Nach Tamponsteuer: Erhöhen Hersteller die Preise?

Gerade erst feierten wir die Abschaffung der Tamponsteuer. Jetzt sollen Tampons, Binden & Co. trotzdem wieder teuer werden – denn Hersteller sollen mit einer dreisten Maßnahme reagieren, wie Medien berichten. Wir haben nachgefragt.

+++Update: o.b.-Hersteller und dm verneinen Preiserhöhung+++

Wir haben aufgrund unterschiedlicher Medienberichte beim wohl bekanntesten Tamponhersteller nachgefragt. "Johnson & Johnson" heißt das Unternehmen, das o.b. herstellt – und das nach Angaben der Lebensmittelzeitung die Preise erhöht haben soll. Gegenüber BRIGITTE.de verwies das Pressebüro "Johnson & Johnson" auf ein Statement des Unternehmens zur sinkenden Tamponsteuer:

Als Hersteller von o.b. begrüßt die Johnson & Johnson GmbH die Steuersenkung auf Menstruationsprodukte. Wir haben unsere Preise nicht erhöht und werden im Zusammenhang mit der Steuersenkung unsere Tampon-Preise nicht erhöhen.

Wie es mit anderen Marken aussieht, ist derzeit noch unklar. Aber auch von der Drogerie-Kette dm haben wir ein Statement erhalten. So setzt sich das Unternehmen bereits seit Monaten für günstigere Preise für Menstruationsartikel ein und hat dies auch zukünftig vor, wie dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer erklärt:

Wir bei dm haben uns für die Senkung der Mehrwertsteuer auf Menstruationsprodukte engagiert. Der Gesetzgeber hat reagiert und wir haben sofort gehandelt und den Preisvorteil an unsere Kundinnen bereits einen Monat vor in Kraft treten weitergegeben. Zudem runden wir die Preise bei Menstruationsprodukten auf die nächste 5er Endung ab. Gemäß unserer Dauerpreisstrategie ist für unsere Kunden sichergestellt, dass die Preise auf jeden Fall mindestens vier Monate Gültigkeit haben. Es sei denn, der Preis reduziert sich weiter. Darüber hinaus ist derzeit eine Veränderung des Verkaufspreises nicht geplant. Wir sind im ständigen Austausch mit unseren Partnern, um für unsere Kunden stets der günstigste Anbieter von Drogeriewaren zu sein.

Was war geschehen?

Nach der abgeschafften Tamponsteuer könnten Tampons trotzdem teuer bleiben. Klingt absurd? Ist es auch. Doch Hersteller riechen angeblich eine Chance, mehr Geld zu verdienen – und die lassen sie sich offensichtlich nicht nehmen, wie nun mehrere Medien berichten.

Worum geht's? Im Oktober 2019 war es soweit: Eine Petition mit über 160.000 Unterschriften zeigte Wirkung und die Mehrwertsteuer für Damenhygieneartikel wurde von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Die Freude war auch bei uns groß – schließlich dürften Tampons & Co. nun doch deutlich günstiger werden, wie unser Rechenbeispiel zeigt. 

Nach Tamponsteuer: Preiserhöhung der Hersteller?

Nun könnten wir jedoch bald erneut irritiert vor dem Regal teurer Damenhygieneprodukte stehen. Jetzt kennen wir auch den Grund dafür: Mehrere Hersteller von Menstruationsartikel haben auf die Steuersenkung reagiert – und zwar mit einer Preiserhöhung, die sie jetzt an den Handel weitergeben. 

Unter anderem berichtete die "Lebensmittelzeitung" von einer Preiserhöhung bei ob-Hesteller "Johnson & Johnson". Weitere Marken sollen jedoch ebenfalls teurer geworden sein, wie Kaufland gegenüber des "Tagesspiegels" bestätigte. Die Supermarktkette soll die erhaltenen Preiserhöhungen jedoch nicht akzeptieren – ebenso wie andere Einzelhandelsketten wie dm und Rewe. 

Sind die Produktionskosten von Tampons & Binden plötzlich in die Höhe geschossen? Wohl kaum. Als Erklärung soll eine Qualitätsverbesserung genannt worden sein. Die pünktliche Preiserhöhung zur Steuersenkung lässt jedoch anderes vermuten: Die Hersteller ergreifen die Chance, die erlassenen Steuern nun auf das eigene Konto fließen zu lassen, indem sie die Preise einfach halten. 

Wird ja keinem auffallen? Weit gefehlt. Bereits jetzt herrscht in Sozialen Medien rege Aufruhr, unter dem Hashtag "Tamponsteuer" sammeln sich wütende Kommentare. Die Menschen fühlen sich, gelinde gesagt, veräppelt.

Tampon-Buch

Als Verbraucher kann man nur hoffen, dass die Handelspartner die Preiserhöhung auch zukünftig nicht akzeptieren werden – oder sich selbst schnell einen Tamponvorrat anschaffen. So oder so gilt: Hersteller machen sich mit diesem Schachzug sicher keine Freunde. 

verwendete Quellen: Lebensmittelzeitung, Twitter, Tagesspiegel

mjd
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