Dramatische Entwicklung: So wenig Organspenden wie nie!

Diese Zahlen sollten uns alarmieren: Im vergangenen Jahr wurden so wenig Organe gespendet, wie seit 20 Jahren nicht. Wir klären die Gründe - und sagen, wie DU helfen kannst!

Organspenden können Leben retten - doch diese dramatischen Entwicklungen sollten uns zu denken geben: Es wurden in Deutschland im vergangenen Jahr so wenige Organe wie noch nie transplantiert.

Zahlen, bitte!

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) blickt auf dramatisch niedrige Zahlen: Nur 769 Organe sind im vergangenen Jahr transplantiert worden. Das sind nur 10,1 Spenden auf eine Million Einwohner und damit der niedrigste Wert seit 20 Jahren.

Die Zahl der Organspenden sinkt seit Jahren immer weiter. Ihren Höchststand hatte sie 2012, als fast 1300 Organe gespendet wurden. Seitdem gehen die Spenderzahlen kontinuierlich bergab.

Auf der anderen Seite warten mehr als 10.000 Patienten auf eine passende Organspende - die meisten von ihnen auf eine Niere. Etwa 300 Menschen sterben jeden Tag, weil sie keine passende Spende bekommen.

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

Deutschland schneidet im direkten Vergleich in Europa miserabel ab: In Österreich zum Beispiel werden mit 23,9 Spenden pro eine Million Einwohnern mehr als doppelt so viele Organe gespendet, in Belgien sind es 28,4 und in Kroatien sogar 35,8.

Was machen diese Länder denn anders?

Ein Hauptgrund für die niedrige Organspenden-Rate in Deutschland dürfte das System sein: Hierzulande muss der Organspender vor seinem Ableben eindeutig gesagt haben, dass er seine Organe nach dem Tod zur Verfügung stellt. In vielen anderen Ländern – so vor allem in den eben genannten mit hoher Spendenrate – ist es genau andersrum: Hier ist jeder automatisch ein Organspender, wenn er der Spende nicht vorher aktiv widerspricht.

Gibt es weitere Gründe, warum es so wenig Organspenden gab?

Experten bemängeln neben dem System, dass sich jeder Spender aktiv entscheiden muss, auch das Vorgehen im Krankenhaus. Wenn ein Mensch verstirbt, bliebe in vielen Fällen nicht die Zeit für die komplexe Prozedur der Organspende - Personalmangel und enge Taktung in den Kliniken sorgten dafür, dass nach dem Tod des Patienten "schnell weitergemacht" werde.

Kann die Politik da nichts machen?

Doch, klar kann sie - und in der Tat wird seit Jahren um den Organspende-Ausweis diskutiert. So werben zahlreiche Befürworter seit Jahren dafür, dass der Ausweis Pflicht wird - oder zumindest die Entscheidung. So soll sich jeder Bundesbürger eindeutig entscheiden, ob er nach dem Tod seine Organe zur Verfügung stellen will, oder nicht. Die Diskussionen dauern aber an und sollten durch die neuen Zahlen noch einmal weiter befeuert werden.

Was kann ich konkret tun?

Das Schöne ist: Jeder Einzelne von uns kann helfen. Und es ist sehr einfach: Besorg dir einen Organspende-Ausweis und füll ihn aus. Das bedeutet ja nicht, dass du deine Organe spenden müsstest - du kannst in dem Ausweis auch vermerken, dass du nicht spenden möchtest. Auch das hilft - es kürzt die Prozedur nach dem Tod ab und die Diskussion von behandelnden Ärzten mit Angehörigen, die sonst nach deinem Willen gefragt werden würden. Wichtig ist, dass du eine Entscheidung triffst. Den Organspende-Ausweis kannst du dir übrigens hier bestellen, oder auch als PDF-Datei herunterladen und ausdrucken. Außerdem bekommst du ihn kostenlos in vielen Apotheken.

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