Schulbeginn: Berliner Schüler wollen früh lernen

Das Berliner John-Lennon-Gymnasium hat die Diskussion um eine Änderung des Schulbeginns neu angeheizt. Es ließ die Schüler selbst entscheiden, wann sie aufstehen wollen - mit überraschendem Ergebnis.

Länger schlafen oder nicht? Darüber durften heute die rund 800 Schüler des John-Lennon-Gymnasiums abstimmen. Das Ergebnis fiel überraschend aus: Knapp 60 Prozent waren dagegen, den Unterrichtsbeginn im Winter von 8 Uhr auf 9 Uhr zu verschieben. Laut Berliner Schulgesetz können Schulen die Unterrichtszeiten selbst festlegen, das Gymnasium in Berlin-Mitte ist jedoch das erste, das seine Schüler darüber entscheiden ließ.

Die Idee zu der Abstimmung kam von den Schülern der Oberstufe. Es sei "deprimierend" in den dunklen Wintermonaten so früh aus dem Haus zu müssen, zudem ließe sich der frühe Unterrichtsbeginn nicht mit ihren Hobbys vereinbaren, so die Argumente der Initiatoren. Schulleiter Jochen Pfeifer hat Verständnis für den Wunsch seiner Schüler. "Der Lebensrhythmus in Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg ist ein anderer als in Anklam oder Schwetzingen." Dennoch müsse man das Ergebnis der Abstimmung akzeptieren. Schülersprecher Simon Baucks kündigte an, man wolle versuchen, einen Kompromiss auszuhandeln.

Die Diskussion um eine Änderung des Schulbeginns ist nicht neu. Immer wieder fordern Politiker, die üblichen Zeiten neu zu überdenken. Zwar gestalten immer mehr Schulen ihre Unterrichtszeiten flexibel - in der Regel müssen die Kinder aber immer noch zwischen 7:30 Uhr und 8 Uhr anrücken. Eine Uhrzeit, die nicht nur für junge Langschläfer unangenehm ist: Da sich in der Arbeitswelt die Zeiten allgemein nach hinten verschoben haben, tun sich viele Eltern schwer damit, die Schulzeiten mit ihrem Job abzustimmen.

Auch Schlafforscher sehen die herkömmlichen Unterrichtszeiten kritisch. Kinder bräuchten für ihre Entwicklung mehr Schlaf als Erwachsene, da nütze es auch nichts, sie früher ins Bett zu schicken, so Professor Jürgen Zulley, Leiter des schlafmedizinischen Zentrums an der Uni Regensburg. "Unsere biologische Uhr stellt es uns nicht frei, wann wir schlafen gehen und wann wir wieder aufstehen. Manche Schüler, die einen weiten Schulweg haben, müssen sogar schon gegen halb sechs aus dem Haus - das läuft dem natürlichen Schlafrhythmus völlig zuwider." Zudem steige die Leistungskurve bei Schülern recht spät an. "Um acht Uhr morgens sind Schüler ungefähr so leistungsfähig wie um Mitternacht; schon ein, zwei Stunden später sind sie jedoch hellwach und konzentriert."

Offenbar gelten in Berlin andere Schlafgesetze.

Text: Michèle RothenbergFoto: istockphoto.com

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