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Gute Frage Stadt oder Land – wo lebe ich glücklicher?

Perspektivwechsel: Schilder mit Land- und Stadtleben
© Thomas Reimer / Adobe Stock
Stadt oder Land? Ariane Heimbach und Tatjana Blobel, zwei Kolleginnen von BRIGITTE Woman, schildern ihre gegensätzlichen Perspektiven zum Stadt- und Landleben.

Ariane Heimbach liebt die Stadt für ihre Vielfalt und ihre öffentlichen Räume, die einem nichts vormachen. 

Perspektivwechsel: Ariane Heimbach
Ariane Heimbach
© Andreas Sibler
Blümchen und Vöglein? Gibt’s auch auf dem Balkon

Ich bin ein Dorfkind. Durch Bäche waten, über Kuhwiesen toben und auf Bäume klettern, so lange, bis die von überall sichtbare Kirchturmuhr sieben Uhr anzeigte, war herrlich. Doch dann wurde ich 16 und das Leben so kompliziert, wie es mit 16 eben ist. Wen interessierten da noch die wogenden Felder und blühenden Obstbaumwiesen.


Zu Hause ging gefühlt die Welt unter, aber der Bus fuhr nur bis zehn Uhr abends. Zahllose Nächte, in denen ich zu Fuß durch die leeren Dorfstraßen schlich, vorbei an geschlossenen Fenstern mit Gardinen, hinter denen sich, so malte ich es mir aus, die gleichen Dramen stattfanden wie in meiner Familie. Nur: Nichts davon drang nach außen.

Die angebliche Landidylle – eine große Lüge. So kommt es mir noch heute vor, wenn ich nach Hause fahre. Wie viel ehrlicher ist dagegen die Stadt mit ihrem Schmutz, der Armut und den Einsamen, die bis frühmorgens in Bars und Straßencafés Zuflucht und Geselligkeit finden. Klar, mit dem Älterwerden wächst auch bei mir die Hinwendung zu Blümelein und Vöglein. Aber dafür reicht schon ein Balkon.

Tatjana Blobel mag das Werden und Vergehen in der Natur, das entschleunigte Leben auf dem Land 

Perspektivwechsel: Tatjana Blobel
Tatjana Blobel
© Anatol Kotte
In der Natur kann ich teilhaben an etwas Großartigem

Berlin, Kiel, Hamburg. Das Stadtleben habe ich immer geliebt. Lange Kinonächte, Konzerte, Theater, das Lieblingscafé gleich um die Ecke. Dann kamen die Kinder, und wir sind rausgezogen, in die Kleinstadt. Da war alles so schön einfach. Tür auf, alle spielen draußen. Die Kinder können allein zur Schule gehen. Trotzdem habe ich die Lebendigkeit der Stadt vermisst.

"Wenn die beiden ausgezogen sind, hält mich hier nichts mehr", habe ich immer gesagt. Meine Töchter sind schon lange nicht mehr zu Hause. Und mir liegt nichts ferner, als wieder in die Stadt zu ziehen. Im Gegenteil: Mein Freund lebt in einem kleinen Dorf. Da bin ich häufig. Morgens weckt mich der Hahn. Den Kaffee gibt’s auf der Bank vor dem Haus. Ich liebe den Geruch der abgemähten Felder, die leuchtend roten Herbstfrüchte am Wegesrand, die Lerchen, die aufgeregt aus den Feldern hochflattern, den schüchternen Fuchs, der bei meinen Streifzügen durch Wald und Wiesen meinen Weg kreuzt. Der Sternenhimmel ist unfassbar klar. All das gibt mir das Gefühl, teilhaben zu dürfen an etwas wirklich Großartigem.

Brigitte

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