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Pussy Riot vs. Putin Leiser, aber niemals stumm

Jekaterina Samuzewitsch (li.), Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina am 20. Juli 2021 in Moskau vor Gericht 
Jekaterina Samuzewitsch (li.), Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina am 20. Juli 2021 in Moskau vor Gericht 
© NATALIA KOLESNIKOVA/AFP / Getty Images
Ohne Putin kein Krieg in der Ukraine, ohne Putin kein "Pussy Riot". Aber wo ist die kremlkritische Frauen-Punk-Band aus Moskau, wenn man sie dringender braucht denn je?

Laut, anarchisch, mutig: Die Musikerinnen von "Pussy Riot" brüllten ihre Wut auf Putin ohne Vorwarnung heraus. Tauchten mit ihren grellen Sturmhauben blitzschnell auf Dächern, in Fast-Food-Läden oder Metrostationen auf, rissen die Normalität in Stücke – und verschwanden so schnell, wie sie gekommen waren. 

Das heißt, wenn sie nicht festgenommen wurden, wie nach dem "Punk Gebet" in der Moskauer Christus-Erlöser-Kathedrale am 21. Februar 2012, für das sie weltberühmt geworden sind. Ziemlich genau zehn Jahre vor Putins Überfall auf die Ukraine forderten Nadeschda Tolokonnikowa, Marija Aljochina und Jekaterina Samuzewitsch lautstark am Altar:

Jungfrau Maria, heilige Mutter Gottes, räum Putin aus dem Weg!

Sie wurden nicht erhört.

Die drei Frauen bezahlten mit härtester Lagerhaft für ihre Aktion. Doch obwohl die Gruppe sich nach der Freilassung offiziell auflöste, lancierte sie weitere Protestaktionen: 2014 im Olympiapark Sotschi, wo sie von Sicherheitskräften mit Peitschen angegriffen wurden, bei der Fußball-WM 2018 in Russland oder beim "Geburtstagsgruß" an Präsident Wladimir Putin im Oktober 2020, als die Aktivistinnen Regenbogenflaggen an Regierungsgebäuden befestigten.

"Pussy Riot" wird massiv unterdrückt – und ist nicht kleinzukriegen 

2020 begannen die Behörden, "Pussy Riot" präventiv zu gängeln. Regelmäßig werden die mittlerweile rund zehn Mitglieder bei ihrer Arbeit behindert, zu ausländischen Agenten erklärt, inhaftiert und zu Geldstrafen verurteilt. Mitbegründerin Marija Aljochina steht zurzeit unter nächtlichem Hausarrest, weil sie zu Demonstrationen für den inhaftierten Kremlgegner Alexej Nawalny aufgerufen hatte. Im Februar 2022 konnte sie nicht an einer Online-Veranstaltung für verfolgte Künstler:innen in Karlsruhe teilnehmen, weil man sie vorsorglich verhaftet hatte.

Dass die Repressalien wirken, zeigt die geringe Aufmerksamkeit, die "Pussy Riot" noch bekommt. Doch die Frauen kämpfen ungebrochen weiter für Menschrechte.

"Ich glaube an das, was ich tue", sagt Marija Aljochina. "Es ist momentan vielleicht klein. Aber ich glaube, dass alles Große anfangs klein war."

Dass der Impact von "Pussy Riot" alles andere als klein ist, zeigt diese Aktion: Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine mobilisierten die Musikerinnen allein am ersten Tag drei Millionen US-Dollar für Hilfsorganisationen, indem sie virtuelle Anteile (NFTs) an einem Bild der ukrainischen Flagge verkauften. Und am 27. Februar 2022 wünschte Nadeschda Tolokonnikova Wladimir Putin im "Rolling Stone" ganz offen den Tod: "Fuck Putin. I Hope He Dies Soon."

Pussy Riot beim Festival Ceremonia 2019 in Mexiko
Pussy Riot beim Festival Ceremonia 2019 in Mexiko
© Medios y Media / Getty Images

"Pussy Riot" auf Tour

Die Band tourt weiter um die Welt: Im Mai 2022 ist "Pussy Riot" in Deutschland unterwegs. Weil Marija Aljochina möglicherweise dann noch unter Hausarrest steht, wird sie eventuell nicht dabei sein können. Aktuelle Pussy-Riot-Videos gibt es unter unter www.youtube.com/c/wearepussyriot

UPDATE 12.05.2022: Marija Aljochina konnte aus Russland fliehen und ist bei der Tournee dabei. Alle Tourdaten unter www.bandsintown.com/de/a/2279976-pussy-riot

Quellen: Rolling Stone, ZDF, Wikipedia, YouTube, Badische Neueste Nachrichten

Brigitte

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