Gewalt gegen Frauen bei Facebook – Muss das sein?

Bilder von nackten Frauen löscht Facebook schnell. Bei Gewalt gegen Frauen ist das soziale Netzwerk dafür umso zurückhaltender. Wie kann das sein? Eine Aktivistinnen-Gruppe wehrt sich.

Welches Bild schockt Sie mehr? Eins mit nackten Brüsten oder folgendes Foto: Eine Frau liegt auf den unteren Stufen einer Treppe, gekrümmt und offensichtlich runtergeschubst. Dazu der Spruch: "Next time don't get pregnant. - Werd nächstes Mal einfach nicht schwanger."

Was - das ist Ihnen zu heftig? Da haben Sie Recht. Gewalt gegen Frauen ist nicht lustig, und bestimmt nicht so harmlos wie ein nackter Busen. Wenn man bei Facebook unterwegs ist, wirkt das anders. Dort gibt es keine oder kaum Nacktfotos, die werden von Facebook selbst immer wieder schnell gelöscht. Aber dafür Seiten, die häusliche Gewalt gegen Frauen und Vergewaltigungen verherrlichen. Sie heißen "Domestic Violence: Don't make me tell you twice. - Häusliche Gewalt: Wehe, ich muss es dir zweimal sagen." oder "Raping your girlfriend. - Ich vergewaltige deine Freundin." Und das sind Bilder (Bild eins, Bild zwei), die dort zu finden sind. (Wir haben die Bilder absichtlich nur verlinkt und nicht in den Artikel eingebunden, weil wir solche Motive auf BRIGITTE.de nicht verbreiten möchten.)

Bis Facebook solche Seiten löscht, kann es sehr lange dauern. Auf jeder Seite gibt es zwar die Möglichkeit für User, diese bei Facebook zu melden. Aber das heißt nicht automatisch, dass solche Geschmacklosigkeiten auch wirklich aus dem Netz verschwinden. Ob die vom Betreiber gelöscht werden, ist scheinbar Ermessenssache.

Werden dagegen Nacktbilder gepostet, kann Facebook schnell sein. Als BRIGITTE.de beispielsweise das "Nu Project" mit den Fotos authentischer Frauen vorstellte, war es nach einem Tag von Facebook verschwunden.

Zweierlei Maß, gegen das sich nun die Aktivistinnengruppe "Women, Action & the Media" wehrt. In offenen Brief verlangen sie von Facebook, dass Inhalte, die Gewalt gegen Frauen verherrlichen, sofort gelöscht werden. Und zwar mit derselben Schnelligkeit, mit der sie ansonsten Bilder von stillenden Müttern oder nackten politischen Aktivistinnen entfernen. Bislang verhält sich Facebook bei frauenverachtenden Inhalten sehr widersprüchlich, schreiben die Aktivistinnen.

Inzwischen sind alle Seiten, die die Aktivistinnen angeprangert haben, aus dem Netz genommen. Das ist nicht genug, findet die Gruppe. Um den Druck zu erhöhen, haben die Frauen an Anzeigenkunden von Facebook geschrieben – denn ihre Werbung landet schließlich im Zweifel automatisch auch neben solchen Fotos. Doch deren Protest fiel eher zurückhaltend aus.

Was funktioniert: Berichten Journalisten über solche Gruppen, reagiert Facebook schnell und löscht. Aber bei einem Netzwerk mit einer Milliarde Nutzern kann man nicht darauf warten, dass Redaktionen alle Gewaltbilder entdecken und anprangern. Da muss Facebook selbst handeln. Denn Worte und Bilder können auch zu Waffen werden - die Frauen verletzen.

Was können Sie selber tun?

Wenn Sie Gewaltbilder auf Facebook sehen, haben Sie die Möglichkeit, diese zu melden. Dazu gehen Sie auf das runde Symbol, das aussieht wie eine Blume. Wenn Sie selbst auf dem Bild zu sehen sind und über die Meldefunktion nicht weiterkommen, holen Sie sich Hilfe bei der Polizei oder einem Anwalt. Opfervereine wie der "Weiße Ring" beraten zudem Frauen in Not.

Facebook selbst nimmt in solchen Fällen übrigens wie folgt Stellung:

Es gibt auf Facebook keinen Platz für Hassbotschaften oder Inhalte, die bedrohlich sind oder zur Gewalt aufrufen – und wir werden kein Material tolerieren, das wir als ernsthaft oder direkt verletzend einstufen. Wir versuchen schnell zu reagieren und Ausdrücke oder Bilder, die uns gemeldet werden und gegen unsere Richtlinien verstoßen, zu entfernen. Wir versuchen außerdem, es den Menschen sehr einfach zu machen, bedenkliche Inhalte durch Links auf unserer Seite zu melden.

Allerdings – wie man es in jeder vielfältigen Gemeinschaft von mehr als einer Milliarde Menschen erwarten kann – sehen wir gelegentlich, dass Menschen geschmacklose oder verstörende Inhalte veröffentlichen oder sich an derbem Humor versuchen. Obwohl es vulgär und beleidigend sein mag, verstößt geschmackloser Inhalt an sich nicht gegen unsere Richtlinien. Wir schreiben vor, dass jede Seite mit solchen Inhalten eindeutig darauf hinweisen muss, damit die Nutzer gewarnt sind, dass der Inhalt geschmacklos sein könnte. In vielen Fällen schreiben wir auch vor, dass eine Seite entfernt wird, wenn der Seitenadministrator nicht bereit ist, dort seinen richtigen Namen anzugeben.

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