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Australien Polizei verwechselt Tee mit Drogen: Mutter und Tochter verbringen Monate im Gefängnis

Tee mit Drogen verwechselt: Tee in Tee-Ei
Symbolfoto. Hierbei handelt es sich um Rooibostee.
© BlueSnap / Shutterstock
Zwei Frauen verbrachten monatelang in Haft, weil sie braunen Ingwertee aus ihrer Heimat Malaysia einführen wollten. Dort ist das Getränk ein beliebtes Mittel gegen Regelschmerzen.

Eine Frau und ihre Tochter hatten aus ihrer Heimat Malaysia rund 25 Kilogramm braunen Ingwertee bestellt. Da dort das Getränk ein beliebtes Mittel gegen Regelschmerzen ist, wollten die beiden Frauen es gewinnbringend in Australien weiterverkaufen. Wären sie die komplette Ware losgeworden, hätten sie einen Gewinn von 90 Australischen Dollar eingestrichen – doch die beiden wurden zuvor festgenommen. Die australischen Behörden hatten laut "Vice" den Tee mit Drogen verwechselt. 

Polizei stürmte das Haus

Nachdem Beamte der Australian Border Force (ABF) einen Teil der Teepakete am internationalen Flughafen abgefangen und ihren Inhalt fälschlicherweise als Amphetamin identifiziert hatten, stürmten schwer bewaffnete Polizeibeamte im Januar das Haus von Mutter und Tochter im Südwesten von Sydney.

Zuvor hatte der ABF wohl einen "Hazmat"-Test anwandt, um das importierte Produkt als Phenmetrazin zu identifizieren, eine illegale stimulierende Droge, die üblicherweise zu Freizeitzwecken verwendet wird. Die Polizei beschlagnahmte daraufhin den Inhalt der Teepackungen und ersetzte ihn durch eine inaktive Substanz, die an die Wohnung der Frauen geliefert wurde. Einen Tag später wurden diese bei einer Razzia in deren Haus beschlagnahmt. Die beiden Frauen wurden daraufhin festgenommen und wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels angeklagt

Probleme beim Drogentest 

Ein australisches Gericht erfuhr nun, dass der Test lediglich ein Spektrum ähnlicher Substanzen wie Phenmetrazin anzeigte – und dass die illegale Droge hinter Zucker, Saccharose und Puderzucker an vierter Stelle stand. Ein Gerichtsmediziner der ABF schrieb laut "The Sydney Morning Herald" im Februar schon an die Polizei von Bankstown und teilte ihr mit, dass man die Probe unabhängig testen lassen müsse, um sicher zu sein, dass sie auch wirklich Phenmetrazin enthalte. Doch die zuständige Beamtin gab diese Information weder an die Anwälte noch an das Gericht weiter und so mussten die beiden Frauen weiterhin in Haft verharren. 

Im April schickte ein anderer ABF-Beamter eine E-Mail an dieselbe Beamtin, um ihr mitzuteilen, dass die Laborergebnisse von zwei früheren Beschlagnahmungen ähnlicher Produkte ergeben hätten, dass "keine verbotenen Substanzen nachgewiesen" worden seien. Die ABF hatte auch ihre eigenen forensischen Untersuchungen durchgeführt und konnte keine verbotenen Substanzen in den Teepäckchen nachweisen.

Fehler erst vor Gericht zugegeben 

Die beiden Frauen wurden erst im Mai gegen Kaution freigelassen und im August wurde die Anklage gegen zurückgezogen. Doch die Polizei ist sich keiner Schuld bewusst und verweigert jegliche Kompensationszahlung, weshalb die beiden nun vor Gericht gezogen sind. 

Im Kreuzverhör durch den Anwalt der beiden Frauen gab die Beamtin erst zu, dass sie um eine gerichtsmedizinische Untersuchung der Proben gebeten hatte, aber die beiden Frauen im Gefängnis darüber unterrichtet hatte, dass die vorherigen Untersuchungen kein Ergebnis eingebracht hätten Als der Anwalt fragte, warum sie das nicht getan habe, verweigerte die Beamtin ihre Aussage. Der Fall wurde auf März 2022 vertagt. 

Quellen: "Vice", "The Sydney Morning Herald".

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf stern.de.

yak stern.de

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