Fairphone - das nachhaltige(re) Smartphone

Das Fairphone aus den Niederlanden will schaffen, was die Konkurrenz versäumt hat: Es ist das erste Smartphone, das unter nachhaltigen Bedingungen produziert wird.

Die letzten der 25.000 Fairphones wurden Ende Januar 2014 ausgeliefert - hübsch verpackt in einer recyclebaren Verpackung.

Wir trennen Müll, wir verzichten auf Plastiktüten und kaufen Fairtrade-Kaffee. Aber wie nachhaltig sind eigentlich unsere Smartphones? Gar nicht. Doch aus den Niederlanden kommt jetzt ein Vorreiter: Das Fairphone will verantwortungsvoller sein als herkömmliche Smartphones. Ursprünglich als Crowdfunding-Projekt gestartet, steht es für faire Arbeitsbedingungen und Transparenz in der gesamten Produktionskette.

Was macht das Fairphone nun so fair, so nachhaltig? Fangen wir bei der unaufhaltsamen Vermüllung des Planeten an. UN-Schätzungen zufolge produzierte jeder Weltbürger 2012 sieben Kilogramm Elektroschott - ausgediente Handys inklusive. Man kennt das: Ist der Akku hin, wird oft gleich das gesamte Handy ersetzt. Einzelteile können nicht wie bei einem kaputten Auto mal eben ausgewechselt werden. Hinzu kommt: Das neueste iPhone ist einfach zu verlockend. Beim Fairphone sind Einzelteile wie der Akku austauschbar. Ein Ladekabel wird gar nicht erst mitgeliefert - im Hinblick darauf, dass in den meisten Haushalten bereits passende Kabel zu finden sind.

Bestandteile aus zertifizierten Minen

20 bis 30 unterschiedliche Metalle stecken in einem durchschnittlichen Smartphone, viele kommen aus Krisengebieten in Afrika. Mit ihrem Abbau finanzieren Warlords nicht selten ihre Kriege. Den Fairphone-Gründern ist es bisher immerhin gelungen, zwei der benötigten Metalle, Zinn und Tantal, aus zertifizierten Minen im Kongo zu beschaffen. Das ist ein beachtlicher Erfolg. Und für die in Planung stehende zweite Edition des Fairphones ist Gold als dritter Rohstoff aus konfliktfreien Quellen im Gespräch. Im Fairphone-Blog heißt es: "Um zu verstehen, was wir versuchen zu erreichen, darf man das Produkt nicht als Vollendung verstehen, sondern als einen Startschuss zum Wandel."

Die Produktion soll in diesem Zusammenhang mitziehen: Hergestellt wird das Fairphone im chinesischen Changhong. Die Arbeitsbedingungen werden von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) überwacht. So wird beispielsweise ein Mindestlohn von 169 Dollar im Monat bezahlt und den Arbeitern das Recht auf gewerkschaftliche Organisation garantiert. Mit dem Lieferanten A’Hong wird eine dauerhafte Verlässlichkeit für alle Seiten angestrebt: für die Unternehmen, die Arbeiter und die Konsumenten. Für jedes verkaufte Fairphone der ersten Edition wurden 2,50 Dollar in einen Fond ("Workers Welfare Fund") gezahlt. Was mit den insgesamt 125.000 Dollar passieren wird, sollen die Arbeitnehmer selbst entscheiden.

Und was leistet das Fairphone technisch?

Ausgestattet mit dem Android Betriebssystem 4.2, einem 4,3 Zoll Bildschirm und einem Gewicht von knapp 170 Gramm ist das 325 Euro teure Gerät sicherlich kein High-Tech-Wunder. Das Betriebssystem Android 4.2. erschien bereits im letzten Jahr. Dafür hat es Finessen wie das doppelte Sim-Fach: Es können zwei Simkarten mit unterschiedlichen Nummern gleichzeitig eingesteckt werden, ein separates Diensthandy ist damit nicht mehr nötig. Oder die mitgelieferte App "Peace of Mind": Bis zu drei Stunden lang kann man sich und dem Telefon Ruhe verordnen - weder Anrufe noch Nachrichten werden empfangen.

Die Produktion der zweiten Edition steht schon in den Startlöchern. "Wir werden die Zahl in den nächsten Monaten finalisieren. Aber es wird wahrscheinlich wieder eine ähnlich kleine Produktion mit 25.000 Exemplaren sein, vielleicht ein wenig mehr", heißt es auf dem offiziellen Blog von Fairphone. Anmeldungen gibt es mehr als genug, im Moment sind es 30.497 Anwärter. Nach dem Prinzip "First come, first serve" werden die nächsten Fairphones voraussichtlich im Sommer 2014 ausgeliefert. Mit der neuen Version werden auch technische Verbesserungen einhergehen.

Das Fairphone ist das Smartphone für Idealisten, die den Markt positiv beeinflussen wollen. Ein bisschen Weltverbesserer-Romantik spielt mit, vielleicht. Aber die braucht es schließlich immer, um eine Bewegung ins Rollen zu bringen. Um es mit der Worten des Unternehmens zu sagen: "Start a Movement!"

Text: Astrid Christians

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