Sorgerechts-Urteil: Peinlich, aber gut

Nur wenn ledige Väter sich wirklich um ihre Kinder kümmern, sollen sie auch das Sorgerecht bekommen, meint BRIGITTE-Redakteurin Silke Baumgarten.Richtige Entscheidung des Gerichts? Diskutieren Sie mit in der BRIGITTE-Community!

Das Bundesverfassungsgericht hat gesprochen: Howgh. Unverheiratete Väter können ab sofort das gemeinsame Sorgerecht einklagen. Gut so. Denn die bisherige Regelung gab den Müttern zu viel Macht. Verweigerten sie einem Vater das Recht etwa darüber mitzubestimmen, wo das Kind wohnt, ob es getauft wird, welche Schule es besuchen soll, gab es für ihn keinerlei Möglichkeit auf ein Widerspruchsverfahren.

Allerdings gilt für ledige Paare jetzt nicht automatisch das gemeinsame Sorgerecht, wie nach einer Trennung von verheirateten Eltern. Familiengerichte müssen auf Antrag des Vaters nun entscheiden, ob beide im Stande sind, für das Kind zu sorgen. Auch das ist gut so. Denn wenn eine Frau dem Vater ihres Kindes das Sorgerecht nicht geben will, wird sie Gründe haben. Davon sollte man unter erwachsenen Menschen zumindest ausgehen.

Die Unterstellung, die Mutter zicke nur rum, wolle dem Vater eins auswischen, denke dabei gar nicht ans Kind, ist zwar unter betroffenen Vätern weit verbreitet, muss nun aber einer gerichtlichen Prüfung standhalten. Allein das Wohl des Kindes steht dabei im Mittelpunkt. Wenn ein Vater sein Umgangsrecht - denn das hat er ja immer - genutzt hat, um eine verbindliche Beziehung zum Nachwuchs aufzubauen, wenn er regelmäßig Unterhalt überweist und sich ernsthaft mit allen Entscheidungen, die für das Kind anstehen, auseinandersetzt - ja, dann soll er auch das Sorgerecht bekommen. Wenn er aber nur mitreden will, ohne sich zu kümmern - dann muss er weiterhin ohne das Mitbestimmungsrecht auskommen, das eben auch eine Verpflichtung ist. Die Richterinnen und Richter der Familiengerichte werden zu unterscheiden wissen. Sie sind nämlich genau darauf spezialisiert, echte von vorgetäuschter Fürsorge zu unterscheiden.

Insofern ist eigentlich alles gut jetzt. Nur die Bundesjustizministerin steht schlecht da. Sie sollte nämlich längst einen Gesetzentwurf vorlegen, der das Sorgerecht für Ledige neu regelt. Aber der lässt auf sich warten. Jetzt ist ihr das Bundesverfassungsgericht mit seiner Entscheidung zuvorgekommen. Peinlich für Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Jetzt heißt es, sie will ledigen Vätern sogar automatisch das gemeinsame Sorgerecht zusprechen. Ein entsprechender Gesetzentwurf sei in Arbeit. Das allerdings wäre ein Schlag gegen alle Mütter, die dem Vater dieses Recht bisher aus gutem Grund verweigerten.

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Text: Silke Baumgarten

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