35 Frauen erzählen: "So hat Bill Cosby uns vergewaltigt"

Verstörende Berichte: 35 Frauen erzählen im "New York Magazine", wie Bill Cosby sie sexuell missbraucht hat.

Bill Cosbys Opfer brechen ihr jahrzehntelanges Schweigen

Die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Bill Cosby haben eine neue Dimension erreicht: Im New York Magazine haben 35 seiner Opfer darüber berichtet, wie sie von dem Sitcom-Star misshandelt wurden - teilweise über Wochen und Monate hinweg.

Es gab viel Gegenwind, Ablehnung und Wut

Neu sind die Vorwürfe nicht, schon vor über zehn Jahren gingen Opfer von Bill Cosby mit ihren Geschichten an die Öffentlichkeit. Damals wurden sie jedoch mit außergerichtlichen Deals, Drohungen und netten Exklusiv-Angeboten an die Presse ("Druckt die Vorwürfe mal nicht - Bill erzählt euch lieber ausführlich, dass alles ein Missverständnis ist.") unter den Teppich gekehrt.

Das größte Problem war aber vor allem die Öffentlichkeit: Niemand wollte sich ernsthaft vorstellen, dass der nette Papa aus der "Cosby-Show" in Wahrheit ein Monster ist. Ein Serien-Vergewaltiger, der regelmäßig Frauen unter Drogen setzt und missbraucht. "Dr. Huxtable" ist für viele Menschen im Fernsehen eine Art Vaterfigur, mit der sie aufgewachsen sind. Ein Heiliger, über jeden Zweifel erhaben.

"Er war halt Amerikas Lieblings-Papa." - Barbara Bowman, von Cosby mit 17 Jahren vergewaltigt.

Da war es angenehmer, lieber den Opfern die Schuld zu geben und sie als frustrierte, geltungssüchtige Ex-Lover abzutun, die sich auf Kosten von Cosbys Ruhm bereichern wollten. Statt Hilfe und Unterstützung bekamen die Frauen Ablehnung und blanken Hass zu spüren - für die zahlreichen anderen Cosby-Opfer ein Grund, lieber weiter zu schweigen.

Doch inzwischen ist die Stimmung gegen den Entertainer gekippt: Zu auffällig sind die Parallelen zwischen den Berichten der Opfer. Spätestens, als kürzlich Gerichtsprotokolle öffentlich wurden, in denen Cosby freimütig erzählte, dass er Frauen ohne ihr Wissen die Droge Methaqualon verabreicht hatte, mussten auch überzeugte Skeptiker eingestehen, dass der beliebte Star eine sehr dunkle Seite hat.

"Es waren die längsten fünf Minuten meines Lebens"

Schockierend ist, wie beiläufig Cosby die Frauen benutzte, als wäre es keine große Sache. Schauspielerin Louisa Moritz erzählt, wie er sich vor einem Auftritt in einer TV-Show an ihr in ihrer Garderobe verging:

"Er klopfte nicht an. Ich wusste, dass es Mr. Cosby war (...) Er kam rein, und schloß die Tür hinter sich. Es dauerte etwa vier, fünf Minuten. Aber es waren die längsten fünf Minuten, die ich je erlebt habe. Und als sie meinen Namen ansagten, rannte er raus. Als er auf die Bühne kam, stellte er sich als 'Louisa Moritz' vor, und sorgte beim Publikum für einen lauten Lacher. Als mein Auftritt kam, war ich ein Zombie. Er guckte mich während der Show nicht an. (...) Ich hatte Angst, jemandem davon zu erzählen. Ich wusste, wer Mr. Cosby war, und das hielt mich davon ab, mich jemandem anzuvertrauen. Ich schämte mich für mich selbst."

"Ich hatte Angst, jemandem davon zu erzählen."

Befürchten musste Cosby nichts - zu groß war sein Einfluss als Superstar, zu groß die Scham der Opfer. Fast alle Frauen erzählen auch, wie Cosby sie heimlich unter Drogen setzte. Einige Frauen wussten zwar von den Drogen - nicht aber von Cosbys Plan, sie umgehend zu vergewaltigen.

