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Sensible Sprache Sätze, die du nicht zu Menschen mit Behinderung sagen solltest

Sensible Sprache: Illustration zu Menschen mit Behinderung
© Kachka / Shutterstock
Bist du dir manchmal auch unsicher, wie man Menschen mit Behinderungen begegnet? Wir erklären, welche Sätze du lieber vermeiden solltest.

Kommunikation ist wichtig, wenn es darum geht, eine Beziehung zu anderen Menschen aufzubauen. Ein falsches Wort oder eine verletzende Frage können ausreichen, um nicht nur dem Gegenüber ein schlechtes Gefühl zu geben: Auch bei anderen anwesenden Personen können die Worte falsche Assoziationen und Ideen auslösen.

Menschen mit Behinderungen kennen dieses Problem in ihrem Alltag nur zu gut. 7,9 Millionen schwerbehinderte Menschen leben in Deutschland (Stand: Juni 2020). Und zwar in allen Altersformen und mit den verschiedensten Behinderungen: Sie können körperlich oder zerebral sein – angeboren oder durch eine spätere Krankheit oder einen Unfall entstanden sein. Hier kommen ein paar Sätze, die du lieber vermeiden solltest.

1. "Du bist so inspirierend"

Natürlich: Menschen mit Behinderungen können inspirierend sein. Doch dieser Satz fällt oft im Zusammenhang mit alltäglichen Dingen: Einen Job ausüben, eine Familie haben, eine Partnerschaft oder auch eine Ehe – das sind keine inspirierenden Dinge, die eine Person mit Behinderung durch besondere Umstände oder einen unglaublichen Aufwand erreicht hat. Es sind Dinge, die für sie genau so alltäglich sein sollten wie für einen Menschen ohne Behinderung. Denn jede Person kann lieben, geliebt werden oder erfolgreich sein.

2. "Mach mal langsam, Kumpel!" oder "Hast du eine Lizenz für das Teil?"

Bemerkungen wie diese, etwa an Menschen im Rollstuhl gerichtet, sind oft gut gemeint. Auch Sätze wie "Das sieht spaßig aus!" oder "Kann ich da mal mitfahren?" fallen oft im Zusammenspiel mit Verniedlichungen wie "Kumpel" oder "Großer". Dabei sind die Betreffenden meist längst erwachsen. Genau deshalb solltest du solche Kommentare vermeiden. Menschen mit Behinderungen sind nicht automatisch weniger fähig als gleichaltrige Menschen ohne Behinderung.

3. "Ja klar, das kenne ich auch"

Sich empathisch zeigen zu wollen ist generell immer eine schöne Idee. Doch wenn es dabei um Erfahrungen mit einer Behinderung geht, können viele nicht einschätzen, wie sich das Leben des anderen wirklich anfühlt. Wenn ein Mensch mit Behinderung darüber spricht, wie das Leben für ihn oder sie aussieht, sollte man diese Floskel also lassen. Statt die Erfahrungen der oder des anderen herunterzuspielen kann ein "ich finde du machst das super" dabei helfen, die Situation in ein positives Licht zu rücken – und wenn alles gerade nicht so rosig aussieht, reicht auch ein einfaches: "Ich bin für dich da".

4. Er oder sie hat "besondere Bedürfnisse"

Die Umschreibung einer Behinderung mit "besonderen Bedürfnissen" ist bereits seit einer Weile veraltet. Die Worte haben sich ursprünglich Menschen ohne Behinderung ausgedacht, weil sie befürchteten mit dem Wort "Behinderung" Menschen zu verletzen. Doch Betroffene sehen das Wort meistens nur als eine neutrale Beschreibung. "Besondere Bedürfnisse" oder "andersfähig" verwenden sie allerdings selten. Denn die Ausdrücke treffen nicht zu: Ihre Möglichkeiten und Fähigkeiten sind nicht "besonders", sondern logische Konsequenzen ihrer Behinderung und sie sind genauso vielfältig wie die von anderen Menschen. Übrigens: Die Frage, ob dein Gegenüber "Mensch mit Behinderung" oder "behinderter Mensch" bevorzugt, darfst du gerne stellen. Das ist eine Frage dessen, womit sich die Person mehr identifiziert. "Behinderte:r", ohne den Zusatz "Mensch", solltest du allerdings nicht verwenden, da das Wort die Personen auf dieses Merkmal reduziert.

