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Rebecca Immanuel: "Ich möchte für Kinder Dunkelheit in Licht verwandeln"

Rebecca Immanuel
© Vanessa Cowling / sonstige
Sie möchte helfen, wo Kinder allein gelassen und schlecht behandelt werden und engagiert sich dafür in drei verschiedenen Ehrenämtern: Schauspielerin Rebecca Immanuel - Teil 12 unserer Serie #dubiststark.

Rebecca Immanuel (49) ist eine wunderbare Schauspielerin, bekannt für ihre warmherzige und witzige Art und ihr strahlendes Lächeln. Ihre Fans lieben ihre charmanten Auftritte in Serien wie "Der Bergdoktor", "Die Eifelpraxis" oder ehemals auch der Anwaltsserie "Edel & Starck". Doch nicht nur vor der Kamera agiert Rebecca Immanuel mit ganz viel Herz.

Auch hinter den Kulissen engagiert sich die Mutter eines Sohnes mit viel Herzblut für Kinder, denen es nicht so gut geht. Für gleich drei verschiedene Organisationen setzt sie sich ehrenamtlich in ihrer freien Zeit ein. Im Interview mit BRIGITTE.de berichtet Rebecca Immanuel davon, welche Organisationen das sind und warum es ihr so wichtig ist, Kindern zu helfen.

BRIGITTE.de: Liebe Rebecca Immanuel, Sie sind eine bekannte Schauspielerin, aber auch Mutter eines Sohnes – erzählen Sie doch mal, wie sollte das Leben eines Kindes idealerweise sein?

Rebecca Immanuel: Ich denke, das hängt davon ab, wo ein Kind aufwächst. Wenn ein Kind zum Beispiel das Glück hat, in einem Wohlstandsland wie Deutschland aufzuwachsen, dann ist es mir als Mutter wichtig, dass ich mich an den Möglichkeiten meines Kindes orientiere. Das bedeutet: Ich versuche nicht, dem Kind meine Ziele und Wünsche überzustülpen, sondern zu gucken: Was genau braucht dieses Kind, um der stabilste, fröhlichste und gesündeste Baum zu werden, der es in diesem Leben sein kann?

Ja, man wünscht allen Kindern dieser Welt so liebe und fürsorgliche Eltern, die gut aufpassen und alles tun, damit es dem Kind gut geht und es sich gut entwickelt. Aber leider gibt es sehr viele Kinder, die stattdessen eine sehr schlimme Kindheit erleben, die durch Missbrauch, Gewalt, Verlust und Trauer psychisch traumatisiert werden. Diesen Kindern wird zum Beispiel in dem Hamburger Traumatherapiezentrum "Ankerland" geholfen, für das Sie Botschafterin sind. Wie ist es dazu gekommen?

Ich finde es als prominenter Mitmensch wirklich wichtig, Werten und klugen Ideen eine große Reichweite zu verschaffen. Das empfinde ich nicht nur als Möglichkeit, sondern sogar fast schon als eine Pflicht jeder Prominenz. Und ich habe mich entschieden, Teilaspekte der Hilfe für Kinder zu bedienen, die noch nicht ganz so stark von anderen Mitmenschen gefördert werden. Darum engagiere ich mich für den Verein Ankerland, die Stiftung Lesen und die Stiftung Zu-Wendung für Kinder.

Bitte erzählen Sie doch ein wenig mehr zu Ankerland – was zeichnet diesen Verein aus?

Bei Ankerland kommen Kinder an, die schwer traumatisiert wurden. Das kann zum Beispiel passieren, wenn ein Kind über einen längeren Zeitraum Gewalt oder Vernachlässigung erfährt, oder mit dabei ist, wenn sich jemand vor die U-Bahn wirft, oder selber eine schlimme Krankheit erleidet.

Es gibt verschiedene Formen der Traumatisierung, Schocktrauma oder Entwicklungstrauma. Was wir inzwischen wissen, ist, dass jede Traumatisierung unser Genmaterial verändert. Wenn man das nicht heiltherapeutisch auffängt, hat das zur Folge, dass man eine Traumatisierung – oft auch unbewusst – an die nächste Generation weitergibt. Man hat beispielsweise kürzlich herausgefunden, dass Kinder psychisch kranker Eltern, bis zu 68 Prozent davon bedroht sind, selber eine schwere psychische Störung auszubilden. Was das für die Betroffenen und unsere Gemeinschaft bedeutet, kann sich jeder selber ausrechnen.

