Hungersnot in Ostafrika: So können Sie helfen

Die schlimmste Dürre seit 60 Jahren, hohe Lebensmittelpreise und Bürgerkrieg: In Ostafrika sind rund 13 Millionen Menschen von einer Hungersnot betroffen. Die Hilfsorganisationen rufen dringend zu Spenden auf - doch kommt das Geld überhaupt an? Die wichtigsten Infos und Adressen.

Warum trifft es die Ostafrikaner so hart?

Seit zwei Jahren kein Regen: Die UN haben Ostafrika offziziell zum Hungergebiet erklärt

Im Grenzgebiet zwischen Äthiopien, Somalia und Kenia leben viele Menschen als Nomaden von der Viehzucht. Verhungern oder verdursten die Tiere, haben die Menschen keine Reserven mehr. In einem sowieso sehr trockenen Gebiet ist nun zum zweiten Mal die Regenzeit ausgefallen, auch die Bauern haben kaum mehr etwas geerntet. Schon Anfang des Jahres zeichnete sich die Katastrophe ab, dennoch waren die Industrieländer zunächst sehr zögerlich mit Hilfszusagen. Die weltweit gesteigenen Lebensmittelpreise verschärfen das Problem.

Warum wird den Hilforganisationen die Arbeit so schwer gemacht?

Zur extremen Dürre kommen schwierige politische Verhältnisse. In Somalia tobt seit 20 Jahren ein Bürgerkrieg: Das Land zerfiel in kleine Bruchstücke, eine funktionierende Zentralregierung gibt es nicht, Clans und Milizen kontrollieren das Land. Vor zwei Jahren zogen nahezu alle Hilfsorganisationen ab, nachdem zahlreiche Mitarbeiter entführt und ermordet worden waren. zwar wurden mittlerweile wieder UN-Vertreterins Land gelassen, doch im Süden, der besonders von der Dürre betroffen ist, machen die al-Schabab Milizen den Helfern nach wie vor die Arbeit schwer. Um zumindest den vielen hungernden Menschen zu helfen, die aus Somalia fliehen, haben die UN im Norden Kenias ein Flüchtlingslager eröffnet. Ursprünglich war das Lager in Dadaab für 90.000 Menschen gedacht, mittlerweile ist es mit fast 500.000 Menschen restlos überfüllt, ständig kommen neue Flüchtlinge, 70 Prozent davon sind Frauen und Kinder.

Wie können wir helfen?

Um die Menschen schnell zu unterstützen, brauchen die Hilfsorganisationen vor allem Geld. Bei großen Katastrophen ist es besonders wichtig, dass sich die Helfer gegenseitig absprechen und sich auf Aufgaben spezialisieren, um Chaos zu vermeiden. Spenden an große vernetzte Organisationen wie Unicef, Plan International, Ärzte ohne Grenzen oder das Bündnis "Gemeinsam für Afrika" machen darum am meisten Sinn.

Nothilfe-Experten empfehlen außerdem, ohne Bindungszweck wie "Flüchtlinge" oder "Hungersnot" zu spenden. Denn die Hilfsorganisationen sind verpflichtet, das Geld auch nur dafür auszugeben und können mögliche Überschüsse nicht flexibel für andere Notfälle und Projekte verwenden.

Kommt mein Geld überhaupt bei den Bedürftigen an?

Die Deutschen geben Jahr für Jahr mehr Geld für wohltätige Zwecke aus, doch ausgerechnet die Spenden für Afrika gehen immer weiter zurück. Vermutung von Experten: Viele Menschen befürchten, dass das Geld in undurchsichtigen Kanälen versickert. Spenden Sie darum unbedingt an die in diesem Artikel genannten seriösen Organisationen, die schon vor Ort arbeiten. In Somalia ist die Lage zwar unsicher, und es kann immer wieder passieren, dass Hilfsgüter von Milizen abgefangen werden. Aber die Flüchtlingslager in Kenia sind gut erreichbar für die Hilfsorganisationen.. Das Bündnis "Gemeinsam für Afrika" vermeldete Ende September, dass die Nothilfe der beteiligten Organisationen greift. "Wir haben es geschafft, sechs Millionen Menschen mit unserer Hilfe zu erreichen", so Sprecherin Susanne Anger. "Trotz des problematischen Zugangs kommen die Nahrungsmittel und Medizin dort an, wo sie dringend gebraucht werden. Insbesondere für die Kinder sind die Hilfseinsätze oft die letzte Rettung."

