Leila Janah: "Armut ist verschwendetes Talent."

Die Amerikanerin Leila Janah hat es im Leben nach ganz oben geschafft und vergibt Mikroarbeit an die, die ganz unten sind.

Leila Janah hat maximalen Erfolg mit Mikroarbeit

Wer sie ist: Die Tochter indischer Einwanderer wuchs in Los Angeles auf und ist eine von nur fünf Prozent weiblicher Führungskräfte im Silicon Valley. Schon als Teenager setzte sie sich in den Kopf, die weltweite Armut zu bekämpfen. Mit 16 Jahren kam Leila Janah zum ersten Mal in Kontakt mit einem Entwicklungsland. Sie nutzte ein Stipendium und ging nach Ghana, um Kinder zu unterrichten. Schon dort reifte in ihr ein Gedanke, der später zum Grundprinzip ihrer Arbeit werden sollte: Der beste Weg für mehr soziale Gerechtigkeit besteht darin, den Intellekt der Armen anzuzapfen und zu ihren Gunsten zu nutzen. Auch während ihres Studiums in Harvard und ihres Jobs bei der Weltbank verlor die heute 30-Jährige ihre Idee nicht aus den Augen. Statt in der Politik- oder Finanzwelt Karriere zu machen, gründete sie 2008 ihre Nonprofit-Firma Samasource.

Was sie mit Samasource tut: Den Arbeitsmarkt der Dritten Welt mit der Technologie der Ersten verbinden - und zwar nicht als Teil der globalen Ausbeutung, sondern als Teil der globalen Solidarität. Dafür steht auch der Name des Unternehmens, das im kalifornischen Silicon Valley sitzt. Das Wort "sama" bedeutet "gleich" in Sanskrit. Als Mittel für mehr ausgleichende Gerechtigkeit nutzt Janah Mikroarbeit - mit maximalem Erfolg. Das Konzept: Große Technologiefirmen wie Google, Microsoft oder eBay geben an Samasource Jobs, die man mit einfachen PCs erledigen kann. Die Mitarbeiter zerlegen die Aufträge mit einer speziellen Software in kleine digitale Einheiten und schicken sie um die Welt - zum Beispiel nach Indien, Pakistan, in die Flüchtlingscamps in Kenia oder in die Notunterkünfte der Erdbebenopfer von Haiti. In bisher neun Ländern hat Janah Trainingscenter für Jugendliche und Frauen errichtet. Typische Aufgaben sind Daten eingeben, Fotos beschriften, Inhalte verwalten, Texte übersetzen oder transkribieren. Dafür bekommt eine Inderin am Tag fünf Dollar. Genug, um ihre Familie zu ernähren und Weiterbildungskurse zu bezahlen. Der Großteil des Betriebseinkommens geht an die Arbeiter, der gesamte Profit wird in die Organisation reinvestiert.

Was sie damit erreicht: Schon mehr als 14.000 Menschen konnten sich so aus der Armut befreien, rund 75 Unternehmen machen bisher mit. Über ihr Konzept der Mikroarbeit hält Janah regelmäßig Vorträge; Dutzende Auszeichnungen hat sie für Samasource bekommen - etwa den Innovation Award von der damaligen US-Außenministerin Hillary Clinton. Ein Ansporn, weiterzumachen. 2011 gründete Janah mit drei Kollegen Samahope: die weltweit erste Crowdfunding-Plattform, über die Menschen in Not medizinische Behandlungen bekommen.

Was sie sagt: "Wir haben nicht mehr Recht auf Arbeit als jemand, der arm ist." "Niemand wird durch Samasource zum Millionär, aber tausende von Leuten entkommen der Armut." "Das Schlimmste an Armut ist verschwendetes Talent."

Leila Janah spricht über ihre Arbeit bei der "Chicago Ideas Week" 2012

Leila Janah auf Twitter

Zitatquellen: San Francisco Chronicle
Nicole Wehr

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