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Schicksal Schwangerschaft: Wenn Verhütung unerreichbarer Luxus ist

Pille, Spirale, Kondom: Was für uns selbstverständlich ist, ist für fast jede zweite Frau unerreichbar. Vier von zehn Mädchen und Frauen weltweit müssen ohne Verhütungsmittel klarkommen – mit schlimmen Folgen.

Nur sechs von zehn Frauen können entscheiden, ob sie schwanger werden wollen oder nicht

Schicksal Schwangerschaft: Obwohl Familienplanung seit 1968 international als Menschenrecht anerkannt ist, haben Millionen von Frauen und Mädchen immer noch keinen Zugang zu Verhütungsmitteln. Vier von zehn Frauen weltweit haben keine Möglichkeit, zu verhüten. Das besagt ein Bericht des Bevölkerungsfonds der Uno (UNFPA) über die Situation in 51 Industrie- und Entwicklungsländern, für die entsprechende Daten vorliegen.

Laut der Studie müssen mehr als 232 Millionen Frauen und Mädchen ohne Verhütungsmittel auskommen, obwohl sie nicht schwanger werden möchten – darunter rund 23 Millionen Mädchen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren.

Die Gründe für den Mangel sind vielfältig

Viele Frauen und Familien können sich Verhütungsmittel nicht leisten oder sie stehen in ihrem Umfeld gar nicht zur Verfügung. In vielen Regionen der Erde sind Sex und Verhütung Tabuthemen und es findet keine sexuelle Aufklärung statt, sodass Mädchen und Frauen keine informierten Entscheidungen treffen können. 

Auch die einflussreiche katholische Kirche erlaubt bis heute nur die Natürliche Familienplanung (NFP) als Verhütungsmethode. In 35 Ländern gibt es außerdem Gesetze, die den Zugang zu Verhütungsmitteln für Mädchen und junge Frauen einschränkt.

In Mali, Niger und Senegal ist die Situation am dramatischsten: Hier haben lediglich sieben Prozent der Frauen Zugang zu Verhütung – folglich werden in diesen Ländern die meisten Kinder geboren, viele von ihnen ungewollt. In Niger gebärt eine Frau in ihrem Leben durchschnittlich sieben Kinder.

Familienplanung stärkt Frauen, reduziert Armut und rettet Leben

Dass Frauen und Paare ihr Recht auf Familienplanung nicht wahrnehmen können, hat dramatische Folgen:   

  • Fehlende Selbstbestimmung: Millionen von Mädchen und Frauen haben keine Möglichkeit, über ihren Körper zu bestimmen – und folglich auch nicht über ihr Leben.
  • Mangelhafte Bildung: Schwangere Mädchen brechen häufig die Schule ab, vielerorts werden sie sogar vom Unterricht ausgeschlossen. So wird ihnen eine Ausbildung verwehrt, die ihnen ein gewisses Maß an Autonomie verschaffen könnte.
  • Müttersterblichkeit: Alle zwei Minuten stirbt eine Frau an den Folgen von Schwangerschaft und Geburt. Am häufigsten betroffen sind junge Frauen und Mädchen. 
  • Krankheiten: Durch ungeschützten Verkehr werden sexuell übertragbare Krankheiten wie Aids, Hepatitis B oder Syphilis übertragen.
  • Armut: Freiwillige Familienplanung ist ein Schlüssel für Entwicklung und Wohlstand. Frauen mit weniger Kindern können eher zum Einkommen der Familie beitragen.
  • Lebensbedrohliche Schwangerschaftsabbrüche: Manche Frauen sehen nur einen Ausweg in einer Abtreibung – in vielen Regionen der Erde ein lebensgefährlicher Eingriff. Laut der Bill & Melinda Gates Foundation entschließt sich mindestens ein Viertel der ungewollt schwangeren Frauen für einen Abbruch.
  • Überbevölkerung: Neben vielen anderen Faktoren trägt das rasante Bevölkerungswachstum zur Bedrohung des Lebensraums Erde bei. Plan International hat errechnet, dass jährlich 67 Millionen ungeplante Schwangerschaften verhindert werden würden, hätten alle Menschen Zugang zu Verhütungsmitteln. Das entspricht fast der Einwohnerzahl Deutschlands.

Was können wir tun?

Gemeinnützige Organisationen wie die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) oder Lebenschancen International setzen sich in verschiedenen Ländern für die Aufklärung Jugendlicher und das Recht auf Familienplanung ein. Wer spendet oder mitarbeitet, trägt dazu bei,  junge Menschen vor ungewollten Schwangerschaften zu schützen.

sar
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