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Sachsen-Anhalt Grundschule bildet eine erste Klasse nur aus Kindern mit Migrationshintergrund – Kritik aus Politik und Verbänden

Sachsen-Anhalt: Kinder sitzen im Unterricht und melden sich
© ESB Professional / Shutterstock
Rassismusvorwürfe gegen eine Schule in Sachsen-Anhalt: Dort wurde eine erste Klasse nur aus Kindern mit Migrationshintergrund gebildet. So sollte angeblich die Sprachförderung verbessert werden. 

Gleich an ihrem ersten Schultag mussten einige Schülerinnen und Schüler in Sachsen-Anhalt die Erfahrung machen, auf ihre Herkunft reduziert zu werden. An einer Schule in Burg (Landkreis Jerichower Land) wurde eine erste Klasse komplett aus Kindern mit Migrationshintergrund gebildet.

Das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (Lamsa) hatte den Vorgang in einer Pressemitteilung öffentlich gemacht und ein "rassistisches Desaster" genannt. "Unsere Tochter freute sich, mit ihrer besten Freundin in die Schule zu starten", werden darin Eltern eines betroffenen Mädchens zitiert: "Doch weil unser Kind nicht 'deutsch genug' aussieht, hatte sie dazu nie eine Chance." Die Eltern hätten von der Klasseneinteilung erst bei der Einschulung erfahren.

Schule nimmt die Entscheidung wieder zurück

Mittlerweile hat die Grundschule nach Angaben des Landesschulamts die umstrittene Einteilung wieder rückgängig gemacht. Ein Sprecher des Landesschulamts erklärte dem MDR, die Schule habe "in der Absicht gehandelt, ihre Möglichkeiten zur Sprachförderung bestmöglich und im Sinne der Kinder auszunutzen", indem sie einen arabischsprechenden Klassenlehrer für Kinder mit arabischem Migrationshintergrund einteilte.

Allerdings sprechen laut MDR viele der betroffenen Kinder bereits gut Deutsch. "Da ist Porzellan zerbrochen worden. Und das ist etwas, das wir nicht schönreden wollen", gab der Behördensprecher zu. "Die Schule ist vielleicht etwas zu vereinfachend davon ausgegangen, dass die Kinder mehrheitlich einen syrischen oder irakischen Nationalitätenhintergrund haben und ist vielleicht dann zu dem Schluss gekommen, die werden alle Arabisch sprechen." Er widersprach allerdings auch der Darstellung von Lamsa, in den anderen beiden Klassen habe es keine Kinder mit Migrationshintergund gegeben.

Integrationsbeauftragte übt Kritik

Auch Susi Möbbeck (SPD), Integrationsbeauftragte in Sachsen-Anhalt, kritisierte das Vorgehen der Schule: "Gemeinsames Lernen fördert die Integration in der Schule. Soweit Sprachförderung erforderlich, erfolgt diese in Sprachfördergruppen oder integrativ. Reine 'Ausländerklassen' widersprechen Integration und stigmatisieren." Es bestehe "weiterer Gesprächs- und Bildungsbedarf vor Ort".

Der Schulleitung, die sich nun Rassismusvorwürfen ausgesetzt sieht, sei der Vorfall "regelrecht peinlich". Man habe die Sensibilität des Themas falsch eingeschätzt. In Zukunft soll es vor solchen Entscheidungen mehr Kommunikation mit den Eltern geben.

Quellen: "Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt" / "MDR" / "Susi Möbbeck auf Twitter"

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf stern.de.

epp/stern

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