VG-Wort Pixel

Apotheker steckt Zettel in Kondom-Packungen - mit einer unglaublichen Botschaft..

Apotheker steckt Zettel in Kondom-Packungen - mit einer unglaublichen Botschaft..
© dpa
Wie bitte? Das geht ja gar nicht! Eine Kundin hat den Zettel fotografiert und macht ihrem Ärger bei Twitter Luft - und wir können die Aufregung voll und ganz verstehen.

Stell dir vor, du kaufst eine Packung Kondome, findest darin einen Zettel - und wenn du ihn liest, fällt dir alles aus dem Gesicht! So ging es den Kunden einer Apotheke in Berlin.

Apotheker Andreas Kersten stattet die Pariser in seiner Neuköllner Apotheke mit einem Beipackzettel der besonderen Art aus. Die unfassbare Botschaft: Lasst die Kondome lieber weg, Kinder sind doch etwas Wunderbares. Und der Mann meint das Ernst!

Kersten war schon vor wenigen Jahren traurigerweise berühmt geworden, als er sich - ebenfalls aus christlicher Kinderliebe - dazu entschlossen hatte, in seiner Apotheke keine "Pille danach" anzubieten. Damals ging ein Aufschrei durch die Republik, die Apotheke wurde sogar Opfer eines Farbbeutelanschlags.

Nun herrscht wieder blankes Entsetzen. Eine Kundin dokumentiert den Zettel, der in ihrer Kondompackung steckte, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter:

"Bitte werben Sie für einen verantwortungsvollen Umgang mit Verhütungsmitteln: Setzen Sie sich ein für eine grundsätzliche Offenheit und Bereitschaft, Kinder zu bekommen und für eine sorgsame Abwägung bei der Entscheidung für ein Verhütungsmittel – im Bewusstsein der Lebensbereicherung durch Kinder! Herzlichen, lieben Dank!"

Nicht nur bei den Kunden ist das Entsetzen groß. Silke Stöckle vom "Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“ sagte gegenüber der "Bild": "Herr Kersten vertritt die Position christlich-fundamentalistischer Abtreibungsgegner, die Frauen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung absprechen. Anstatt eine veraltete und frauenfeindliche Ideologie zu verbreiten, sollte für ihn die optimale medikamentöse Versorgung der Bevölkerung an oberster Stelle stehen.“

Klar - selbstverständlich hat jeder Mensch das Recht auf seine eigene religiöse Überzeugung und darf von Verhütung halten, was er will. Aber wenn diese Ansichten sich nicht mit dem eigenen Job vertragen, ist das ein Problem, das nicht auf Kosten der Kunden ausgetragen werden darf. Wenn man Verhütungsmittel nicht mit seiner privaten Überzeugung vereinbaren kann, ist Apotheker vielleicht einfach nicht der Beruf, in dem man gut aufgehoben ist.

Apotheker Andreas Kersten übrigens wollte sich zu der Kritik nicht weiter äußern. Nach der Farbbeutel-Attacke von 2014 ist der Verhütungs-Gegner schweigsam geworden ...

fm

Mehr zum Thema