Rachepornos: Diese Frau kämpft gegen Nacktbilder im Netz

Was tun, wenn plötzlich Rachepornos von einem im 
Netz kursieren? Der Amerikanerin Katelyn Bowden ist genau das passiert - nun kämpft sie dagegen.

Die Scham überrollte sie. Nacktbilder! Von ihr! Im Internet! Wenn Katelyn Bowden sich an den Moment im Mai 2017 erinnert, spürt sie noch heute, wie es sie heiß überlief.

Eine Bekannte hatte sie informiert: Auf der Seite "Anon-IB", auf der Nutzer geleakte Bilder austauschten, kursierten auch erotische Fotos der heute 32-Jährigen. "Geleakt" bedeutet, dass vertrauliches Material ohne Genehmigung des Betroffenen in der Öffentlichkeit präsentiert wird. Die Amerikanerin hatte die Bilder vor Jahren ihrem damaligen Freund geschickt. "Natürlich nur für ihn persönlich."

Die "Badass Army" gegen den Missbrauch von Selfies

Was tun? Die junge Mutter recherchierte, und ihre Scham verwandelte sich in Wut. Sie entdeckte Fotos von Frauen, die sie kannte. Und stellte fest, dass sie rechtlich fast keine Handhabe hatte.

Zusammen mit zwei Anwältinnen gründete sie deshalb im August 2017 die Aktivistengruppe "Badass Army", um anderen Opfern zur Seite zu stehen. Etwa zehn Millionen Amerikaner sind von dem Thema betroffen. "Badass Army" steht für "Battling Against Demeaning & Abusive Selfie Sharing Army" - eine Truppe, die gegen das herabsetzende, missbräuchliche Teilen von Selfies kämpft.

Die Organisation unterstützt weltweit Betroffene dabei, ihre intimen Fotos oder Sex-Filme im Netz zu löschen. Sie hilft, Anzeige zu erstatten, organisiert Rechtsanwälte, schätzt ein, welchen Erfolg ein Verfahren haben könnte, berät die Polizei, welche Websites sie beobachten soll.

Die Initiative füllt damit die Lücke, die Bowden selbst schmerzhaft zu spüren bekam. Sie konnte zwar mithilfe von IT-Profis ihre Bilder von "Anon-IB" löschen, aber der Schuldige konnte nicht bestraft werden. Ihrem Ex-Freund war das Handy von einem Bekannten gestohlen worden; weil es ungesichert war, konnte der Dieb auf sämtliche Daten zugreifen. "Obwohl der Täter namentlich bekannt war, konnte man ihn nur wegen des Diebstahls anzeigen", sagt Bowden. Denn in Ohio, wo sie lebt, gibt es kein Gesetz gegen die Verbreitung von Rachepornos oder Nacktbild-Leaks, das Gleiche gilt für elf weitere US-Bundesstaaten. 

Sie sagt: Das Bewusstsein der Menschen muss geschärft werden

In Deutschland ist das anders. Hier kann die Veröffentlichung und Verbreitung von Nacktbildern ohne Zustimmung der abgebildeten Person mit bis zu drei Jahren Gefängnis oder Geldbuße bestraft werden. Wird ein Bild verbreitet, das dem Ansehen der abgebildeten Person schaden kann, drohen ebenfalls bis zu drei Jahre Haft. Nach dem Ende einer Beziehung müssen zudem alle intimen Fotos auf Verlangen gelöscht werden.

"Racheporno"-Opfer gibt es trotzdem. Einige von ihnen machen auch bei der "Badass Army" mit. Das Netz der Aktivisten umfasst inzwischen rund 2000 Menschen. Das ist bei Störaktionen hilfreich. "Wenn wir alle auf einer Racheporno-Seite Bilder der Trickfilmfigur "Shrek" posten, erscheint der bei den Favoriten ganz oben. Das törnt die anderen User ab", erklärt Bowden.

Ihren Job als Barkeeperin hat sie aufgegeben, um sich ehrenamtlich ganz der "Badass Army" zu widmen. Ihr Partner verdient genug und unterstützt ihr Engagement. Damit ist er eine Ausnahme. Bowden kennt viele Frauen, denen Familie und Freunde unterstellen, sie seien selbst schuld, wenn sie solche Bilder verschickten. Mit ihrer Arbeit will sie daher auch das öffentliche Bewusstsein ändern. Und sie schreibt Petitionen, damit Gesetze geschaffen werden, die die wahren Schuldigen bestrafen: die Daten-Diebe und die Betreiber von Racheporno-Seiten.

Bis alle Betreiber solcher Seiten festgesetzt sind, machen wir ihnen ihre Geschäfte so schwer wie möglich.

"Anon-IB", die Seite, auf der ihre Privatbilder gepostet wurden, haben niederländische Cybercrime-Teams dieses Frühjahr abgeschaltet. Nach den Betreibern und Administratoren wird gefahndet, einige niederländische Nutzer, die dort illegale Inhalte posteten, wurden festgenommen, gegen zwei weitere wird ermittelt. Ein schöner Erfolg, freut sich Bowden: "Bis alle Betreiber solcher Seiten festgesetzt sind, machen wir ihnen ihre Geschäfte so schwer wie möglich."

Brigitte 21/2018

Wer hier schreibt:

Julia Meyer-Hermann
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