Scheidung light

Scheiden tut weh. Sich scheiden lassen kostet überdies eine Menge Geld und Zeit. In den USA können Paare sich bereits online scheiden lassen. Auch in Deutschland werden papierlose Ehescheidungen noch in diesem Jahr möglich sein.

Scheidungsglück pur: Wer sich auf der Website der amerikanischen Online-Scheidungsfirma divorcewizards.com umschaut, kann bei Bedarf zwischen Bronzener, Silberner, Goldener oder Titanium-Scheidung wählen, je nachdem, wie viel Aufwand die geplante Scheidung mit sich bringt. Keine Kinder, weniger als fünf Jahre verheiratet: Prima, das heißt "Bronze" und nur 300 Dollar Kosten. Minderjährige Kinder und Schulden oder Vermögenswerte ("Titanium") schlagen dagegen mit 600 Dollar zu Buche.

Auch ganz ohne Hilfestellung von Anwalt oder Dienstleister können Paare sich rechtskräftig trennen, zum Beispiel in Kalifornien: Formulare im "Self Help Center" des zuständigen Gerichts herunterladen, ausfüllen, abschicken - fertig ist die Scheidung.

Ganz so amerikanisch geht's in Deutschland noch nicht zu. Die papierlose Ehescheidung könnte aber auch hier zu Lande bald für eine Entlastung der Familiengerichte sorgen. Vorreiter in Sachen Online-Scheidung ist Niedersachsen. Dort wird zurzeit ein Scheidungs-Programm getestet, in dem alle Elemente des Verfahrens, vom Antrag bis zum Urteil, online abgerufen und verschickt werden. Ende 2003 geht das Programm in die Praxis-Phase: Am Amtsgericht Westerstede, dem Pilotgericht des niedersächsischen Projekts, haben Scheidungswillige künftig die Möglichkeit, ihr Verfahren elektronisch abzuwickeln.

Ganz ohne Anwalt geht's aber nicht, erläutert Selma Kukus vom Amtsgericht Westerstede: "In Scheidungssachen herrscht in Deutschland Anwaltszwang. Mindestens der Antragsteller muss sich auch bei online abgewickelten Scheidungen von einem Anwalt vertreten lassen." Der füllt dann seine Online-Formulare aus und kann sich via Internet mit dem Jugendamt und sonstigen zuständigen Behörden auseinandersetzen. Allerdings nur in simpleren Fällen: Das Programm ist, wie Kukus erklärt, nur auf einfache Scheidungen mit Versorgungsausgleich ausgerichtet. Wird's komplizierter, müssen sich die Beteiligten weiterhin offline einigen.

wp (Stand: Juni 2003)

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