Rügenwalder Mühle wird vegetarischer und die Menschen meckern. Warum?

Rügenwalder Mühle schmeißt die Currywurst raus, setzt auf Veggie – und die Menschen meckern. Aber wir haben keine Zeit für Greenwashing-Debatten, findet unsere Redakteurin.

Der Regenwald brennt, ein Hurrikan verwüstet die Bahamas und in Grönland schmelzen die Gletscher weg. Das alles passiert gerade zeitgleich – in dieser Sekunde. Es gibt aber auch einen erfreulichen Trend: Wenn auch aufgrund trauriger Begebenheiten ist das Thema Klimawandel in den Medien derzeit so bildlich präsent wie selten. Die Menschen merken, in welcher Extremsituation sich die Welt aktuell befindet, weil sie es direkt vor Augen geführt bekommen.

Neben den Folgen des Klimawandels sind es die Reaktionen darauf, die interessant sind: Miley Cyrus will für den Klimaschutz keine Kinder mehr bekommen, Greta Thunberg segelt nach New York, ein Inlandsflugverbot wird debattiert und Rügenwalder Mühle macht Schluss mit Currywurst.

Was haben diese Meldungen gemeinsam? Sie haben allesamt einen tieferen Sinn, sollen etwas bezwecken, bekämpfen, was bereits in vollem Gange ist. Und sie werden verhöhnt.

Die Debatte um die Rügenwalder Mühle ist ein aktuelles, schönes Beispiel dafür, was in unserer Gesellschaft gerade passiert. Die Marke hat die Currywurst zum 1. September aus dem Sortiment genommen. Knapp 40 Prozent dessen besteht bereits aus vegetarischen Produkten, für weitere soll der Rausschmiss von Fleischprodukten sorgen. Es sei an der Zeit, mal 50 Prozent weniger Tiere zu essen, soll Rügenwalder-Chef Godo Röben gesagt haben, wie unter anderem Spiegel Online berichtete.

Wenn ein Wursthersteller gegen Fleisch wettert, ist die Lage ernst

Dabei handelt es sich um eine durchaus ungewöhnliche Aussage für einen Wursthersteller. Und die bietet Angriffsfläche. Nicht nur in den eigenen Reihen stieß die neue Produktausrichtung auf Widerstände. Auch von außerhalb kommt Kritik:  Selbstruin und Greenwashing sind Wörter, die in Zusammenhang mit der Rügenwalder-Strategie durch die Sozialen Medien schweifen.

Wenn eine Marke, die für Fleischprodukte bekannt ist, appelliert, auf diese zu verzichten, gehört natürlich ein gewisses Risiko dazu. Auch die Vorwürfe des Greenwashings, also dass Rügenwalder mit der Strategie nur von schmutzigen Machenschaften der Vergangenheit ablenken wolle, sind nicht ganz von der Hand zu weisen. Bekannt wurde nämlich mittlerweile, dass die Currywurst nicht nur aus Nächstenliebe für Veggie-Produkte das Feld räumt, sondern von Anfang an nicht einfach zu vermarkten war. Selten spielt ein Wursthersteller zudem auf Gesundheits-, Klima- oder Tierschutzziele ein. Muss man trotzdem von Doppelmoral sprechen, wenn dieser nun auf vegetarische Produkte setzt?

Hier geht's nicht um die Wurst. Sondern um die Umwelt.

Nein. Das ist zumindest meine Meinung. Sicherlich haben wir den Produktwandel der Rügenwalder Mühle nicht reinem Gutmenschentum zu verdanken. Letztendlich bleibt der Hersteller ein wirtschaftliches Unternehmen, das Umsatzbußen vermeiden und schnell eine Alternativsäule aufbauen will.  Und auch die Zutatenliste vegetarischer Wurst  sollte man sich immer genauer anschauen. Aber: Das Unternehmen reagiert damit auf Probleme, die derzeit die Welt beherrschen. Und das allein ist doch ein wenig Applaus wert.

Schluss mit der Zeigefinger-Gesellschaft

Stattdessen geht die Zeigefinger-Gesellschaft wieder einmal den einfacheren Weg: Sie prangert Unternehmen und Menschen für ihre Fehler an und vergisst dabei das größere Ganze. Die Rügenwalder Mühle will den Fleischkonsum einschränken – und wird wegen Plastikverpackungen und Scheinheiligkeit beschimpft. Greta Thunberg segelt nach New York – und erhält einen Shitstorm, weil ihre Team-Mitglieder fliegen. All die negative Energie wäre deutlich besser eingesetzt, wenn man sie in seinen eigenen Beitrag für die Umwelt fließen lassen würde.

Jeder Schritt, und sei es nur ein winziger, ist eine Bewegung in die richtige Richtung. Wir befinden uns nun einmal aktuell in einer Situation, in der jede noch so kleine Veränderung zählt. Denn stehen bleiben, ist keine Alternative – das verdeutlichen uns die Folgen des Klimawandels schon jetzt.

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