitsbedingungen in Transportunternehmen an, die Rede war von "mafiösen Strukturen", weil viele Firmen die Unmengen an Aufträgen an Subunternehmen auslagern, illegal Gastarbeiter, zum Beispiel aus Osteuropa, in die Fahrzeuge setzen, ohne Mindestlohn, dafür mit 16-Stunden-Schichten.

Auch wenn die Versandunternehmen diese harsche Kritik teils abwiesen, so ist doch eins klar: Je mehr wir online shoppen, desto mehr Druck liegt auf den Menschen, die ihn auffangen müssen.

Daumen runter: weniger Stress für mich = mehr Stress für andere

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Wer hier schreibt:

Luise Gand
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