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Stadt entfernt Spielzeug von Kinder-Grab – Friedhof soll ein "ruhiger Ort" bleiben

Vater steht mit einem Stoff-Teddy vor einem Grab
© SpeedKingz / Shutterstock
Fast vier Jahre lang hat das Ehepaar Corda ihrer Tochter Spielzeug ans Grab gebracht, doch eines Tages war alles weg. Der Stadt war es zu bunt.

Kristina und Benjamin Corda haben ein Grab als Andenken an ihre Tochter Zoey Alice – und das pflegen sie liebevoll. Regelmäßig bringen sie ihrem Kind Spielzeug und Blumen an seine letzte Ruhestätte. Sie hatten es vor dreieinhalb Jahren in der 18. Schwangerschaftswoche verloren.

„Das Grab zu schmücken ist das Einzige, das wir noch für unsere verstorbene Tochter machen können. Wir glauben fest daran, dass sie uns dabei zusieht“, sagte Kristina Corda der "Bild".

Plötzlich war das Grab so gut wie leer

Am ersten Advent 2017 erlebte das Paar bei einem Besuch auf dem Friedhof im sogenannten "Garten der Sternenkinder" dann aber eine böse Überraschung: Das Grab ihrer Tochter war so gut wie leer geräumt. Die Stadt Mettmann, so stellte sich später heraus, hatte die Räumung veranlasst.

Nur ein Windspiel mit Eulen durften die Eltern stehen lassen. Wie die Eltern gegenüber "Bild" angeben, habe man ihnen noch 2014 gesagt, dass sie das Grab nach eigenen Wünschen gestalten können.

Die Stadt hat sich bei den Eltern entschuldigt

Die Stadt antwortete auf BRIGITTE-Anfrage, dass sie den Vorfall bedaure und sich bei den Cordas entschuldigt habe – allerdings nicht dafür, DASS die Spielsachen weggeräumt wurden, sondern WIE sie weggeräumt wurden. Man hätte die Eltern dazu vorher anschreiben sollen ... 

"Individuelles Ausschmücken und individuelle Bepflanzung" seien auf diesem Friedhofsabschnitt nun mal nicht zugelassen, teilte uns eine Sprecherin mit. "Der Garten der Sternenkinder soll ein ruhiger Ort bleiben, der von einer einheitlichen Gestaltung geprägt ist."

Für kleinere Aufmerksamkeiten gebe es extra eine Sammelstelle – nur dort sollten Eltern Dinge wie Spielzeug und Blumen ablegen. Die Stadt wolle darauf künftig deutlicher hinweisen.

Ist die Stadt wirklich so penibel und kalt?

Urteilt selbst: Für "Sternenkinder" wie Zoey sieht das nordrhein-westfälische Bestattungsgesetz keine zwingende Beisetzung vor. Auf besonderen Wunsch kann zwar eine erfolgen, dann allerdings zu den üblichen Gebühren.

Auf Initiative des Evangelischen Krankenhauses hat die Stadt Mettmann daher vor einigen Jahren den "Garten der Sternenkinder" geschaffen, wo Eltern ihre Kinder gebührenfrei oder gegen eine freiwillige Spende bestatten können. Die Stadt trägt die Kosten der Aushebung und Verschließung des Grabs, die Instandhaltung leisten ehrenamtliche Helfer.

Möglicherweise sind also die Regeln im "Garten der Sternenkinder" deshalb so streng, um den Aufwand in einem überschaubaren Rahmen zu halten. Ob das die ganze Sache für die Eltern besser macht, ist fraglich ...    

sus

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