"Nicht wiederbeleben"-Tattoo: Ärzte lassen Patient sterben

Weil ein Mann ein "Nicht reanimieren"-Tattoo auf der Brust hatte, mussten Ärzte ihn sterben lassen. Einen ähnlichen Fall gab es schon einmal – damals war die Tätowierung ein Scherz gewesen.

Kann ein Tattoo eine gültige Patientenverfügung sein? Diese schwierige Entscheidung mussten Ärzte in den USA treffen. Ein 70-Jähriger war in die Notaufnahme des Jackson Memorial Krankenhauses in Miami eingeliefert worden. Der Patient war bewusstlos und benötigte lebenserhaltende Maßnahmen. Doch auf seiner Brust prangte ein Tattoo: "Do Not Resuscitate" ("Nicht wiederbeleben") - in Großbuchstaben, das "Not" unterstrichen.

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Kein Ausweis, keine Verwandten – was tun?

Wie das "New England Journal of Medicine" berichtet, hatte der 70-Jährige einen hohen Blutalkohol-Wert. Bei seiner Einlieferung trug er keinen Ausweis bei sich, und es meldeten sich keine Verwandten, die bei der Entscheidung hätten helfen können. Was also sollten die Ärzte tun?

Sie entschieden: wiederbeleben und Maschinen anlassen. "Ich wollte wirklich gern mit ihm sprechen, um zu sehen, ob das Tattoo wirklich seinen Wünschen zu seinem Lebensende entsprach", zitiert die "Washington Post" einen der behandelnden Mediziner. 

Doch die Ethikberater des Jackson Memorial Krankenhauses ist schließlich anderer Meinung. Er wies das Krankenhauspersonal an, den Wunsch des Patienten zu respektieren – und die lebenserhaltenen Geräte abzustellen. In der folgenden Nacht starb der 70-Jährige.

Ähnlicher Fall entpuppte sich als Scherz-Tattoo 

Und nicht alle teilen die Einschätzung der Ethik-Kommission. Denn: Schon in der Vergangenheit standen Ärzte vor der Entscheidung, ein "Nicht reanimieren"-Tattoo zu respektieren oder nicht. Im Fall eines 59-Jährigen entschied sich das Krankenhaus-Team dagegen. Zum Glück: Der Mann erholte sich und konnte später seine Wünsche selber äußern. Und der Diabetes-Patient erzählte, bei dem Tattoo handele es sich um einen Scherz: Er habe in jüngeren Jahren eine Wette beim Pokern verloren. Mit seinem Willen habe das Tattoo nichts zu tun.

Wikipedia erklärt eine Patientenverfügung übrigens so:

Eine Patientenverfügung ist eine Willenserklärung einer Person für den Fall, dass sie ihren Willen nicht mehr (wirksam) erklären kann. Sie bezieht sich auf medizinische Maßnahmen wie ärztliche Heileingriffe und steht meist im Zusammenhang mit der Verweigerung lebensverlängernder Maßnahmen.

Auch in Deutschland haben sich Menschen diese Willenserklärung bereits unter die Haut stechen lassen. Wie die "Bild"-Zeitung 2013 berichtete, ließ sich etwa ein Rentner den Schriftzug "Do not reanimate" auf die Brust tätowieren. Er wolle damit im Ernstfall seiner Familie die Entscheidung abnehmen, sagte der damals 62-Jährige seinerzeit: "Das ist kein Spaß-Tattoo. Ich will, dass sich die Ärzte daran auch halten."

Auch in den Niederlanden entschloss sich eine alte Dame zu dieser Art der Patientenverfügung. Nel Bolten aus Den Haag ließ sich einen entsprechenden Schriftzug im Alter von 91 Jahren auf die Brust tätowieren. Für sie war die Vorstellung, nach einer Reanimation etwa ans Bett gefesselt zu sein, furchtbar. Ihr Tattoo wurde als rechtsgültig anerkannt. Bolton starb mit 93 Jahren eines natürlichen Todes.

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