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Tatort-Regisseurin Viviane Andereggen "Es ist doch wundervoll, eine Frau zu sein!"

Viviane Andereggen
© Clemens Porikys
Viviane Andereggen hat es geschafft: Sie hat sich als Regisseurin in einer Männerdomäne durchgesetzt. Ihr besonderes Anliegen ist es, die weiblichen Hauptrollen vielschichtig und selbstbewusst zu gestalten. Genau das setzt sie in ihrem "Tatort-Zürich" um.
Von Melanie Wenzke

Viviane Andereggen schaffte 2017 mit dem Film "Rufmord" den Durchbruch in Deutschland. Auf diesen Erfolg konnte sie mit dem Kinofilm "Die drei !!!" weiter anknüpfen. Der gebürtigen Schweizerin ist aber vor allem eines wichtig: Frauen endlich angemessen im TV zu repräsentieren. Gerade im deutschsprachigen Raum müsse man ihrer Meinung nach noch viel aufholen. Und genau deshalb brauchen wir so eine starke Persönlichkeit wie Viviane hinter den Kulissen der Filmindustrie. 

"Entweder ist sie Geliebte oder wird umgebracht"

Die weiblichen Filmrollen sind meist recht einfältig. "Es werden oft Klischees bedient", sagt Viviane. "Die Frau als junge Geliebte, Hausfrau oder Opfer. Dass sie auf das Äußere reduziert wird, ist nicht selten. Pauschal gesagt ist sie entweder eine Geliebte oder wird umgebracht." Anspruchsvolle Rollen gebe es nur selten – manchmal hätten Frauen nicht einmal Text. "Das entspricht meiner Meinung nach überhaupt nicht der Realität."

Auch in Gesprächen zwischen zwei Frauen gehe es häufig nur um Männer. "Als hätten wir kein anderes Thema!" Viviane sieht es als ihre Aufgabe, etwas zur Gesellschaft beizutragen und ein adäquateres Abbild darstellen. "Es ist wichtig, dass alle 360 Grad abgebildet werden: als Hausfrau, aber auch als Mutter und eben auch als Geschäftsfrau. Einfach als das alles, das wir sind – wie in der Realität eben auch." 

Viviane möchte nicht, dass irgendjemand von den Erwartungen der Gesellschaft bestimmt wird. Mit ihren Filmen will sie unter anderem Frauen in Führungspositionen normalisieren. "Es ist doch wundervoll, eine Frau zu sein! Wieso sollten wir nicht stolz darauf sein und noch mehr Raum erobern?"

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Keine leichte Aufgabe

Seit hunderten von Jahren ist die Darstellung von Weiblichkeit in Männerhand. Die einseitige Perspektive habe das Idealbild der Frau geprägt. Auch heute noch sind Frauen im gesamten Berufsfeld unterrepräsentiert. "Weibliche Regisseure waren schon immer eine Seltenheit. Viele klassische Dramen sind aus männlicher Perspektive verfasst. So war es auch jahrelang im Film. Sonst wäre der Blick auf Frauen ganz anders."

Meistens gelingt es der Regisseurin, ein emanzipiertes Frauenbild einzubringen. Trotzdem sind manche Situationen strittig: "Es wird oft mit zweierlei Maß gemessen. Eine Szene, in der sich zwei Frauen streiten, wird gleich als zickig betitelt. Aber auch Frauen können sich einfach nur streiten. Das Problem ist, dass Situationen per se immer negativ bewertet werden. Männer müssen sich nicht dem gleichen Urteil unterziehen." 

Viviane Andereggen
Viviane Andereggen erhielt den Hamburger Kripipreis 2019, der zu Ehren Jürgen Rolands vergeben wurde. Das Preisgeld über 10.000 Euro spendete sie an eine KZ-Gedenkstätte. Rolands SS-Vergangenheit veranlasste sie das Geld nicht anzunehmen.
© Clemens Porikys

Viviane selbst musste zum Glück noch keine Erfahrungen mit direktem Sexismus machen. Sie sagt: "Einige Schauspielerinnen haben schlimmere Sachen erlebt. Aber ich empfinde es auch als sexistisch, wenn man mich fragt, ob ich überhaupt 44 Drehtage schaffe. Würde diese Frage auch einem Mann gestellt werden? Ich denke nicht. Wieso sollte ich meinen Job nicht beherrschen?" Am liebsten würde Sie diese Leute aufklären und sensibilisieren. "Bei vielen ist es Ignoranz und Naivität. Ich denke nicht, dass solche Fragen verletzend gemeint sind."

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"Wir sind unsere eigenen Heldinnen!"

Viviane gibt uns sogar einen kleinen Einblick hinter die Kulissen. Eine Frau, die von einem Mann gerettet werden muss? Nicht mit ihr. Im Tatort "Schoggiläbe" wird eine der Hauptfiguren im Club mit einem Mann intim. Erst küssen sie auf der Tanzfläche, dann befriedigt er sie. Nach ihrem Orgasmus lässt sie ihn alleine alleine sitzen. "Das Drehbuch war ursprünglich so geschrieben, dass die Darstellerin von einem Bekannten gerettet werden muss. Da dachte ich mir: Wollt ihr mich veräppeln? Sie hat Spaß am Sex und holt sich, was sie braucht. Die Männer wollen eben gerne die Helden sein. Aber wir brauchen keine Helden. Wir sind unsere eigenen Heldinnen!" Dem können wir nur zustimmen und sind schon gespannt auf den Tatort!

Der "Tatort-Zürich" ist am 28.02.2021 im ARD zu sehen oder kostenlos in der Mediathek zu streamen.


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