Fahrverbot für Frauen? Loujain macht da nicht mit

Eine junge Frau kämpft mit mutigen Aktionen gegen das Fahrverbot für Frauen in Saudi-Arabien. Nun sitzt sie im Gefängnis und wird als Terroristin angeklagt.

Es ist für uns ein normales Bild. Eine junge Frau sitzt am Steuer eines Autos, sie trägt eine Sonnenbrille, lächelt. Doch was bei uns nicht mal ein Achselzucken auslöst, ist in Saudi-Arabien eine Straftat. Denn dort gilt seit 1990 ein Fahrverbot für Frauen. Der Geistliche, der die Fatwa damals verkündete, fürchtet durch fahrende Frauen "Versuchungen" und "soziales Chaos".

Zwar wurde das Fahrverbot 2014 etwas gelockert: Ein Rat der saudischen Königsfamilie kündigte an, dass Frauen künftig selbst fahren dürften - aber nur, wenn sie über 30 Jahre alt sind, kein Make-up am Steuer tragen, nicht nach 20 Uhr fahren und die Erlaubnis eines männlichen Verwandten haben.

Freiheit sieht anders aus.

Die Saudi-Araberin Loujain al-Hathloul sieht es nicht ein, sich so einzuschränken. Die 25-Jährige ist eine von Saudi-Arabiens vielen gut ausgebildeten Frauen. Sie hat französische Literatur in Kanada studiert, wo sie ganz selbstverständlich Auto fuhr.

Auch wenn sie vom Westen sehr beeinflusst ist - Loujain liebt ihr Land, in das sie nach ihrem Studium zurückgekehrt ist. Aber ihr gefallen nicht alle Regeln in Saudi-Arabien.

Protestfahrt von Abu Dhabi zur Grenze

Vor ein paar Monaten wollte sie ein Zeichen setzen. Im Internet rief sie saudische Frauen dazu auf, Videos von sich beim Autofahren zu veröffentlichen. Sie selbst ging als Beispiel voran.

Das Auto für ihre Protestfahrt kaufte sie in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo sie sich auch einen Führerschein ausstellen ließ. Dann machte sie sich auf den Weg von Abu Dhabi zur saudischen Grenze. Das Video und Tweets von der Fahrt stellte sie ins Netz.

Die Grenzposten staunten nicht schlecht, als Loujain ihnen selbstbewusst ihren Führerschein zeigte. Doch sie hielten sie trotzdem fest. Nach 24 Stunden wurde sie schließlich verhaftet. Auch ihre Freundin, die vorbeigekommen war, um ihr Wasser und Essen zu bringen.

Seitdem sitzen die beiden Frauen im Gefängnis. Laut Amnesty International müssen Loujain und ihre Freundin sogar vor das Sondertribunal für Terrorismus.

Terrorismus? Wegen einer Autofahrt?

Tatsächlich wurde dieses Sondertribunal 2008 vor allem zur schnellen Verurteilung von Terroristen gegründet. Doch laut Menschenrechtlern landen immer mehr politische Aktivisten vor dem Tribunal.

Offiziell sitzt Loujain al-Hathloul auch nicht wegen ihrer Autofahrt in Haft, sondern wegen ihrer Aktivitäten im Internet. Frauenrechtler weltweit fordern jetzt ihre Freilassung. Amnesty International startete mit der mutigen Saudi-Araberin eine neue Artikelreihe über "Starke Frauen".

Verheiratet ist Loujain laut "The Globe and Mail" übrigens mit dem saudischen Comedian und Aktivisten Hisham Fageeh. Der hat sich mit dem Bob-Marley-Cover "No Woman, No Drive" über das Fahrverbot lustig gemacht und einen Internet-Hit mit Millionen Likes landete.

Es gibt offenbar viele Menschen, die auf der Seite der saudischen Frauen sind.

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