Deswegen ist es so wichtig, dass wir Kinder oder Jugendliche, denen Schlimmes widerfahren ist, frühzeitig eine ganzheitliche Therapieform wie bei Ankerland anbieten, wo sie ihr Leid und ihre Ohnmacht verarbeiten können, Zuversicht und Heilung erfahren, um so ihre Traumatisierung nicht mehr weiterzugeben. Damit stärken wir nicht nur den Betroffenen, sondern unsere ganze Gesellschaft.

Außerdem engagieren Sie sich die Stiftung Lesen. Warum machen Sie sich für diese Stiftung stark?

Bildung schafft Frieden und Freiheit. Die tolle, junge Frauenrechtlerin, Malala Yousafzai, sagt: "Bücher sind stärker als Waffen". Dem kann ich nur zustimmen. Wenn man gebildet ist, kann man Vorurteile aus der Welt räumen, hat Zugang zu einem selbstbestimmten Leben. Man kann Bildung nicht hoch genug schätzen. Und um sich Bildung ermöglichen zu können, braucht man das Lesen und die Liebe zum Lesen, damit es leicht wird.

Wenn man also Kinder gewinnen kann, eine Liebe zum Lesen zu entwickeln, fördert man nicht nur ihre Selbstbestimmung, sondern, ganz wichtig, ihre Phantasie.

Dadurch formt und benutzt man das Gehirn ganz anders, als wenn man ein Kind vor einem elektronischen Gerät parkt. Wir brauchen Phantasie, um Visionen für uns selber, unser Leben, unsere Gesellschaft, für technische Neuerungen etc. zu entwickeln. Wir brauchen diese unsichtbare Zauberkraft. 

Wie genau engagieren Sie sich für diese Stiftung?

Ich engagiere mich als Botschafterin und Vorleserin für die Stiftung Lesen. Manchmal gebe ich in meinen sozialen Netzwerken Tipps zu Büchern, die ich gerade entdeckt habe. Da mich das Lesen durch meine ganze Kindheit begleitet hat und ich eine totale Leseratte bin, gebe ich dieses Hobby auch an mein Kind weiter. Das tägliche Vorlesen ist ein schönes Abendritual. Mein Sohn liebt spannende Geschichten, ich bringe gerne lustige Geschichten aus der Bücherei mit, und achte darauf, dass es da ein gutes Gleichgewicht in seiner Kinderseele gibt. Ich liebe es, abends mein Kind im Arm zu halten, ihm vorzulesen, mitzufiebern und mit der Phantasie zu reisen. Die Erfahrung zeigt, dass mein Sohn dann auch entspannter und in im Herz und Geist gesättigt in den Schlaf findet. 

Die dritte Stiftung, für die Sie sich ehrenamtlich engagieren, ist die Stiftung Zu-Wendung für Kinder. Was macht diese Stiftung aus?

Wir engagieren uns dafür, dass Kinder wieder all das an Bindung bekommen, was sie brauchen, um glückliche und gesunde Erwachsene zu werden. Dazu braucht es Information und Bildung. Es ist wichtig, die Menschen darüber aufzuklären, dass alles, was ein Erwachsener braucht, um eigenverantwortlich und umsichtig handeln zu können, bereits in seiner Kindheit angelegt wird – allen voran in den ersten drei Lebensjahren, wo die meisten Vernetzungen im Gehirn entstehen.

Alle Erfahrung, die wir als Kinder in unserem sozialen Umfeld machen, prägen uns für ein ganzes Leben. Sie prägen, welchen Partner wir uns aussuchen, wie wir mit Stress umgehen, wie wir Schmerz empfinden, welche Krankheiten wir bekommen, und vor allem, wie wir unsere Gefühle erleben, wahrnehmen und ob wir unsere Gefühle kontrollieren können. Und, auch ganz wichtig: Ob wir einfühlsam sind und wie wir mit unserem Gegenüber umgehen. Sie prägen – wenn man so will – letztlich unser gesellschaftliches Miteinander.

Warum ist genau das so wichtig?

Damit wir in einer sicheren und wertschätzenden Gesellschaft leben können. Sie müssen sich nur mal in die U-Bahn setzen und manchen Menschen beim Umgang miteinander zuschauen, das ist nicht immer schön. Und wenn ich mir den Umgang auf den Schulhöfen und vor den Schulen in Berlin ansehe, stelle ich fest, als Mutter macht mir das Sorgen. Ich bin davon überzeugt, dass es viele Menschen gibt, die ihre Kinder besser und empathischer begleiten würden, wenn sie wüssten, wie es geht. Stichwort Lesen, Stichwort Bildung, Stichwort Aufklärung. Das wäre ein so wichtiger Beitrag, um der Verrohung unserer Gesellschaft Einhalt zu gebieten. 

