Warum Pin-up-Girls auf Milchflaschen einfach nur nerven

Müllermilch bewirbt seine Weihnachtsedition mit Pin-Up-Girls in schlüpfrigen Posen und kassiert dafür einen Shitstorm. Wie oft müssen wir uns noch über kalkulierten Sexismus aufregen?

Mensch, Müller! Zwei Tage habe ich versucht, euren Pin-Up-Girls zu entkommen. Natürlich habe ich mich über "Sharon Sheila Schoko" aufgeregt. Über das knackige Stück Schokolade, das ihr vor ihrem knackigen Busen drapiert habt und das so gut zu ihrer Hautfarbe passt (von ihrem bekloppten Namen mal ganz abgesehen). Und über ihre lüsternen Schwestern, die wahlweise

  • auf einer Banane reiten
  • auf dem Boden liegen, Beine in der Luft, Nuss überm Busen
  • dekorativ in einer Vanilleblüte sitzen und an ihrem Weihnachtsmützenbommel spielen
  • ...

Aber noch viel mehr regt es mich auf, wie ihr mit dem Shitstorm - der euch ja sicher völlig überrascht hat - für ein mäßig spannendes Produkt maximale Aufmerksamkeit bekommt und damit Themen, die weitaus wichtiger sind, den Raum nehmt. Mit diesem Tweet samt Bild aus einem Supermarktregal ging die erneute Debatte um Sexismus und Rassismus in der Werbung los:

Damit blieb der Journalist Marc Bourkel nicht lange allein - auch eine Petition wurde inzwischen gestartet. Ziel: "Kein Sexismus auf Milchshake-Flaschen!" Hashtag: #misogyniemilch. Unterschriften: mehr als 11.000.

Und weil auch die Medien die Flaschenschelte schnell aufgriffen, kamt ihr noch am gleichen Tag mit einer Stellungnahme ums Eck:

"Die gewählten Motive lehnen sich in ihrer Optik an die Pin-Up-Darstellungen der 50er Jahre an und sind deshalb weitaus weniger freizügig als das, was seit einigen Jahren oftmals in Anzeigen, TV-Spots und quer durch alle Medienformen tagtäglich an nackter Haut zu sehen ist."

Da ist sie wieder, die beliebte "Wenn alle das machen, darf ich das auch"-Argumentation. Die anderen sind sowieso immer schlimmer. Und mit Rassismus habt ihr schon mal gar nichts am Hut:

"Den gleichen, falschen Vorwurf müssten wir uns gefallen lassen, hätten wir auf die Figur der 'Sharon Sheila Schoko' verzichtet und ausschließlich weiße Motive verwendet."

Leute, das ist doch eine Milchmädchenrechnung. Warum verzichtet ihr nicht einfach komplett auf das Werbemotiv "Frau, freizügig"? Ein Kausalzusammenhang besteht ja ohnehin nicht. Oder kommt eure Milch nicht aus der Kuh?

Ihr schließt euer Statement mit dem Hinweis, dass eure Werbemotive "letztendlich reine Geschmackssache" seien, die "nicht überinterpretiert" werden sollten. Unabhängig davon, dass die Motive, wenn wir mal ehrlich sind, nicht viel Interpretationsspielraum lassen:

Nein, das ist keine Geschmackssache. Das ist kalkulierter Sexismus.

Ich habe keine Lust mehr, mich im Jahr 2015 noch immer über Macho-Werbemotive aufzuregen, die bewusst diskriminieren, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Fällt euch wirklich nichts Besseres ein?

Vielleicht überrascht ihr uns ja beim nächsten Mal mit einer innovativeren Werbeidee. Bis dahin lasst uns das Themenregal räumen - für weniger Sharon und mehr Substanz.

Nicole Wehr

Wer hier schreibt:

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