Sterbefasten: Mit 94 beschließt sie, nicht mehr zu essen – um zu sterben

Rosemary Bowen wollte selber entscheiden, dass ihr Leben nun zu einem Ende gekommen ist. Mit 94 Jahren entschied sie sich zum Sterbefasten – und ihre Tochter Mary Beth sollte den tagelangen Prozess mit einer Videokamera begleiten.

Bei einem Sturz im Haushalt hat sich Rosemary Bowen vergangenes Jahr einen Bruch an der Wirbelsäule zugezogen. Sie war 94 Jahre alt, auch im hohen Alter noch fit und konnte für sich selber sorgen. Doch genau diese Selbstbestimmung, die ihr immer so wichtig war, musste sie nun aufgeben.

Pflegebedürftig im hohen Alter? Diese Vorstellung war der Seniorin ein Graus. Deswegen beschloss Rosemary, dass ihr Leben nun zu Ende sein sollte. Sie hat entschieden: Es ist Zeit, zu sterben.

Selbstbestimmt aus dem Leben gehen

Ihre Angehörigen wollten sie ermutigen, eine Einrichtung mit betreutem Wohnen auszuprobieren – doch nein, Rosemary blieb stur: Sie wollte nun gehen. Und: Sie wollte nicht nur selbstbestimmt ihrem Leben ein Ende setzen, sondern sie wollte auch, dass ihre Tochter ihre letzten Tage mit der Videokamera begleitet, damit andere sehen können, dass ihr Abschied würdevoll und selbstbestimmt war.

Nun, einige Monate später, hat Tochter Mary Beth die Aufnahmen veröffentlicht. Weil in Rosemarys Heimatstaat Maryland (USA) aktive Sterbehilfe nicht erlaubt ist, hat sich Rosemary fürs Sterbefasten entschieden – sie hat das Essen und Trinken eingestellt, um zu Sterben.

Ein schmerzloser Tod?

Rosemary Bowen hat sich für das Sterbefasten entschieden, um selbstbestimmt und frei aus dem Leben zu scheiden. In dem Video, das sie in den Tagen vor ihrem Tod zeigt, betont sie immer wieder die Freude und Erleichterung, die sie empfinde, weil sie ihren Abschied selber gestalten kann.

Rosemary Bowen ist nach sieben Tagen Sterbefasten verstorben. Ihre Tochter Mary Beth schildert, dass sie bis zuletzt glücklich und erleichtert gewirkt habe. Doch Experten warnen: Sterbefasten sei mitnichten immer ein "einfacher" oder gar schmerzloser Tod. Palliativmediziner berichten, dass manche Senioren, die das Essen und Trinken einstellen, bis zu 21 Tage fasten, bevor sie sterben. Häufig sorge die Dehydrierung für Schmerzen, auch die Angehörigen würden unter dem langwierigen Prozess des Sterbens häufig leiden.

Sterbefasten – ist das in Deutschland erlaubt?

Auch in Deutschland ist aktive Sterbehilfe nicht erlaubt. Sterbefasten ist allerdings im Rahmen einer Patientenverfügung nicht verboten – allerdings gilt das nur, wenn der Sterbende bzw. Patient seine Absicht zu Sterben glaubhaft und nachhaltig versichert. Außerdem dürfen bestimmte Vorerkrankungen (z.B. Magersucht oder Depressionen) nicht vorliegen.

Rosemary Bowen hat mit Sterbefasten so Abschied nehmen können, wie sie es sich gewünscht hatte. Zu einem Zeitpunkt, den sie selber bestimmt hat. Tochter Mary Beth schildert in einem Interview mit der "Washington Post", wie sie ihre Mutter von ihrem Schritt abbringen wollte, damit sie weiter im Kreis der Familie bleibt. Rosemary habe gesagt: "Es tut mir leid, ich muss jetzt das tun, was für mich gut ist …"

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