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Zu viel am Smartphone? Social-Media-Experte rät: "Morgens den Flugmodus einschalten"

Zu viel am Smartphone? Social-Media-Experte rät: Frau im Bett mit Kaffee und Handy
© Mariia Korneeva / Shutterstock
Torben Platzer ist Unternehmer, Influencer und Social-Media-Experte. Im NEON-Interview erzählt er, wie er als Selbstständiger seinen Weg gefunden hat, warum Erfolg sich nicht nur in Geld messen lässt und wie User mit den Gefahren von Social Media umgehen können.

NEON: Torben, beschreibe doch einmal kurz, was genau du beruflich machst.
Torben Platzer
: Wir haben uns mit unserer Medien- und Brandingagentur auf den Markenaufbau für Personenmarken spezialisiert. Ich selbst habe mit Social Media meine Reichweite aufgebaut, insgesamt fast 500.000 Follower. Wir helfen anderen Personenmarken dabei, ihre Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen. Ich war früher ein introvertierter Typ – mir persönlich hat Social Media die Möglichkeit gegeben, mich überhaupt mal mit Leuten zu connecten. Und ich finde es spannend, dass man diese Kanäle nicht nur für Entertainment, sondern auch für informativen Content nutzen kann.

Ist es für solche Menschen einfacher, über das Internet zu kommunizieren?
Viele können in Social Media besser über ihren Schatten springen. Wenn ich zum Beispiel in eine Kamera spreche, ist es etwas anderes, als wenn eine Person direkt vor mir steht. Da kann ich ein Video ein zweites oder drittes Mal aufnehmen. Gerade während des vergangenen Jahres, als viel herkömmliche Kommunikation nicht mehr möglich war, hat man auch gesehen, dass so etwas wie Meetings aus dem Homeoffice eine tolle Möglichkeit sind, über viele Kilometer hinweg miteinander zu reden und zu arbeiten.

Du hast gerade deine Autobiografie mit dem Titel "Living a Selfmade Life" veröffentlicht. Was bedeutet dieses selfmade life für dich?
Für mich bedeutet es, seinen eigenen Weg zu gehen. Ich selbst habe lange Zeit auf andere gehört. Meine Eltern haben mir gesagt: Torben, mach dein Abitur, mach dein Studium. Tatsächlich habe ich erst mit 27 Jahren, als ich mit meinem Studium fertig war, überlegt: Ist das jetzt eigentlich der Weg, den ich gerade gehen will? Dann habe ich die Entscheidung getroffen, mich selbstständig zu machen. Diesen Mut möchte ich vermitteln – auf sein Herz zu hören und zu überlegen: Wohin will ich eigentlich mit meinem Leben? Egal, was mein soziales Umfeld oder die Gesellschaft sagt.

Eigentlich wolltest du ja Lehrer werden ...
Ich glaube, ich wollte nie wirklich Lehrer werden. Meine Eltern wollten, dass ich Lehrer werde. Die fanden Sicherheit gut. Sie haben gesagt: Torben, wenn du nicht weißt, was du machen sollst, werd verbeamtet. Wenn du dann keine goldenen Löffel klaust, dann hast du immer einen Job. Und ich habe das ehrlich gesagt nicht groß hinterfragt. Themen wie Selbstständigkeit oder Steuern zahlen werden in der Schule ja auch nicht abgedeckt, ich hatte keine Ahnung, welche Alternativen es gibt. 

Gab es für dich ein Schlüsselerlebnis, das dazu führte, dass du diese Pläne über Bord geworfen hast?
Am Ende meines Studiums habe ich diesen Brief bekommen, in dem es hieß: Melden Sie sich für das Referendariat an. Und ich dachte: Wenn ich das jetzt mache, habe ich die Unterschrift für den Rest meines Lebens gesetzt. Das war der Schlüsselmoment, in dem ich hinterfragt habe, wo ich in fünf, zehn oder 15 Jahre damit stehe – und ob ich damit glücklich wäre.

Dein Entschluss hat sich ausgezahlt, mittlerweile hast du dir deine eigene Existenz aufgebaut. Was bedeutet Erfolg für dich?
Erfolg ist für mich, wenn man das, was einem Spaß macht, zum Beruf machen kann. Meine Agentur zum Beispiel habe ich mit meinem besten Freund aufgebaut. Zusammen sein täglich Brot zu verdienen und dabei Spaß zu haben, finde ich viel wichtiger als viel Geld oder irgendwelche anderen Statussymbole zu besitzen. Das ist aber sehr individuell. Es gibt Leute, die leben minimalistisch und sind damit happy, weil sie viel freie Zeit haben. Andere haben als Ziel, eine riesige Firma mit Millionenumsatz aufzubauen. Beide haben Recht, wenn das ihr eigenes Ding ist.

