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Erschütternd! 22-Jährige erzählt, wie sie den Terror überlebte


Ein Foto berührt die Welt: Auf Facebook berichtet die 22-jährige Isobel Bowdery, wie sie die Terror-Nacht von Paris erlebte.

Es sind Worte, die einen nie wieder loslassen: Die 22-jährige Isobel Bowdery war am Abend des 13. November auf dem Konzert der Band "Eagles of Death Metal" im Pariser Musikclub Bataclan. Über 80 Konzertbesucher fanden durch ein terroristisches Attentat den Tod.

Auf Facebook erzählt sie, wie sie die Terror-Nacht erlebte. Verstörend und eindringlich - aber auch überraschend hoffnungsvoll:

"Es war ein Massaker"

Du denkst nie, dass es dir passieren könnte. Es war nur ein Freitagabend bei einem Rock-Konzert. Die Stimmung war gut, und alle tanzten mit einem Lächeln im Gesicht. Und dann, als die Männer durch den Haupteingang kamen und anfingen zu schießen, dachten wir alle ganz naiv, das wäre Teil der Show.

Es war kein Terroranschlag, es war ein Massaker. Dutzende von Menschen wurden direkt vor mir erschossen. Blutlachen verbreiteten sich auf dem Boden. Die Schreie von erwachsenen Männern, die ihre toten Freundinnen im Arm hielten, durchdrangen die kleine Konzerthalle. Zukünftige Lebensjahre vernichtet, Familien erschüttert. In einem Augenblick.

"Es fühlte sich so unwirklich an"

Unter Schock und alleine, stellte ich mich über eine Stunde lang tot. Zwischen den Leuten liegend, die auf ihre geliebten Menschen blicken mussten, die leblos neben ihnen lagen. Ich hielt meinen Atem an und versuchte, mich nicht zu bewegen und nicht in Tränen auszubrechen - und diesen Männern nicht die Angst zu schenken, die sie so dringend sehen wollten.

Ich hatte das unglaubliche Glück, zu überleben. Aber so viele hatten es nicht. Die Menschen, die aus genau dem gleichen Grund da gewesen waren, wie ich - um einfach Spaß an einem Freitagabend zu haben - waren unschuldig. Diese Welt ist grausam. Taten wie diese sollen hervorheben, wie verkommen die Menschheit ist. Und die Bilder dieser Männer, die uns wie Geier umkreisten, werden mich für den Rest meines Lebens verfolgen. Die Art und Weise, wie sie akribisch auf Menschen in der Gegend zielten, in deren Mitte ich stand, und sie ohne jegliche Achtung für menschliches Leben erschossen. Es fühlte sich so unwirklich an. Ich wartete jede Sekunde darauf, dass jemand sagt, das alles nur ein Albtraum wäre.

"Ihr lasst mich glauben, dass diese Welt das Potential hat, besser zu sein!"

Aber als Überlebende dieser Schreckenstat kann ich Licht auf die Helden werfen. Auf den Mann, der mir Mut zusprach und sein Leben riskierte, als er sich schützend vor meinen Kopf stellte, während ich wimmerte. Auf das Paar, dessen letzte, liebevolle Worte mich an das Gute in der Welt glauben ließen. Auf die Polizei, die hunderte von Menschen retten konnte. Auf die wildfremden Menschen, die mich von der Straße einsammelten und mich in den 45 Minuten trösteten, in denen ich wirklich dachte, dass der Junge den ich liebte, gestorben war. Auf den verletzten Mann, den ich mit ihm verwechselte, und der mich in den Arm nahm, als ich erkannte, dass er nicht Amaury war, und mir sagte, dass alles gut werden würde, obwohl er selbst allein und verängstigt war. Auf die Frau, die ihre Tür für die Überlebenden öffnete, auf den Freund, der mir Unterschlupf bot und mir dann neue Kleidung kaufte, damit ich nicht weiter mein blutverschmiertes Top tragen musste. Auf alle von euch, die mir Nachrichten mit Sorge und Unterstützung geschickt habt - ihr lasst mich glauben, dass diese Welt das Potential hat, besser zu sein! Dass wir so etwas nie wieder geschehen lassen.

Aber am meisten richtet sich das hier an die 80 Menschen, die in der Konzerthalle ermordet wurden, die nicht so viel Glück hatten, die nicht heute aufwachen durften, und an den Schmerz, den ihre Freunde und Familie erleiden müssen.

"Ruhet in Frieden, ihr Engel!"

Es tut mir so leid. Es gibt nichts, das den Schmerz lindern kann. Ich fühle mich privilegiert, dass ich bei ihren letzten Atemzügen dabei war. Und da ich wirklich dachte, ich würde gleich ihr Schicksal teilen, kann ich versprechen, dass ihre letzten Gedanken nicht bei den Tieren waren, die all das verursacht hatten.

Sie haben an die Menschen gedacht, die sie liebten. Als ich im Blut von Fremden lag und auf meine Kugel wartete, die meine lediglich 22 Lebensjahre beenden würde, sah ich vor mir jedes Gesicht, dass ich je geliebt hatte und flüsterte "Ich liebe dich". Immer und immer wieder, während ich die Höhepunkte meines Lebens Revue passieren ließ. Während ich wünschte, dass die alle wüssten, wie sehr ich sie liebte, dass sie wüssten, dass sie weiter an das Gute in den Menschen glauben sollten, egal, was mit mir geschehen möge. Dass sie diese Menschen nicht gewinnen lassen würden.

Letzte Nacht wurden viele Leben für immer verändert, und jetzt ist es an uns, die besseren Menschen zu sein. Die Leben zu führen, von denen die unschuldigen Opfer dieser Tragödie nur träumen durften, ohne sie tragischerweise je erleben zu dürfen.

Ruhet in Frieden, ihr Engel. Ihr werdet nie vergessen werden!

Starke Worte, starke Botschaft

Man kann nur erahnen, wie grauenvoll es sein muss, so eine Situation am eigenen Leib zu erfahren. Umso beeindruckender ist es, dass Isobel die Schreckensnacht nur wenige Stunden später auf diese Weise zusammenfassen konnte - und dass sie es schafft, trotz der unfassbar brutalen Geschehnisse voller Hoffnung zu bleiben und den Blick auf die Menschlichkeit in der Tragödie zu richten.

heh

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