Ein besonders schlimmes Beispiel ist die Geschichte von Victoria Valentino, die kurz vor ihrer Begegnung mit Cosby ihren sechsjährigen Sohn verloren hatte:

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Victoria Valentino, 72, a former Playboy bunny, was allegedly assaulted by Bill Cosby in 1969. Valentino was dining with her roommate at their usual joint, Café Figaro, where Cosby happened to be part owner. He knew that Valentino’s 6-year-old son had recently died, and he told Valentino’s friend that he thought she could use some cheering up. "He took my roommate and me out to dinner. It was this new hip steak restaurant on the strip near the Whiskey a Go Go called Sneaky Pete’s. He was chatting her up and trying to charm her. And he reached across and put a pill next to my wine glass and said, ‘Here, this will make you feel better,’ and he gave her one. I wasn’t really thinking. I thought, Great, me feel better? You bet. So I took the pill and washed it down with some red wine. And then he reached across and put another pill in my mouth and gave her one. Just after I took the second pill, my face was, like, face-in-plate syndrome, and I just said, ‘I wanna go home.’ He said he would drive us home. We went up this elevator. I sat down, and lay my head back, just fighting nausea. I looked around and he was sitting next to my roommate on the loveseat with this very predatory look on his face. She was completely unconscious. I could hear the words in my head, but I couldn’t form words with my mouth, because I was so drugged out." Tap the photo to hear Victoria Valentino tell her story, and watch her video interview at nymag.com/cosby-women.

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"Hier, damit fühlst du dich besser"

Cosby erzählte Valentino und ihrer Mitbewohnerin, dass er von ihrem verstorbenen Kind gehört hatte, und sie "aufmuntern" wolle:

"Er führte meine Mitbewohnerin und mich zum Abendessen aus. (...) Er lehnte sich über den Tisch, legte eine Pille neben mein Weinglas und sagte 'Hier, damit fühlst du dich besser', und dann gab er (meiner Mitbewohnerin) auch eine. Ich habe gar nicht richtig nachgedacht. Ich dachte, toll, damit fühle ich mich besser? Aber sofort! Also nahm ich die Pille und spülte sie mit etwas Wein herunter.

"Direkt nach der zweiten Pille war mein Gesicht wie gelähmt"

Dann lehnte er sich wieder über den Tisch und drückte mir noch eine Pille in den Mund, und gab ihr auch noch eine. Direkt nach der zweiten Pille war mein Gesicht wie gelähmt und ich sagte nur 'Ich will nach Hause'. Wir gingen zum Fahrstuhl. Ich musste mich setzen und meinen Kopf zurücklehnen, um die Übelkeit zu bekämpfen. Ich schaute mich um, er saß neben meiner Mitbewohnerin mit einem raubtierhaften Gesichtsausdruck. Sie war komplett bewusstlos."

Anschließend, so Valentinos Bericht, zwang Cosby sie zum Oralsex, vergewaltigte sie und verging sich dann an ihrer Mitbewohnerin, während sie hilflos zugucken musste.

#theemptychair - 35 Frauen sind nur die Spitze des Eisbergs

Die Liste lässt endlos fortsetzen: Junge Schauspielerinnen, denen Cosby "Schauspiel-Coaching" bei sich zu Hause versprach. Journalistinnen, denen der Star einen Drink in die Hand drückte - und die Stunden später nackt neben ihm wieder zu sich kamen.

Die 35 Frauen aus dem "New York Magazine"-Artikel sagen fast alle, dass sie noch mehr Opfer kennen, die den Schritt in die Öffentlichkeit aber scheuen. Zu groß ist immer noch die Angst vor der Öffentlichkeit und dem Einfluss eines reichen, beliebten Hollywoodstars.

Daher ist auf dem Titelblatt des Magazins auch bewusst ein Stuhl frei - symbolisch für die vielen weiteren Frauen, die ähnliche Geschichten erlebt haben, aber weiter schweigen.

Unter dem Hashtag #theemptychair diskutieren User auf Twitter genau dieses Phänomen: Dass Vergewaltigungsopfer immer noch viel zu oft lieber schweigen, als ihre Angreifer anzuzeigen:

Endgültig Schluss mit dem "netten TV-Papa"

Ganz egal, ob Bill Cosby je für seine Taten im Gefängnis landet oder nicht: Es wird ihn wohl niemand je wieder im Fernsehen sehen können, ohne sofort an diese abstoßenden Übergriffe zu denken. Für viele der Opfer ist das schon ein wichtiger Teilerfolg.

"Wenn man den Namen 'O.J. Simpson' hört, denkt ja keiner mehr 'Oh toll, der Footballspieler'", so Joan Tarshis, eine der Frauen, die Cosby nun öffentlich anklagen. "Ich glaube nicht, dass es hier 'Oh, der tolle Komiker' sein wird, sondern 'Oh, der Massenvergewaltiger'. Und das wird unser Vermächtnis sein."

heh
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