Wenn Sie an andere Organisationen spenden wollen: Informieren Sie sich, ob sie das Deutsche Spendensiegel tragen. Lassen Sie sich niemals an der Haustür zu einer Spende überreden, suchen Sie nicht über eine Suchmaschine mit dem Stichwort "Spenden", dabei gerät man häufig auf kommerzielle Portale, die Gebühren erheben.

Was genau tun die Nothelfer vor Ort?

Uno-Kinderhilfswerk Unicef: Die Mitarbeiter von Unicef liefern große Mengen an Lebensmitteln, Wasser, Zusatznahrung für Kinder und Medikamente in die betroffenen Gebiete in Somalia, Äthiopien und Kenia. Allein in Somalia werden durch Unicef 1,2 Millionen Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgt. Außerdem führt Unicef eine große Impfkampagne im Norden Kenias durch. Sie soll 200.000 Kinder vor Masern und Kinderlähmung schützen.

Welthungerhilfe: In Kenia und in Äthiopien versorgen die Mitarbeiter der Welthungerhilfe die Hungernden mit Trinkwasser und angereicherter Ergänzungsnahrung, sie beseitigen Tierkadaver, um Infektionen und Verseuchung des Wassers zu vermeiden und füllen die Wassertanks der Bauern auf. Außerdem laufen die langfristigen Projekte weiter: Die Welthungerhilfe unterstützt die Menschen in Ostafrika bereits seit Jahren dabei, mit Trockenperioden besser zurecht zu kommen und langfristig die Wasserversorgung zu sichern.

Ärzte ohne Grenzen: Mitarbeiter der Nothilfeorganisation sind sowohl im Flüchtlingslager Dadaab als auch in kleineren Außenlagern aktiv. Sie behandeln Tausende mangelernährte Kinder, untersuchen die Neuankömmlinge, operieren Verletzte und begleiten Mütter bei der Geburt.

Oxfam: Die Hilfsorganisation unterstützt am Horn von Afrika nach eigenen Angaben rund eine Million Menschen mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Hygienemaßnahmen und Impfaktionen für das noch vorhandene Nutzvieh. Die Helfer sind auch im Flüchtlingslager Dadaab vor Ort, stellen dort die Wasserversorgung sicher und versuchen die hygienischen Verhältnisse zu verbessern. In Somalia hat Oxfam mit lokalen Partnerorganisationen Ernährungszentren aufgebaut, um unterernährte Kinder zu behandeln.

Plan International: Das Kinderhilfswerk ist in Äthiopien, Kenia und auch im neu gegründeten Staat Südsudan tätig. Sie verteilen Lebensmittel und Wasser an Familien, bauen Latrinen und klären über Hygiene auf. Zudem beliefern sie in allen drei Ländern Schulen mit Mahlzeiten.

Und wie kann Ostafrika langfristig geholfen werden?

Zunächst muss die aktuelle Not durch Soforthilfen gelindert werden. Doch für die Zukunft sind neue Konzepte dringend gefragt: Wesentlich mehr Geld müsste in neue Anbaumethoden und die Beratung der Bauern investiert werden. Und langfristig müssten Nomaden vielleicht sogar aus den Dürregebieten umgesiedelt und neue Einkommensquellen erschlossen werden.

Experten empfehlen darum, nicht nur einmalig zu spenden, sondern auch nach den akuten Nothilfeeinsätzen Geld an die Hilfsorganisationen zu überweisen, am besten regelmäßig.

Hier können Sie spenden

Die UNO-Flüchtlingshilfe versorgt die Hungernden in den Flüchtlingslagern in Kenia und Äthiopien und baut weitere Lager auf.

Gemeinsam für Afrika ist ein Bündnis von 23 anerkannten Hilfsorganisationen, darunter die UNO-Flüchtlingshilfe, die Welthungerhilfe, Oxfam, World Vision, Malteser u.a. Schirmherr der Kampagne ist Bundespräsident Christian Wulff.

Bündnis Deutschland hilft: Dazu gehören zehn Organisationen wie action medeor, Spezialist für Medikamentenlieferungen

Unicef und Plan International setzen sich speziell für Kinder ein.

Ärzte ohne Grenzen sind ebenfalls vor Ort aktiv.

Zu Entwicklung hilft gehören u.a. die Welthungerhilfe und Brot für die Welt.

Oxfam Deutschland e.V. ist eine unabhängige Hilfs- und Entwicklungsorganisation, die sich weltweit für nachhaltige Armutsbekämpfung einsetzt.

Text: Beate Koma, Michèle Rothenberg

Wer hier schreibt:

Beate Koma
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.