Frau kommt als Baby ins Heim – jetzt soll sie die Pflege ihrer Mutter bezahlen

Eine heute 55-Jährige soll die Pflege ihrer Mutter bezahlen – obwohl die sie nach der Geburt weggab. Dagegen wehrt sich die Frau vor Gericht.

Müssen die leiblichen Kinder Unterhalt für ihre Eltern bezahlen – selbst wenn diese sie nach der Geburt weggaben? Diese Frage beschäftigt derzeit das Familiengericht in Offenburg. Eine 55-Jährige geht nämlich vehement dagegen vor. Sie sieht nicht ein, warum sie für die Pflege ihrer Mutter aufkommen soll, obwohl die (heute 84) sie als Säugling ins Heim steckte.

Die mittlerweile kranke und nicht vernehmungsfähige Seniorin sah sich damals mit den Kindern überfordert. Sowohl die heutige Klägerin als auch ihre beiden Schwestern landeten in Pflegeheimen. Einen weiteren Sohn gab die heute 84-Jährige zur Adoption frei. Er ist damit außen vor – Zahlungsverpflichtungen hat er nur seinen Adoptiveltern gegenüber.

Was ist eine "schwere Verfehlung"?

Die leiblichen drei Töchter hingegen sind rechtlich zum Unterhalt verpflichtet, wenn Eltern "nicht mehr in der Lage sind, für sich selbst zu sorgen", wie die "Badische Zeitung" berichtet. Wegfallen können die Unterhaltszahlungen nur bei "schweren Verfehlungen" der Eltern ihren Kindern gegenüber. 

Für die Töchter steht fest: Dass ihre Mutter sie als Babys weggab, ist aus ihrer Sicht ganz klar eine "schwere Verfehlung". Das Sozialamt pocht hingegen darauf, dass die älteste der Drei – als Einzige finanziell in der Lage – die Pflege bezahlt. Aufgelaufen sind mittlerweile immerhin Kosten von rund 13.000 Euro.

Gericht schlägt Vergleich vor

Das Familiengericht schlug nun einen Vergleich vor. Demnach soll das Kreissozialamt auf 70 Prozent der Forderungen verzichten. Von der Gesamtsumme und den weiter monatlich anfallenden Kosten müsste die 55-Jährige somit 30 Prozent bezahlen.

Die Parteien können sich bis April beratschlagen. Der Anwalt der Klägerin kündigte an, den Vorschlag zu "prüfen".

Update, 19. Juni 2018: Nachdem die Tochter den Vorschlag des Gerichts abgelehnt hatte, kam es zum Urteilsspruch durch das Familiengericht. Das entschied: Die Frau muss keinen Unterhalt für ihre pflegebedürftige Mutter zahlen. Das Landratsamt, das die Ansprüche erhoben hatte, muss nun entscheiden, ob es das Urteil akzeptiert oder sich an die nächste Instanz wendet.

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