Warum die katholische Kirche Exorzisten beschäftigt

Eine Koreanerin stirbt in Frankfurt bei einer "Teufelsaustreibung." Ein fernes Ritual? Auch die katholische Kirche betreibt Exorzismus - als "Akt der Nächstenliebe."

Im Dezember 2015 ist eine 41-jährige Frau bei einer "Teufelsaustreibung" in einem Hotel in Frankfurt am Main gestorben – vermutlich war sie von ihrer eigenen Familie zu Tode gequält worden. Heute beginnt der Mordprozess gegen die fünf Südkoreaner, die ihre Verwandte getötet haben sollen.

Ist der Exorzismus nur eine abseitige Praxis aus einem fernen Land oder dem fernen Mittelalter? Nein, selbst die katholische Kirche beschäftigt heute noch rund 250 Exorzisten in aller Welt.

Exorzismus in der katholischen Kirche heute

Anfang der siebziger Jahre erlebte der Exorzismus in der katholischen Kirche eine Renaissance: Papst Paul VI. hatte in einer Rede betont, dass es eine der Hauptaufgaben der Kirche sei, sich „gegen das Böse, das wir Teufel nennen, zu verteidigen.“ Im neuen Jahrtausend rief Papst Benedikt XVI. die Diözesen dazu auf, „diesen wichtigen Dienst“ neu zu beleben - und ließ mehr Teufelsaustreiber zu. 2014 erkannte der Vatikan die „Internationale Vereinigung der Exorzisten“ (Aie) offiziell an. Der Vereinigung gehören rund 250 Exorzisten in 30 Ländern an.

"Der Exorzismus ist eine Form der Nächstenliebe"

Der Aie-Vorsitzende Francesco Bamonte begrüßte die Entscheidung der Kirche - und brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass nun mehr Priester der "oft ausgeblendeten oder unterschätzten dramatischen Situation" besessener Menschen Beachtung schenkten. Der Exorzismus sei eine Form der Nächstenliebe, zitierte ihn der "Osservatore". Er gehöre zu den Werken der „leiblichen und geistlichen Barmherzigkeit.“

Berufswunsch Exorzist: Wie wird man "Teufelsaustreiber"?

Exorzisten sind Geistliche, die ausschließlich im Auftrag ihres Bischofs handeln dürfen. Die Erlaubnis dazu erhalten Priester, die „sich durch Frömmigkeit, Wissen, Klugheit und untadeligen Lebenswandel“ auszeichnen. Erst seit 2005 gibt es eine Exorzisten-Ausbildung, bestehend aus einem theoretischen und einem praktischen Kurs.

Wie geht eine "Teufelsaustreibung" vor sich?

1998 veröffentlichte der Vatikan eine 84-seitige Anleitung für Exorzisten. Die Anwendung körperlicher Gewalt ist bei dem Ritual tabu. "Der Exorzismus ist ein Gebet", sagte der im September 2016 verstorbene Gabriele Amorth, der die Exorzisten-Vereinigung 1994 gegründet hat, im Interview mit der Journalistin Doris Ladstaetter. Der Exorzist bitte Gott um Hilfe und fordere den Teufel auf, zu verschwinden. „Dazu spricht man die Befehle, wie „In meinem Namen, vertreibt die Dämonen!“, oder auch „Im Namen Gottes, Satan weiche!“. Dabei werden die "Besessenen" mit Weihwasser besprengt. Manche benötigten „Hunderte von Sitzungen“, so Amorth, der nach eigenen Angaben selbst bis zu 60.000 Austreibungen vorgenommen hat.

sar
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Guten Morgen, Welt!

Guten Morgen, Welt!

Wir servieren euch täglich Trends, Top-Stories und kuriose Netzfundstücke zum Frühstück!

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.