Sara Nuru: "Modeln ist kein Job, der Sinn stiftet"

Teil 11 unsere Serie #du bist stark: Sara Nuru wurde über Nacht zum Topmodel. Fast zeitgleich ging sie als Botschafterin mit der Organisation "Menschen für Menschen" nach Äthiopien – dem Heimatland ihrer Eltern. In ihrem neuen Buch "Roots" befasst sie sich damit, Teil zweier Welten zu sein, die unterschiedlicher nicht sein könnten. 

Zwei völlig unterschiedliche Welten

Sara Nuru war 19 Jahre alt, als sie als erste "Woman of Color" Germanys Next Topmodel gewann. Die Konfetti-Kanone, die im Finale ihren Sieg signalisierte, war gleichzeitig der Startschuss in ein neues Leben. Shootings, Modeschauen und Fernsehauftritte – jeder Tag war neu. Jeder Tag war aufregend und spannend. In ihrem Buch "Roots" schreibt sie über die vielen Erfahrungen, die sie machte.

Es war ein Leben wie im Zeitraffer

Schon während der Dreharbeiten für Germanys Next Topmodel bekam Sara eine Anfrage von „Menschen für Menschen“ – eine Organisation, die in Äthiopien Hilfsprojekte durchführt. Sie war stolz, denn sie selbst hat äthiopische Wurzeln. Als ihre Mutter von der Anfrage erfuhr, weinte sie. Nach den Dreharbeiten reiste Sara als Botschafterin mit der Stiftung nach Äthiopien. Zurück in Deutschland sammelte sie Spenden und finanzierte damit den Umbau einer Schule, die am Ende sogar nach ihr benannt wurde.

Auf der anderen Seite jattete sie als Model um die Welt, wohnte in teuren Hotels, aß in angesagten Restaurants.

Mein plötzlicher Erfolg und dieser schnelle Ruhm fühlte sich ein bisschen so an, als hätte ich die Treppe links liegen gelassen und sei mit dem Aufzug gleich in die Penthouse-Etage gefahren

Keine Frage, Sara war auf der Überholspur. Doch irgendwann merkte sie, dass etwas mächtig schief läuft.

Nicht alles ist Gold, was glänzt

Der Wendepunkt kam in New York. Für einen Bericht des Star-Magazins „red!“ probierte Sara Eiscreme. Eigentlich keine große Sache. Nicht aber, wenn das Dessert jeglichen Preisrahmen einer normalen Eiskugel sprengt. Für tausend Dollar bekam sie im New Yorker Restaurant „Serendipity 3“ das Eis „Golden Opulence Sunday“ serviert. Blattgold, Dessert-Kaviar und 24-Karat-Goldsplitter sind die Zutaten, die das Eis zu einem buchstäblichen Schmuckstück machten. Für Sara fühlte sich das unaufrichtig und falsch an.

Der Zweifel an ihrem Beruf als Model und der Glamour-Welt kam schleichend. Nach dem Vorfall in New York nahm sie immer seltener an Events teil, sagte mehr und mehr Shootings ab. In ihrem Buch beschreibt sie, wie schwer das für sie war, denn eigentlich wurde sie dazu erzogen, immer dankbar zu sein. Für das, was sie erreicht hat. Für jede Chance. Doch die Abneigung gegen das Modeln wuchs.

Model zu sein ist kein Job, der Sinn stiftet

Auf der Suche nach ihren Wurzeln

Sara reiste immer öfter nach Äthiopien, lernte das Land kennen, suchte ihre Wurzeln. In ihren Buch beschreibt sie, dass sie nicht nur über ihre Karriere als Model definiert werden möchte. Sie will sich nicht das Gefühl, geliebt zu werden, über die Bestätigung im Job holen.

Eines Tages erzählte ihr ein Freund von einem Buch namens „Start something that matters“, das ihr Leben verändern sollte. Starte etwas mit Bedeutung. In dem Buch geht es um die Schuhmarke TOMS, die durch ihr besonderes Geschäftsmodell gleichzeitig etwas Positives für die Gesellschaft leistet. Für jedes verkaufte Paar Schuhe spendet TOMS nämlich ein weiteres Paar Schuhe an Kindern in Not. Sara beschreibt in ihrem Buch, wie begeistert sie davon war, dass so genannte "Social Businesses" wirtschaftlich und trotzdem wohltätig arbeiten können.

Basierend auf diesem Gedanken gründete Sara und ihre Schwester Sali 2016 nuruCoffee. Kaffee, weil die Leidenschaft in ihrer Familie liegt. Seitdem Sara denken kann, zelebriert ihre Mutter jede Woche Kaffee-Zeremonien. Dabei duftete es nach Kaffeebohnen, Weihrauch und Popcorn – der Geruch ihrer Kindheit.

Kaffee verändert Leben

Mit dem Unternehmen nuruCoffee haben sich Sara und ihre Schwester Sali einen Traum erfüllt – dem Land ihrer Eltern etwas zurückzugeben. Denn durch den Verkauf von äthiopischen Kaffee vergeben die Schwestern Mikrokredite an Frauen in Äthiopien. Sara und Salis Ziel ist es, diesen Frauen eine Perspektive zu geben, damit sie sich aus eigener Kraft eine Zukunft aufbauen und ihre eigenen Geschäftsideen verwirklichen können.

Sara bereut das Modeln nicht. Ihr Job half ihr dabei, Fuß zu fassen und ein stabiles Fundament aufzubauen – auch in finanzieller Hinsicht. Das Modeln hat sie nicht komplett aufgegeben. Es macht ihr sogar wieder viel mehr Spaß, da sie nun auch die Möglichkeit hat, die eher oberflächliche Arbeit als Model mit etwas Sinnvollem zu ergänzen. Sara und Sali haben es geschafft, eine Brücke zu bauen. Zwischen zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein können.


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