Wollen Sie noch etwas mehr dazu berichten, was Sie als Mutter tun, um ihrem Kind positive Fähigkeiten und Eigenschaften mit auf den Weg zu geben? 

Vor allen Dingen nehme ich mir Zeit für mein Kind. Ich denke alles, egal ob ein Text, ein Garten oder unser Kind, kann zur Blüte gelangen, wenn wir uns dafür interessieren und uns Zeit nehmen. In den ersten drei Jahren habe ich zum Beispiel darauf geachtet, das Kind viel in einer Tragehilfe am Körper zu tragen, um es seelisch zu stärken. Das war übrigens grade auf Reisen oder bei der Hausarbeit sehr praktisch. Im Kinderwagen habe ich drauf geachtet, dass das Kind solange wie möglich zu mir schaute, um das Gehirn nicht zu überreizen. Mit Erfolg, mein Sohn kann sich hervorragend konzentrieren.

Außerdem war ich in den ersten Jahren fast die ganze Zeit mit meinem Kind zu Hause und hab für eine sichere Bindung gesorgt. Später hatte ich das große Privileg, durch familienfreundliche Filmproduktionen, mein Kind mit zur Arbeit nehmen zu können. Außerdem sind Dreharbeiten immer abgeschlossene Projekte, die mir dadurch regelmäßig Zeit für mein Familienleben lassen, ein großes Geschenk. Das war und ist mir immer noch sehr wichtig.

Als es an der Zeit war zusätzlich Fremdbetreuung zu nutzen, habe ich sehr genau geschaut, wo ich mein Kind in die Betreuung gebe. Erziehung findet meiner Meinung nach in erster Linie zuhause statt, soll aber im besten Fall, auch außen in entsprechender Form weitergeführt werden, "Fröhliche Kinder, leichte Elternherzen".

Kinder verdienen Zeit, Pflege und Liebe, die darf man nicht alleine lassen, mit sich und ihren vielen Gefühlen.

Ich denke, jedes Elternteil, das sein Kind als Bereicherung empfindet und nicht als Zumutung, kann davon berichten, wie entzückend und beglückend die Liebe von Kindern ist, die sich angenommen und geschätzt fühlen. Dieses Strahlen in den Augen, diese putzigen Ideen und Betrachtungsweisen der Welt, mit denen man in Berührung kommt, dieses Ausmaß an bunter Kreativität empfinde ich für mein Privatleben als äußerst beflügelnd. 

Sie geben viel für Ihr ehrenamtliches Engagement, aber offensichtlich erleben Sie es auch als sehr bereichernd und inspirierend, derart wirken zu können, richtig?  

Ja! Man kann gemeinsam so vieles erreichen, wenn man sich vernetzt und zusammenarbeitet. Man schaue nur mal auf die Fridays-for-Future-Bewegung. Es beglückt mich total zu erleben, dass es viele gibt, die sagen: Lasst uns doch dafür sorgen, dass der Umgangston miteinander besser wird. Lasst uns miteinander Wege finden, damit unsere Welt nicht länger dieser krassen Umweltbelastung ausgesetzt wird. Das finde ich toll. Da wacht man morgens so inspiriert und wach auf wie Kinder, die den ganzen Tag ohne Pause begeistert spielen können. Wenn so ein Kind zu Hause noch eine sichere Bindung hat, und es dann draußen in der Welt Erfahrungen macht, im Kindergarten und in der Schule, in der Gewissheit, zuhause ist jemand dem ich mich anvertrauen kann und der hilft, dann haben wir später einen stabilen Erwachsenen, der Lust und auch das Selbstvertrauen hat, die Probleme der Welt, die wir haben, anzupacken und zu lösen.

Wenn Sie sich für jede dieser drei Organisation, für die Sie sich so sehr engagieren, etwas zu Weihnachten wünschen dürften – was würden Sie sich wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass sich möglichst viele Mitmenschen, ob Eltern oder liebevolle Mitbürger, von denen es ja viele gibt, diesen Stiftungen einmal zuwenden, sich für deren Arbeit interessieren, sich informieren und dann einen Beitrag leisten, damit noch viel mehr Kindern geholfen werden kann und Dunkelheit in Licht verwandelt wird. Mein herzliches Dankeschön!

Aktuelle News von Rebecca Immanuel findet ihr auf ihrer Internetseite www.rebeccaimmanuel.com und auf ihrem Instagram-Profil.

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