Warum der IS will, dass wir Flüchtlinge verdächtigen

Geht von Flüchtlingen eine Bedrohung aus? Nicht nur Rechtspopulisten nutzen die Anschläge von Paris zur Stimmungsmache. Dabei spielen wir dem IS in die Hände, wenn wir Flüchtlinge dämonisieren. Denn genau das wollen die Terroristen erreichen.

ZDF-Terrorismusexperte Elmar Theveßen warnt: Es ist das Ziel der IS-Terroristen, dass wir Muslime diskriminieren und für Terroranschläge unter Generalverdacht stellen. Denn wer sich von der Mehrheitsgesellschaft unterdrückt und abgelehnt fühlt, lässt sich leichter für den Terror rekrutieren.

Elmar Theveßen erklärt die Strategie des IS - und wo das wahre Problem liegt.

Einer der Attentäter soll als syrischer Flüchtling nach Europa eingereist sein. Was ist dran?

Es ist neben einem Attentäter in Paris ein Ausweis gefunden worden. Mit diesem Ausweis soll sich Anfang Oktober auf der griechischen Insel Leros ein Flüchtling registriert haben. Es gab dann auch eine Registrierung anschließend in Serbien und dann auch noch in Kroatien. Das haben uns die Behörden bestätigt. Sie haben aber Zweifel an der Echtheit dieses Ausweises.

Warum sollte der IS Attentäter als Flüchtlinge getarnt einschleusen?

Der IS beobachtet die Diskussion um die Flüchtlingsströme in Europa genau. Wenn nun nachgewiesen wurde, da sind Terroristen unterwegs, dann würde das in Westeuropa zu einer starken Polarisierung der Gesellschaft führen. Es würden sich mehr Muslime diskriminiert fühlen. Es wären mehr bereit, vielleicht auch beim IS mitzukämpfen, und das könnte ein perfide Absicht sein.

Ist das nicht ein bisschen weit hergeholt?

Wir wissen das aus den Propaganda-Botschaften des IS, wir wissen das übrigen auch von anderen Terrororganisationen wie der Al Qaida: Man hat Strategiepapiere erarbeitet und sich vorgenommen, diese Polarisierung voranzutreiben, weil das Nachwuchs bringt und junge Leute rekrutieren lässt, die dann bereit sind, mitzumachen, weil sie sich in der Gesellschaft unterdrückt fühlen.

Also wachsen die Täter hier in Europa heran?

Viele der Attentäter aus Paris haben schon lange in Europa gelebt. Wir sehen auch jetzt wieder, viele der Täter sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Vielleicht waren sogar noch jüngere dabei, die hier aufgewachsen sind unter sehr schwierigen Umständen - mit hoher Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit. Und die dann bereit sind - weil sie sich diskriminiert fühlen in den westlichen Gesellschaften - bei solchen Anschlägen und bei IS mitzumachen.

Wie können wir uns vor Terroristen schützen?

Elmar Theveßen, stellvertretender Chefredakteur und Terrorismusexperte des ZDF

Es gab Hunderte von Kämpfern, die aus Westeuropa nach Syrien gegangen sind und die danach wieder zurückgekehrt sind, ohne dass sie an der Rückkehr gehindert worden sind. Sie konnten ungehindert einreisen. Das zeigt das wahre Problem: Man hat zu wenige Erkenntnisse darüber, dass sie gefährlich sind. Das findet sich nicht in den Datenbanken der Sicherheitsbehörden und das gilt besonders und vor allem für die, die schon lange hier in Europa leben.

sar
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