5. "Kannst du Sex haben?"

Tatsächlich werden Menschen mit Behinderungen mit dieser Frage konfrontiert und das, obwohl sie sehr persönlich und intim ist. Andere sehen paralysierte Personen oder fragen sich, ob Menschen mit einer zerebralen Behinderung überhaupt sexuelle Wünsche haben. Das ist aber nichts, was man eine Person direkt fragen sollte. Schon gar nicht, wie es funktioniert oder was genau möglich ist, denn das geht eindeutig mit dem Vorschlaghammer direkt durch die Privatsphärenwand. Einige gehen davon aus, dass Menschen mit und ohne Behinderung nicht zusammen sein können. Dabei können sie uneingeschränkt lieben, heiraten oder Kinder bekommen.

6. "Das tut mir echt leid für dich."

Es ist nett gemeint, aber Mitleid ist nicht angebracht. Denn Menschen mit Behinderung empfinden ihr Leben nicht als schrecklich oder eine Bürde – und genau das sollten auch wir nicht tun. Sie leben teilweise seit ihrer Geburt mit ihrer Behinderung. Sie ist ein Teil von ihnen und muss daher niemandem leidtun. Denn sie gehört einfach dazu. Stattdessen sollten wir die Personen, mit denen wir reden, als Menschen wertschätzen und ihnen zeigen, dass sie absolut genug sind. Wie kann man das tun? Mit einem einfachen: "Du bist toll so, wie du bist."

7. "Ich habe aber gehört, dass…" oder "Kannst du das nicht so machen?"

Menschen mit Behinderungen werden oft nicht gehört. Ihre Meinungen werden nicht ernst genommen, oder sie werden von anderen übergangen. In solchen Fällen kann es helfen, sich für die Person einzusetzen oder deine Hilfe anzubieten und so die Bevormundung durch andere zu durchbrechen. Ist sie ein:e nahe:r Vertraute:r oder Verwandte:r, kannst du solche Dinge bereits vorher mit ihm oder ihr besprechen. Manchmal kann es helfen, zu wissen, dass einfach noch jemand da ist, der die eigene Stimme verstärkt. Und behalte immer gerne im Hinterkopf: Die Betroffenen kennen ihre eigene Behinderung einfach besser als du.

8. "Ich merke oft gar nicht, dass du eine Behinderung hast"

Diese Worte sollen aufbauen. Aber bei diesem Satz kommt folgendes an: Ich sehe über deine Behinderung hinweg, sie existiert für mich nicht und deswegen bist du für mich "normal". Dabei sind Behinderungen etwas, mit denen Menschen leben und sich identifizieren – und das auch nicht im negativen Sinn. Stattdessen ist ein "Hey, ich mag dich genauso, wie du bist" eine willkommene Alternative.

9. "Wie schön, dass du trotzdem so fröhlich bist"

Auch mit einer Behinderung dürfen Menschen fröhlich, traurig, witzig oder wütend sein. Menschen ohne Behinderung gehen oft davon aus, dass es für die Betreffenden hart ist und einfache Emotionen dadurch etwas Bewundernswertes sind. Davon sollten wir uns aber verabschieden. Auch Formulierungen wie "trotz der Behinderung" oder "obwohl er oder sie behindert ist" solltest du vermeiden. Sie implizieren, dass die Behinderung eine Bürde oder eine Last ist. Dabei sind Menschen mit Behinderung genauso vielseitig und ihr Leben genauso lebenswert wie das von Menschen ohne Behinderung.

Quellen: YouTube/Jessica Kellgren-Fozard, YouTube/Squirmy and Grubs, YouTube/BBC Three, leidmedien.de, Statistisches Bundesamt

Brigitte

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