Warum Frankreich mit Marine Le Pen immer weiter nach rechts rückt

Marine Le Pen, Chefin der rechtsextremen "Front National", hat einen ausgeprägten Machtinstinkt. Bei den Regionalwahlen holte sie fast ein Drittel der Stimmen.

Der IS-Terror beeinflusst die Wahlen in Frankreich

Knapp einen Monat nach den Anschlägen von Paris haben knapp ein Drittel (28 Prozent) der Franzosen Marine Le Pens rechtsextreme Partei "Front National" (FN) gewählt. Die Partei befindet sich seit Jahren im Aufwind, profitierte bei den Regionalwahlen am Sonntag aber zusätzlich von den Terroranschlägen vom November. Die islamophobe, europafeindliche Partei schürt die Ängste der Menschen - im Wahlkampf forderte sie die Schließung der Grenzen und mehr innere Sicherheit.

"Die EU ist zutiefst schädlich"

Die Europäische Union sieht Marine Le Pen als alles verschlingendes Monstrum. Dem "Spiegel" sagte sie: "Die EU ist zutiefst schädlich, sie ist ein antidemokratisches Monster. Ich will verhindern, dass es fetter wird, dass es weiteratmet, dass es mit seinen Pranken nach allem greift und dass es seine Tentakel in alle Bereiche unserer Gesetzgebung steckt. In unserer glorreichen Geschichte sind Millionen dafür gestorben, dass unser Land frei bleibt. Heute lassen wir es einfach zu, dass unser Recht auf Selbstbestimmung gestohlen wird."

Anklage wegen rassistischer Äußerungen

Marine Le Pen wurde wegen "Anstiftung zu Diskriminierung, Gewalt oder Hass gegen eine Personengruppe wegen ihrer Religionszugehörigkeit" angeklagt. Sie hatte muslimische Gebete in der Öffentlichkeit mit der NS-Besatzung in der Zeit des Zweiten Weltkriegs verglichen. Das Urteil wird für den 15. Dezember erwartet.

Was hat Marine Le Pen vor?

Die Regionalwahlen sind die letzte landesweite Entscheidung vor der Präsidentschaftswahl 2017. In zwei Jahren will Marine Le Pen Frankreichs Präsidentin werden.

Was macht Marine Le Pen so erfolgreich?

Ihr Vater, Jean-Marie Le Pen, war seit der Gründung der "Front National" 1972 Parteivorsitzender. Der FN hatte mit Le Pen zwar moderaten Erfolg, aber die Franzosen trauten ihm nicht über den Weg. 2002 sagten 74 Prozent der Franzosen, keine gute Meinung von ihm zu haben. Mit seinen offen rassistischen, sexistischen und antisemitischen Äußerungen blieb er ein Außenseiter.

Seine Tochter, die 47-jährige Anwältin und dreifache Mutter Marine Le Pen, hat einen subtileren Führungsstil. Sie tritt moderater auf und hat es geschafft, den FN von seinem schlechten Image zu befreien. Sie ruft Mitglieder zur Ordnung, die sich extrem rassistisch äußern. Provokationen und Polemik finden auf einem anderen Niveau statt, Bomberjacken und Springerstiefel sind tabu.

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