Sein eigenes Ding zu machen, das zu tun, woran man Spaß hat – glaubst du, jeder kann das schaffen?
Die entscheidende Frage ist: Was ist dir am Ende wichtig? Nicht jeder hat ein Hobby, mit dem man viel Geld verdienen kann. Am Ende musst du für dich beantworten: Will ich einen Job haben, der sicher ist und in dem ich genug Geld verdiene? Oder möchtest du lieber Spaß bei der Arbeit haben? Es gibt zum Beispiel viele Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger, die in ihrem Job total unterbezahlt sind, aber sagen: Das ist meine Passion.

Trotzdem muss man sich so eine Denkweise auch leisten können – zum Beispiel wenn die finanzielle Absicherung fehlt oder man Verantwortung für andere Menschen trägt.
Es gibt auch einen Zwischenweg: Mach, was du kannst, wofür du Talent hast, was dir leicht fällt. Viele Freunde von mir sind auch glücklich, dass sie morgens zur Arbeit gehen, wo sie nicht unbedingt super viel Spaß haben – aber dann kommen sie um 16 Uhr nach Hause und haben Freizeit. Das ist auch ein Weg, ein erfülltes Leben zu führen.

Hast du Verständnis für Menschen, die sich nicht trauen, ihren eigenen Weg einzuschlagen – auch wenn sie mit der aktuellen Situation nicht zufrieden sind?
Das habe ich vollkommen. Den Weg durch das System zu gehen kann für jemand anderen genauso gut sein. Ich glaube sogar, dass es viele Menschen gibt, die in Richtung Selbstständigkeit gedrückt werden, weil das gerade irgendwie sexy ist, und die damit nicht klarkommen – deshalb gehen auch so viele Start-ups pleite. 

Wenn du heute jemandem begegnen würdest, der sich an dem gleichen Punkt befindet wie du am Ende deines Studiums – was würdest du ihm oder ihr raten?
Ich würde ihm raten, vieles auszuprobieren. Durch kein Video und keinen Vortrag kann man entscheiden, was man machen möchte, nur indem man es selbst ausprobiert. In unserer Gesellschaft will jeder immer schnelle Resultate haben. Aber dadurch verlieren wir den Blick für Prozesse, obwohl die das eigentlich Wichtige sind. Deshalb sollte man sich anschauen, was die tägliche Arbeit wäre, die man da machen würde. Denn die macht man dann für die nächsten 45 oder 50 Jahre seines Lebens.

In deinem Buch schreibst du: "Alles, was ich aufgebaut habe, habe ich den sozialen Netzwerken zu verdanken." Hast du auch negative Erfahrungen mit Social Media gemacht?
Auf jeden Fall, deshalb ist mir auch ein Thema wie Social-Media-Detox wichtig. Man muss verstehen, wie diese Kanäle mit ihren Algorithmen funktionieren, sonst wird man in diese Welt hineingezogen und findet nicht mehr heraus. Social Media hat einen extrem hohen Suchtfaktor – es ist ein Tool und als solches sollte man es auch benutzen.

Welche praktischen Tipps gibt es, um einen guten Umgang mit Social Media zu lernen?
Der erste Schritt ist zu verstehen, wie diese Netzwerke funktionieren – nämlich darüber, dass man dort aktiv ist und sich Werbung anguckt. Der zweite Schritt wäre, sich feste Zeiten für die Nutzung zu setzen. Also etwa zwei Mal am Tag Mails checken, vier Mal bei Instagram reingucken, damit man nicht dauerhaft am Handy hängt. Ich versuche, die erste und die letzte Stunde am Tag nicht in Social Media rumzuhängen, weil die ganzen Endorphine, die durch Likes, Nachrichten usw. freigesetzt werden, dafür sorgen, dass man nicht einschlafen kann. Deshalb ist es auch wichtig, eine ordentliche Morgenroutine zu haben – also zum Beispiel morgens eine Stunde lang den Flugmodus anschalten und dadurch Social Media viel gezielter zu nutzen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf stern.de.

epp/stern

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