"Burka Avenger": Zoff um die Superheldin mit Schleier

Eine Superheldin in Ganzkörper-Verhüllung sorgt im pakistanischen Fernsehen für Recht und Ordnung. Doch der erfolgreiche Cartoon "Burka Avenger", also "Burka-Rächerin" verärgert Feministen wie Islamisten.

Jiya ist eine vorbildliche Superheldin: Vollwaise, Kampfsportlerin, Lehrerin in einer pakistanischen Stadt - und bei Bedarf eine Rächerin mit Burka. In der Cartoon-Reihe "Burka Avenger" im pakistanischen Fernsehen verkloppt sie böse Buben und wehrt sich mit symbolträchtigen Wurfgeschossen wie Stiften und Schulbüchern gegen frauenfeindliche Milizen und korrupte Politiker.

Jiyas Kostüm fällt dabei ziemlich zugeschnürt aus - anders als bei amerikanischen Superheldinnen wie "Wonder Woman", die ihre Feinde im knappen Bikini-Dress bekämpft. Zwar erinnert Jiyas Verschleierung mit ihrem Sichtschlitz eher an eine "Niqab" als an die ultrakonservative Burka mit vergittertem Sichtfenster, trotzdem landet die Rächerin in Schwarz mit ihrem Outfit mitten in einer Debatte um die islamische Kleiderordnung.

Die wird nicht nur im Westen geführt: Pakistanische Feministinnen sehen die Burka als Zeichen der Unterdrückung und kritisieren, die heldenhafte Figur idealisiere die strenge Verschleierung. "Es wird mich zutiefst entsetzen, wenn kleine Mädchen anfangen, Burkas zu tragen, um ihre Heldin zu imitieren", so die Autorin Bina Shah. Die pakistanische Botschafterin in den USA, Shehrbano Rehman, twittert über die Serie: "Die Burka gefällt mir nicht. Ein Dupatta hätte auch gereicht." Der Dupatta ist ein traditioneller südasiatischer Schleier, der über dem Kopf getragen werden kann oder als Umhang über den Schultern.

Wagemutige Flugmanöver mit der Burka

Obwohl die Taliban vor allem im Norden Pakistans noch viel Macht haben, ist die Burka keine Pflicht in der islamischen Republik. Auch Heldin Jiya zieht in ihrer Freizeit und im Unterricht nicht einmal ein Kopftuch an. Die Burka nutzt sie als Tarnung, außerdem hilft sie ihr bei wagemutigen Flugmanövern über pakistanische Dächer. "Sie nimmt dieses Symbol der Unterdrückung und nutzt es, um die Unterdrücker selbst zu bekämpfen", erklärt Aaron Haroon Rashid, pakistanischer Popstar und Erfinder der Figur, in einem Interview mit der ARD.

Und tatsächlich hat einer von Jiyas Feinden die gleichen Motive und Argumente wie die islamistische Miliz in Pakistan. In der ersten Folge versucht Bösewicht Baba Bandook, der mit Turban und Bart ziemlich nach einem Taliban aussieht, Jiyas Schule zu schließen: "Wozu brauchen diese Mädchen schon Bildung?", giftet er. "Bildung ist unser Recht!", antwortet eine Schülern.

Das Szenario erinnert an die 16-jährige Malala Yousafzai: Das Mädchen war 2012 von Taliban-Schergen niedergeschossen und schwer verletzt wurden, weil sie sich für das Recht auf Bildung von Mädchen eingesetzt hatte. Zu diesem Zeitpunkt, sagt Aaron Haroon Rashid, wurde die Serie bereits produziert, Malala war also keine direkte Inspiration. Trotzdem war das ganze Team erstaunt, wie nah das echte Leben an die Ideale aus der Serie herankam. "Du machst Pakistan stolz!", schrieb "Burka Avenger"-Erfinder Rashid nach Malalas Rede vor den Vereinten Nationen im Juli 2013.

Die karikierten Taliban dürften sich über die Aktivistin mit Superkräften nicht freuen, haben sich bisher aber nicht öffentlich zu dem Thema geäußert. Und TV-Heldin Jiya muss sich nicht nur um die Taliban kümmern, sondern auch um viele weitere Probleme: In 13 Folgen geht es um Kinderarbeit, Stromausfälle und Umweltverschmutzung. Dass die Show ein großer Erfolg ist, liegt vermutlich auch an dem sonst eher mageren Angebot für Kinder im pakistanischen Fernsehen.

Idealisiert die Serie nun die Burka oder die mutige Frau darunter? Fans im Internet freuen sich jedenfalls über Jiya: "Endlich eine starke muslimische Heldin im Fernsehen!"

Text: kvs
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