"Nicht nur Opa für Europa": Wird Ska Keller Präsidentin des EU-Parlaments?

Die Grünen waren die großen Gewinner der Europawahl, jetzt schickt die Partei ihre Spitzenkandidatin Ska Keller ins Rennen um die Präsidentschaft des EU-Parlaments. Wer ist diese Frau?

Noch nie konnten die Grünen bei einer bundesweiten Wahl so viele Stimmen auf sich versammeln wie bei der Europawahl 2019. Ihr historisch gutes Ergebnis interpretierte die Partei als klares Signal für mehr Klimaschutz. "Wir verstehen es als Auftrag, bei diesem Thema nun endlich für Handlungen zu sorgen", sagte Spitzenkandidatin Ska Keller. Nun bewirbt die junge Frau sich als Präsidentin des EU-Parlaments. Wer ist sie?

Ex-Punkerin aus dem Osten mischt Europa auf

Ska Keller heißt eigentlich Franziska Maria Keller und wurde 1981 in der brandenburgischen Stadt Guben geboren. Schon als Teenager engagierte sich die vegan lebende Punkerin politisch: Sie war im Tierschutzverein aktiv und kämpfte im „antirassistischen Jugendverein“ gegen Ausländerdiskriminierung. Zur "Welt" sagte sie: 

Ich habe immer schon gegen Ungerechtigkeit gekämpft. Das ist für mich logisch und normal.

2002 trat sie schließlich der Partei Bündnis 90/Die Grünen bei. Bei der Europawahl 2009 kandidierte sie unter dem Motto "Nicht nur Opa für Europa" und wurde prompt ins Europäische Parlament gewählt. Bei der Europawahl 2014 und 2019 war sie erfolgreiche Spitzenkandidatin der Grünen. Ihr Europawahlkampagne 2019 lautete: „Let’s Act. Together.“ 

Franziska Keller ist vielerorts zu Hause. Sie studierte in Berlin und Istanbul Islamwissenschaften, Turkologie und Judaistik und spricht fünf Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch (sie versteht auch Katalanisch) und etwas Türkisch. Sie ist Mitglied der Türkei- und Mexikodelegationen des Europäischen Parlaments.  

Ihr Steckenpferd: Migration und fairer Handel 

Kellers inhaltliche Schwerpunkte im Europäischen Parlament sind die Migrations- und Handelspolitik und der Erhalt der Rechtsstaatlichkeit in Europa.

Im Januar 2019 kam sie an Bord eines Schiffes der "Sea-Watch", das Flüchtlinge im Mittelmeer aus Seenot gerettet hatte. Und sie setzt sich für einen Handel ein, der die Interessen der Menschen in den Vordergrund stellt:

Ich streite für ein gerechtes, faires Europa, das Flüchtlinge schützt, Menschen hereinlässt und fair behandelt; das Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit nicht nur im Inneren beachtet, sondern auch bei den Außenbeziehungen.

Transparenz ist der 37-Jährigen ebenfalls wichtig: Auf ihrer Website veröffentlicht sie ihr Gehalt und beziffert ihre Arbeitszeit mit rund 84 Stunden pro Woche (täglich 12 Stunden). Ihren Mann, den Finnenschweden und Aktivisten Markus Drake, mit dem sie in Brüssel lebt, bekommt sie vermutlich nicht sehr oft zu Gesicht. 

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