Angst vor einem Wolf: Kompletter Kindergarten geschlossen

Wie gefährlich ist dieses Tier für Kinder? Aus Angst vor einem Wolf ist in Schleswig-Holstein ein Kindergarten geschlossen worden – es bestand die Sorge, dass das Tier die Kinder anfallen könnte.

Er hat den sperrigen Namen GW1430m, hat bereits zahlreiche Schafe gerissen – und nun Kinder aus ihrem Kindergarten vertrieben: Im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein treibt ein Wolf sein Unwesen.

Was ist passiert?

Seit etwa Mitte November ist GW1430m in verschiedenen Waldstücken und Gemeinden der Umgebung unterwegs. Das Tier soll insgesamt schon mehr als 40 Schafe gerissen haben, teilweise am helllichten Tag.

Schäfer in der Region sind in Sorge und wütend, sie fordern, dass der Wolf erschossen wird. Das darf aber (noch) nicht geschehen. Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne): "In dem Moment, wo die Entnahme rechtlich möglich ist, werden wir sie auch durchführen. Weil es nicht hinnehmbar ist, dass der Wolf unsere Grenzen nicht respektiert." Mit Entnahme ist der Abschuss gemeint, doch für den gelten Regeln.

War es immer der gleiche Wolf?

Bevor ein Wolf geschossen werden darf, muss nachgewiesen werden, dass genau dieses Tier mindestens zweimal einen besonderen Schutzzaun überwunden und Tiere gerissen hat. Hierfür kommen sogenannte Rissgutachter auf die Weide, auch DNA-Tests werden gemacht.

Der Dithmarscher Wolf GW1430m hat zwar schon mindestens drei Schutzzäune übersprungen – allerdings hatten diese Zäune teilweise Mängel, weswegen diese Fälle nicht zählen und er (noch) nicht geschossen werden darf.

Warum gibt es Angst um Kindergarten-Kinder?

Nur etwa fünf Kilometer vom letzten "Tatort" entfernt, wo der Wolf nun erneut Schafe gerissen hat, liegt der Waldkindergarten Christianslust. Die Kinder hier wurden zwar bereits auf mögliche Begegnungen mit dem Wolf professionell vorbereitet (der Problemwolf ist ja schon länger bekannt), doch nun gehen die Verantwortlichen noch einen Schritt weiter und schließen den Kindergarten, die Kinder werden in eine Nachbargemeinde gebracht.

Hintergrund: Hilflose Schäfer der Region haben ihre Tiere mittlerweile von den Weiden geholt, um sie vor dem Wolf zu schützen. Marco Strufe vom Amt Burg-St. Michaelisdonn sagte zur "Bild": "Wir wissen nicht, wie der Wolf reagiert, wenn auf einmal seine Beutetiere weg sind. Ob er sich dann vielleicht andere Ziele sucht? Das Risiko wollten wir nicht eingehen."

Kann man sich nicht besser vor dem Wolf schützen?

Um Wölfe und den Umgang mit den Raubtieren gibt es schon lange Diskussionen. Wann wird er zur Gefahr, wann muss man sein eigenes Leben schützen? Am Donnerstag hat der Bundestag eine Gesetzesänderung auf den Weg gebracht. Die umstrittene Neuregelung besagt, dass bei Wolf-Attacken so lange Tiere geschossen werden dürfen, bis die Angriffe aufhören – auch ohne, dass die einzelnen Angreifer identifiziert und "überführt" sind.

Den Schafen und Anwohnern aus dem Kreis Dithmarschen hilft die Neuregelung allerdings aktuell noch nicht weiter – es dauert noch, bis das Gesetz wirklich geändert wird und  in Kraft tritt.

Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.