Herrenclubs: Frauen unerwünscht

Wenn man sich die Herrenclubs in Wirtschaft, Politik, Medien und Kultur anschaut, könnte man auf die Idee kommen, Deutschland wäre ein frauenarmes Land.

Die Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Seit 1994 war Günther Nonnenmacher (auf dem Foto in der Mitte) Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Nach 20 Jahren ist nun Schluss. Ende Juni wird der 65-Jährige das Herausgebergremium der Zeitung aus Altersgründen verlassen. Sein Posten wird nicht neu besetzt. Damit bleiben dem Blatt vier Männer als Herausgeber. In der Geschichte der FAZ hat es noch nie eine Frau in dieser Riege gegeben. Warum sollte sich das 2014 auch ändern? Andere Herrenclubs in Parteien, Unternehmen und Kultur zeigen ja vorbildlichst, wie schön es ist, wenn die Männer unter sich bleiben.

Die Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland

Anwärterinnen auf den höchsten politischen Posten in Deutschland hat es schon mehrfach gegeben, den Sprung ins Schloss Bellevue hat noch keine geschafft. SPD-Politikerin Gesine Schwan hatte es gleich zweimal probiert. Sowohl 2004 als auch 2009 scheiterte sie im ersten Wahlgang gegen den späteren Bundespräsidenten Horst Köhler. Bei der letzten Bundespräsidentenwahl 2012 versuchte es die Journalistin Beate Klarsfeld, scheiterte jedoch gegen den derzeitigen Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Die Wirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland

In den 65 Jahren Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland gab es insgesamt 19 Wirtschaftsminister, darunter keine einzige Frau. Dabei gibt es zahlreiche Frauen, die mindestens genauso viel Ahnung von Wirtschaft, Technologie und Finanzen haben wie ihre männlichen Kollegen.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin

Die Geschicke unserer Hauptstadt werden seit Jahrzehnten von Männern gelenkt. Seit Mitte 2001 ist Klaus Wowereit regierender Bürgermeister in Berlin. In Hamburg und München, der zweit- und drittgrößten Stadt Deutschlands, sieht es übrigens nicht anders aus: Auch hier hatten stets männliche Erste und Oberbürgermeister das Sagen.

Die Parteivorsitzenden der SPD

Wo sind bloß all die Frauen hin? Wenn man sich die Parteivorsitzenden der Sozialdemokraten anschaut, gewinnt man den Eindruck, die Partei hätte frauentechnisch nichts zu bieten: Auf dem Chefsessel sitzen seit Jahrzehnten nur Männer. In anderen Partei-Gremien sieht es etwas besser aus. Zum Parteivorstand gehören derzeit elf Frauen, mit Yasmin Fahimi hat die Partei eine neue Generalsekretärin gekürt und Hannelore Kraft, Aydan Özoguz und Manuela Schwesig verstärken die Parteispitze als stellvertretende Vorsitzende.

Die Parteivorsitzenden der FDP

Ähnlich sieht es bei den Kollegen von der FDP aus. Auch die Liberalen hatten noch nie eine Parteivorsitzende, dieses Amt ist seit Jahrzehnten männlichen Parteimitgliedern vorbehalten. Frauen in der FDP haben es nicht leicht. Neben etlichen Männern dürfen aber im Präsidium immerhin drei von ihnen mitmachen. Sieht in der Mischung auch besser aus, liebe Herren.

Das dürfen sich die Piraten übrigens genauso auf die Fahne schreiben, denn auch dort hat es bisher keine Bundesvorsitzende gegeben. Die Frauen haben es bisher nur auf die Stellvertreterposten oder in die Geschäftsführung geschafft. Bei der CDU, den Grünen und den Linken haben Frauen bereits den Parteivorsitz übernommen - bei den beiden letzten in einer Doppelspitze mit einem männlichen Kollegen.

Der Vorstand der RWE

Es ist schon bezeichnend, dass die RWE AG - zweitgrößter Energieversorger Deutschlands - mit dem Slogan "voRWEg gehen" wirbt, im Vorstand des Unternehmens dann aber doch nur Männer sitzen. Wer wirklich Vorbild sein möchte, würde seine Führungsriege bunter und zeitgemäßer mischen.

Der Vorstand der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank ist das größte Geldinstitut Deutschlands und hat in den vergangenen Jahren einige Skandale erlebt. Untreue, Steuerhinterziehung und Parteispenden sind nur einige der Themen, mit denen sich die Deutsche Bank und ihre Manager beschäftigen mussten. Ob eine Frau das hätte verhindern können? Einen Versuch wäre es zumindest wert gewesen. Aber auch heute setzt das Kreditinstitut im Vorstand noch auf einen "All Boys Club".

Der Vorstand der Volkswagen AG

Käfer, Golf, Passat, Polo, Up und mehr - die Volkswagen AG hat einige Modelle in ihrer Flotte, die auch gern von Frauen gefahren werden. Davon abgesehen sind es überwiegend Frauen, die die Kaufentscheidungen treffen - auch bei der Frage nach dem Familienauto. Dass der größte Automobilhersteller in Europa ausschließlich Männer in seinem Vorstand versammelt, ist beschämend. Oder denken die Herren bei Volkswagen etwa immer noch, dass Frauen keine Ahnung von Autos haben?

Der Vorstand der Adidas Group

Auch bei der Adidas Group bleiben die Männer lieber unter sich. Dabei gehören Frauen ebenso zu den Kunden des Sportartikelherstellers wie Männer.

Die ZDF-Intendanten

In den Redaktionen und Entscheidungsgremien deutscher Medien sind Führungsfrauen selten zu finden. Noch immer besitzen Männer die Meinungshoheit, sie entscheiden maßgeblich, was in den Zeitungen steht und im Radio und Fernsehen gesendet wird. Die Intendanz ist die höchste Hierarchieebene eines Senders. Während bei einigen Sendern der ARD (z.B. beim WDR) schon Frauen als Intendantinnen das Ruder übernommen haben, gelangten beim ZDF bisher ausschließlich Männer in die oberste Hierarchieebene. Um das zu ändern und mehr Frauen in die Führungsgremien deutscher Medien zu bringen, hat sich der Verein Pro Quote gegründet.

Die Showmaster

Im Fernsehen sehen wir heute viele Frauen - im Tatort, in den Nachrichten, in Talkshows und in vielen anderen Formaten. Nur bei den großen Quizshows hat es sich offenbar noch nicht herumgesprochen, dass Frauen genauso gut unterhalten können wie Männer - wenn nicht sogar besser.

Text: win
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