Sechs wichtige Stimmen zum Feminismus

Frauen ordnen sich unter - und zwar freiwillig, schreibt Bascha Mika in ihrem Buch "Die Feigheit der Frauen". Sind Frauen zu feige? Und wollen sie heute lieber schön als schlau sein? Sechs Fragen zum Feminismus.

Bascha Mika

Die von Männern gemachten Strukturen verhindern den Aufstieg der Frauen. Von wegen, sagt Ex-taz-Chefredakteurin Bascha Mika. Die 57-Jährige will beim Geschlechtertheater nicht länger mitspielen. In ihrem Buch "Die Feigheit der Frauen" findet sie deutliche Worte. Ja, "wir leben in einer von Männern dominierten Gesellschaft", schreibt Bascha Mika, aber Schuld daran sind wir Frauen, "weil wir von dem System profitieren, weil es bequem ist und weil wir konfliktscheu sind". Frauen sind feige, Frauen riskieren nichts, Frauen ordnen sich unter - und zwar freiwillig, sagt Bascha Mika und dürfte damit einigen Widerspruch provozieren. Von sich und ihren Geschlechtsgenossinnen fordert sie den Mut, dem selbstgewählten Rückfall in alte Rollenmuster zu widerstehen. Sind Frauen zu feige?

Bascha Mika: "Die Feigheit der Frauen", 272 Seiten, C. Bertelsmann Verlag, 14,99 Euro. Das Buch erscheint am 7. Februar.

Natasha Walter

Natasha Walter, 43, hat sich geirrt. Sie dachte: Die neuen Frauen sind selbstbewusst, frei und selbstbestimmt. Frauen, die sich von nichts und niemandem mehr, schon gar nicht von Männern, vorschreiben lassen wollen, wie sie sich anziehen, wie sie leben sollen. Das war 1998 und Natasha Walter, eine der bekanntesten Feministinnen Großbritanniens, veröffentlichte "The new Feminism". Wie gesagt: Sie hat sich geirrt. Heute sagt sie: Der Sexismus ist zurück. "Es ist als ob irgendwas durch die Hintertür eingebrochen wäre - und wir drehen uns um und es ist überall und du denkst: Okay, wir müssen uns damit wohl wieder auseinander setzen." Das Heimtückische am neuen Sexismus: Diesmal mischen die Frauen selbst mit. Junge, intelligente Frauen, sagt Walter, reduzieren sich aufs Äußere, sehen allein in ihrer Attraktivität den Schlüssel zum persönlichen Erfolg. Sind Frauen heute lieber schön als schlau?

Natasha Walter: "Living Dolls: The Return of Sexism", 288 Seiten, Little, Brown Book Group 2010, 12,95 Euro. "Living Dolls" erscheint im Februar 2011 auf Deutsch im Krüger Verlag.

Elisabeth Badinter

Sie stillen, solange es geht, Windeln kommen in die Waschmaschine. Brei aus dem Gläschen? Den kochen sie lieber selbst. Sie tun alles fürs Kind, und das möglichst natürlich. Die französische Philosophin Elisabeth Badinter, 66, hat sich die neuen Mütter vorgeknöpft. Frauen, die im "Diktat eines neuen Naturalismus" leben. Dabei gefährdet der Still- und Ökohype genau die Freiheiten, die sich Frauen in den letzten Jahrzehnten mühsam erkämpft haben. Und das eigene Kind werde klammheimlich "zum besten Alliierten der Unterdrückung durch die Männer". Badinter, selbst Mutter dreier Kinder, gilt vielen schon lange als Mütter-Schreck. Die Mutterliebe, schrieb sie schon vor 30 Jahren, sei nichts weiter als ein in der Geschichte ganz unterschiedlich stark ausgeprägtes Gefühl. So etwas wie ein Mutterinstinkt nichts weiter als Frauen unterdrückender Humbug. Sind Babys die neuen Unterdrücker der Frauen?

