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Gebürtige Ukrainerin Ela. mit neuer Single "Ich müsste der glücklichste Mensch der Welt sein, aber da ist eine schwarze Wolke über mir"

Interview: Sängerin Ela. mit neuer Single
© Alex Kleis / PR
Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März bringt Musikerin Ela. ihre Single "Wenn ich NEIN sag, dann mein ich NEIN" heraus. Im Interview verrät die Sängerin mit ukrainischen Wurzeln, wie schwer es ist, sich darüber zu freuen, wenn in ihrem Heimatland Krieg herrscht. 

Ela. ist Songwriterin und Musikerin. In der Nähe von Kiew aufgewachsen und mit sieben Jahren ins Saarland gezogen, schrieb sie bereits an Songs für Michael Patrick Kelly und Helene Fischer mit. BRIGITTE.de hat mit der Wahlberlinerin über ihre neue Single, über Frauenrechte und die schlimme Situation in der Ukraine gesprochen. 

BRIGITTE.de: Ela., Ihre Single "Wenn ich NEIN sag, dann mein ich NEIN" erscheint anlässlich des Weltfrauentags. Was bedeutet der Tag für Sie? 
Ela.: Der Weltfrauentag ist für mich ein wichtiger Tag und zwar im Hinblick auf die gesellschaftliche Sichtbarkeit von Frauen. Er ehrt nämlich auf der einen Seite starke Frauen und deren Erfolge und zeigt auf der anderen Seite, wie viel wir noch zu tun haben. Ich finde es schön und wichtig, dass es einen solchen Tag gibt!

Ihr Song adressiert Frauenrechte und Gleichberechtigung. Worum geht es genau?
"Wenn ich Nein sag, dann mein ich Nein" ist ein zentraler Satz, den viele Frauen kennen. Ob es um Grenzüberschreitungen geht, darum belächelt zu werden oder sich immer wieder beweisen zu müssen. Als Frau musst du immer mehr kämpfen, und das in allen Bereichen. Auch die Musikbranche ist stark männerdominiert. Ich bin mit Sprüchen wie "Mäuschen, lass mich das machen" oder "Stell dich nicht so an" groß geworden. Das prägt natürlich. Mit meinem Song möchte ich ein Statement setzen.

Verbinden Sie mit "Wenn ich NEIN sag, dann mein ich NEIN" ein bestimmtes Erlebnis?
Definitiv nicht nur eins. Obwohl ich das Glück hatte, in einem weltoffenen und gleichberechtigten Haushalt aufwachsen zu dürfen, habe ich – wie wahrscheinlich jede Frau – unschöne Erlebnisse gehabt, sexuelle Belästigung inklusive.   

Die Botschaft Ihres Songs lässt sich auch auf die aktuelle politische Lage übertragen. Wie geht es Ihnen mit Blick auf Ihr Heimatland?
Ich bin ein Drittel Ukrainerin, ein Drittel Polin und ein Drittel Deutsche und in der Nähe von Kiew aufgewachsen. Mit sieben Jahren bin ich mit meiner Mutter zu meinem Stiefvater ins Saarland gezogen. Ich habe also viel mehr Zeit in Deutschland als in der Ukraine verbracht. Trotzdem berührt es mich zutiefst und ich will es nicht wahrhaben, Kiew und den Rest des Landes in diesem Zustand zu sehen, gerade im Vergleich zu den Bildern, die ich erinnere. Die Menschen verstecken sich in Luftschutzbunkern und in U-Bahnschächten und bangen um ihr Leben. Das ist schmerzhaft zu sehen.

Wie geht es Ihren Verwandten und Freund:innen? Wie halten Sie Kontakt?
Viele von meinen Freunden oder Familienmitgliedern haben die Ukraine bereits verlassen. Der Konflikt zieht sich ja schon seit 2014 hin. Trotzdem habe ich noch einige Freunde dort. Teilweise versuchen sie auch wegzukommen. Das ist aber im Moment schwierig. Vor allem für Männer.

Mein Cousin kommt nicht weg, weil er eingezogen wurde. Er hat Ballett in Kiew studiert und auf einmal muss er sein Land verteidigen.

Natürlich versuchen wir, weiter Kontakt zu unseren Freunden zu halten. Zu meiner Grundschullehrerin zum Beispiel. Doch immer wieder sind Telefonleitungen überlastet und Stromausfälle machen es zusätzlich schwer. Mir tut das im Herzen weh.

Können Sie sich im Moment überhaupt auf Ihre Tour-Vorbereitungen konzentrieren?
Gerade ist es absolut schwer. Ich bin stetig im Zweispalt. Freitag kommt meine Single, für die ich so hart gearbeitet habe, und ich müsste eigentlich der glücklichste Mensch der Welt sein, aber da ist einfach eine schwarze Wolke über mir, die alles überschattet. Deswegen konzentriere ich mich eher darauf zu helfen, als im Studio rumzuhängen. Später sortiere ich mit einer - und das möchte ich betonen - russischen Freundin Sachspenden und gehe einkaufen, weil noch Hygieneartikel für unsere Lieferung für die Menschen auf der Flucht fehlen. Meine Fans sind die besten, die verstehen das zum Glück. 

Gibt es etwas, das Ihnen Hoffnung macht?
Ich finde es total stark, wie die Menschen versuchen zu helfen, spenden, demonstrieren und Geflüchtete aufnehmen. Jetzt ist es wichtiger denn je, zusammenzuhalten und sich öffentlich Gehör zu verschaffen und Druck auf die Politik auszuüben. Denn am Ende wollen wir doch alle in Frieden leben können.  

Können Sie sich vorstellen, das Thema musikalisch zu verarbeiten?
Das kann ich noch gar nicht sagen. Was ich aber sagen kann, ist, dass Musik mein Mittel ist, Konflikte und Emotionen zu verarbeiten. Sie fließen immer mit ein, ob ich möchte oder nicht. Ich weiß es zu schätzen, dass ich Menschen mit meiner Musik berühre und hoffe, dass ich sie in dieser schweren Zeit etwas ablenken kann. Mal schauen, wo das zweite Album hingehen wird. 

Die Single "Wenn ich NEIN sag, dann mein ich NEIN" erscheint am 4. März auf auf allen gängigen Download- und Streamingportalen. 

Brigitte


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