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Gefährlicher Teenie-Trend "Schmerzmittel sind zur Lifestyledroge geworden"

Tilidin: Teenie Mädchen mit Tabletten
© Creativa Images / Shutterstock
Deutschland hat ein Tilidin-Problem. Experten warnen davor, dass das Schmerzmittel aktuell zu einer Teenie-Droge geworden sind – denn die Verschreibungszahlen steigen.

Es soll beruhigen, aber auch euphorisieren. Ängste nehmen und Entspannung geben. Wirkungen wie diese sind es, die Jugendliche derzeit dazu animieren, Medikamente zu nehmen, die sie nicht brauchen. Und Rapper wie Capital Bra, dessen Songs nicht selten von Drogen wie diesen handeln. Die Rede ist von Tilidin – einem Schmerzmittel, dessen Gebrauch in Deutschland gerade zunimmt. 

Vom Schmerzmittel zur Teenie-Droge

Innerhalb der letzten zwei Jahre sollen sich die gesetzlichen Verschreibungen von Tilidin bei 15- bis 20-Jährigen verdreißigfacht haben. Diese immens hohe Zahl, die der mdr kürzlich veröffentlichte, sorgt für Beunruhigung unter Suchtexperten. Die Deutsche Presse-Agentur sprach jüngst mit Maurce Cabanis, Leitender Oberarzt der Klinik für Suchtmedizin und Abhängiges Verhalten am Klinikum Stuttgart. Dieser beobachtet derzeit einen besorgniserregenden Trend: Schmerzmittel seien derzeit "zu einer Lifestyle-Droge geworden, die zunehmend von Jugendlichen und jungen Erwachsen konsumiert wird." 

Tilidin ist ein verschreibungspflichtiges Schmerzmittel, das zur Gruppe der Opioide zählt. Es wird zum Beispiel bei Krebspatienten oder nach Operationen eingesetzt. Neben Schmerzen soll es jedoch auch unangenehme Gefühle lindern, was wiederum das hohe Missbrauchpotential erklärt. Insbesondere Jugendliche aus schwierigen Familienverhältnissen hätten ein hohen Missbrauchspotenzial, wie unter andere die Deutsche Apothekerzeitung aktuell warnt. Das Schmerzmittel sollte nicht unterschätzt werden – denn es kann nicht nur starke Nebenwirkungen wie Benommenheit, Schwindel und Übelkeit hervorrufen, sondern es macht auch stark süchtig.

Verherrlichung von Tilidin in der Hip-Hop-Szene 

Insbesondere in der Hip-Hop-Szene soll sich Tilidin aktuell unter Teenies verbreiten – nicht zuletzt weil prominente Künstler von ihren Erfahrungen mit der Droge sprechen. Jüngst ging Capital Bra mit seiner Medikamentenabhängigkeit an die Öffentlichkeit, der Rapper sprach im Interview mit strg-f über seinen Tilidin-Entzug. Der Künstler bekam die Kehrseite des Medikamentes selbst zu spüren. 

Die Verherrlichung der Droge in der Musik ist gefährlich. Denn ihr lauschen zahlreiche Teenies, die unbedacht ihren Idolen folgen. Die Konsequenzen sind gravierend: In Kombination mit Alkohol oder anderen Beruhigungsmittel kann Tilidin schlimmstenfalls zu Atemlähmungen und damit sogar zum Tode führen. 

verwendete Quellen: Deutsche Apothekerzeitung, mdr, dpa


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