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Wie bitte!? Britische Universitäten unterstützen Sexarbeit von Student*innen

Prostitution im Studium: Arbeit am Laptop
© Dmitri Ma / Shutterstock
Studiengebühren in Höhe von fast 10.000 Pfund im Jahr sind für viele britische Studierende nicht zu bezahlen. Sie verkaufen daher ihre Körper oder bieten andere sexuelle Dienstleistungen an, um ihr Studium zu finanzieren. Regelrecht unterstützt werden sie dabei von einigen Universitäten.

Während an britischen Schulen derzeit über eine "rape culture" (auf Deutsch: Vergewaltigungskultur) diskutiert wird und zahlreiche junge Frauen ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt teilen, scheint es eine bittere Ironie zu sein, dass sich an Großbritanniens Universitäten immer mehr junge Menschen der Sexarbeit zuwenden, um die horrenden Gebühren für ihr Studium aufbringen zu können. Das Thema ist dabei keineswegs neu – es ist vielmehr gesellschaftlich so bekannt, dass einige Universitäten nun regelrechte Ratgeber zum Thema Sexarbeit neben dem Studium veröffentlicht haben.

Universitäten als "Zuhälter"

Im Dezember veröffentlichte die University of Leicester ein Dokument mit dem Titel "Student Sex Work Toolkit". Dieses Handbuch für Studierende, Dozenten und Mitarbeiter der Universität soll den Beteiligten dabei helfen, richtig und unterstützend mit sich prostituierenden Studierenden umzugehen: "Wir sind uns des sozialen Stigmas bewusst, das mit Sexarbeit verbunden ist, und unterstützen Studierende, die ihren Lebensunterhalt mit Sexarbeit verdienen", heißt es in dem Dokument. Dabei werden in dem Handbuch beispielsweise verschiedene Formen der Sexarbeit in einer anschaulichen Tabelle aufgelistet und sind entsprechend ihrer Zulässigkeit mit einem Haken als illegal oder legal markiert. Während das Anbieten von Sex an öffentlichen Orten verboten ist, sind Aktivitäten wie das Verkaufen getragener Unterwäsche, Webcamming oder auch die Arbeit in einem Bordell erlaubt.

"Das Kit selbst ist umfangreich und könnte vermutlich als hilfreicher Leitfaden für den Einstieg in das Sexgewerbe verwendet werden", empört sich Poppy Coburn in einem selbstverfassten Artikel auf der Webseite "UnHerd". Sie ist selbst Studentin in Großbritannien und hat den Eindruck, dass einige Universitäten die "Rolle von Zuhältern einnehmen" anstatt ihre Studierenden zu schützen. So heißt es in dem von der University of Leicester veröffentlichten Dokument weiter, dass Lehrkräfte nicht davon ausgehen sollten, dass sich prostituierende Studierende die Sexarbeit auch verlassen wollten. Weitere Tipps wie diese sind in einem "Do's and Don't's"-Infokasten aufgelistet. Auch andere Universitäten wie die University of Bristol oder die Goldsmiths in London haben mittlerweile Ratgeber zur Unterstützung studentischer Sexarbeiter veröffentlicht.

Vier Prozent der Studierenden sind Sexarbeiter

Mit Studiengebühren in Höhe von fast 10.000 Pfund im Jahr sehen sich akademische Institutionen wie die University of Leicester nun mit dem Vorwurf konfrontiert, studentische Sexarbeit zu legitimieren, damit Studierende weiter ihre Gebühren zahlen. "Es hat etwas Unschönes an sich, wenn Universitäten ihre Studierenden in Schulden stürzen und gleichzeitig die Prostitution als eine gültige Wahl für finanzielle Unterstützung hochhalten", schreibt Poppy Coburn.

Laut einer Umfrage von "Save the Student" aus dem Jahr 2020 gehen vier Prozent der britischen Studierenden Sexarbeit nach, einer von zehn wäre bereit, es in Zeiten von akuter Geldnot zu tun. Zu den häufigsten Formen der sexualisierten Beschäftigung zählen der Verkauf von Nacktfotos, das Betreiben eines eigenen OnlyFans-Kanals oder die Arbeit als Webcam-Girl oder -Boy. Während aufgrund der Corona-Pandemie studentische Aushilfsjobs in Gastronomie oder Einzelhandel weiter wegfallen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass weitere britische Studierende Sexarbeit in Betracht ziehen werden – welche Beschäftigungen dabei erlaubt und verboten sind, können sie ja im Ratgeber der University of Leicester nachlesen.

Quellen: "DailyMail" / "UnHerd" / "Student Sex Work Toolkit" University of Leicester / Student Money Survey 2020

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei stern.de.

as/stern

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