Elisabeth Badinter: "Der Konflikt. Die Frau und die Mutter", 222 Seiten, Beck 2010, 17,95 Euro

Dorothee Bär

Dorothee Bär nennt es Hinterkopf-Quote. "Mein Gott, wir können ja nicht ganz ohne Frau", "na gut, ein, zwei tun wir noch dazu". Frauen, die in der CSU ohne festgeschriebene Quote, eben mit der Hinterkopf-Quote auf Positionen gehoben werden, vor allem auf unteren Ebenen. Und sie ärgert sich über die Ich-schaff's-auch-so-Mentatlität gerade junger Parteifrauen. Gerade die sind es auch, die sich lautstark gegen eine Frauenquote einsetzen. "Die denken, Mensch, das war ja einfach. Aber die haben letztlich auch diese Hinterkopfquote gebraucht, um überhaupt mal die Chance zu bekommen, sich beweisen zu können." Dorothee Bär ist 32 Jahre alt und stellvertretende CSU-Generalsekretärin. Sie kämpft für die Frauenquote. Ab einem bestimmten Punkt gehe es sonst einfach nicht mehr weiter, sagt sie. Bär sagt: "Je älter man wird, desto feministischer wird man." Und was ist mit der Quote, die auf dem CSU-Parteitag Ende Oktober beschlossen wurde? Ein Minimalkompromiss, Orts- und Kreisverbände sind ausgenommen. Ist es naiv zu glauben, Frauen können ohne Quote Karriere machen?

Marlene Streeruwitz

Wie viel "Ich" steckt in meinem Leben? Wie viel davon verträgt es überhaupt? Ordnen wir uns den äußeren Bedingungen unter oder bestehen wir auf autonomer Lebensgestaltung? Es ist der tägliche Kampf um Autonomie. Die österreichische Autorin Marlene Streeruwitz, 60, erzählt in ihrem neuen Buch elf kurze Geschichten. Elf Konstellationen darüber, wie und woran Beziehungen scheitern. Trotz und manchmal auch gerade wegen der Emanzipation: eine Bettlägerige wird von ihrem Mann betrogen, ein Hausmann vegetiert neben seiner erfolgreichen Gattin, trotz vieler Versprechen will ein Liebhaber doch nicht seine Ehefrau verlassen. Die Geschichten bleiben auf der Kippe der Entscheidung, stellen die Frage: Wie viel Emanzipation verträgt mein Alltag?

Marlene Streeruwitz: "Das wird mir alles nicht passieren... Wie bleibe ich FeministIn", 151 Seiten, Fischer 2010, 9,95 EUR. Auf http://wie.bleibe.ich.feministin.org/ kann man die Geschichten kommentieren, Ideen einbringen, weiter schreiben. Und Streeruwitz liest und diskutiert mit.

Myrthe Hilkens

Und selbst sie traute sich nichts zu sagen. Da lief ein Sado-Maso-Film im Hintergrund, auf einer ganz normalen Party, auf Großleinwänden. Und niemand sagte, dass das eine Sauerei ist. Auch Myrthe Hilkens nicht. Die niederländische Journalistin, 31, spricht vom Tabu. Als wäre man unmodern, prüde oder zickig, nur weil man solche Darstellungen ablehnt. "Seit wann ist Unterwerfung eine bewundernswerte Eigenschaft?" Hilkens fordert eine Zensur Frauen verachtender, gewalttätiger Pornos. "Wir brauchen eine zweite sexuelle Revolution." Die erste hat die Frauen befreit, die zweite muss sie schützen. "Warum denken wir, Freiheit bedeutet, solche Pornos sehen zu können?" Ist es prüde, Pornos schlimm zu finden?

Myrthe Hilkens: "McSex: Die Pornofizierung unserer Gesellschaft", 207 Seiten, Orlanda 2010, 18 Euro.

Georg Cadeggianini Fotos: PR
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.