Rachida Dati: Aufregung um die französische Justizministerin

Am 2. Januar hat Rachida Dati ihre Tochter zur Welt gebracht, fünf Tage später saß Frankreichs Justizministerin wieder im Büro. Jetzt wird sie als Rabenmutter beschimpft - wofür BRIGITTE-Autorin Kristina Maroldt überhaupt kein Verständnis hat.

Also, ich begreif' es einfach nicht: Da prescht eine Frau endlich mal volles Karacho durch die Schneise, die Frauenrechtlerinnen schon seit Jahrzehnten mühsam durch das Dickicht der Konventionen schlagen - und schon bläst eben dieser Räumungstrupp zur Gruppenkeile. Seit die französische Justizministerin Rachida Dati letzte Woche nur fünf Tage nach der Geburt ihrer Tochter Zohra auf High Heels und im kleinen Schwarzen ihren ersten postnatalen Amtstag bravourös durchrauschte, wird sie mit dem schwersten Geschütz bombardiert, das Frauen zur Demontage einer Geschlechtsgenossin im Depot haben: Sie sei a) eine gefühlskalte Karrieremaschine, b) eine schlechte Mutter und c) eine Verräterin an der Frauenbewegung. Respekt, so geballt kommt die Ladung selten!

Dabei war man sich doch erst so einig, Dati uneingeschränkt prima zu finden, sie gar als Symbol einer gelungenen Emanzipation zu feiern. Zum Beispiel, weil vor ihr noch keine französische Staatsfrau eine derart rasante Tellerwäscherkarriere hingelegt hat - vom Problemkiez der Vorstädte mitten ins Machtzentrum des Elysée-Palasts. Oder weil sie den Vater ihres Kindes trotz Drängen der Öffentlichkeit streng geheim hielt. "Ich habe ein kompliziertes Privatleben", sagte Dati nur - allein für diesen Satz hätten meine Single-Freundinnen sie am liebsten als Ehrengast zur nächsten Party geladen.

Doch jetzt weht ein anderer Wind. Denn es geht - Achtung! - nicht mehr ums Kindermachen, sondern ums Kindergebären und um das Erziehen. Und bei diesem Thema dreht die öffentliche Verurteilungsmaschinerie traditionell richtig heiß. "Dati unterwandert den Kampf für einen gesetzlichen Mutterschutz und macht anderen Müttern ein schlechtes Gewissen", werfen ihr französische Feministinnen vor. Und der deutsche Hebammenverband unkt: "Das kann für Mutter und Kind schlimme Folgen haben..."

Mädels, entspannt Euch! Erstens werden Dati und ihre Tochter derzeit sicher besser betüddelt als der Großteil aller alleinerziehenden Mütter. Und zweitens ist Dati trotz ihres Ministerinnenpostens noch immer eine Privatperson. Als solche darf sie - in Absprache mit ihrem Arzt - gefälligst selbst bestimmen, wie sie ihre Schwanger- und Mutterschaft gestaltet. "Mein Bauch gehört mir" - war das nicht mal die Parole?

Am meisten lachen musste ich aber über die Gewissensbisse, die Dati nun angeblich bei allen anderen Müttern verursacht. Wurde hier nicht etwas verwechselt? "WAAAS? SOOO früh willst Du wieder arbeiten?", musste sich zum Beispiel meine Kollegin M. anhören, als sie nach fünf Monaten (nicht: Tagen!) wieder am Schreibtisch saß. "Das würde ICH meinem Kind NICHT zumuten!" Irgendwann war M. das ständige Rechtfertigen satt und behauptete Fremden gegenüber nur noch, sie habe "so ungefähr ein Jahr" ausgesetzt... Mir als Noch-nicht-aber-vielleich-mal-irgendwann-Mutter macht Dati auf jeden Fall Mut. "Schwangerschaft ist keine Krankheit", hat sie mal gesagt. Ich hoffe doch sehr: Mutterschaft auch nicht.

Text: Kristina Maroldt Photos: Getty Images

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Kristina Maroldt
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