"Erst vor der eigenen Tür kehren": Hollywood-Frauen wollen Missbrauchsopfern helfen

Schluss mit Männer-Dominanz – Frauen, verbündet euch: Diese Botschaft verbreitet jetzt eine Riege von Hollywood-Stars, darunter Meryl Streep und Reese Witherspoon.

"Time's Up", also "Die Zeit ist um": Unter diesem Motto haben 300 Hollywood-Stars sexueller Belästigung den Kampf angesagt. In der Filmbranche, aber auch im Leben "normaler" Frauen. Helfen soll ein Millionen-Fonds – und die Farbe Schwarz auf dem Roten Teppich.

Stars wie Reese Witherspoon, Alyssa Milano und Maggie Gyllenhaal rufen dazu auf, sich der Initiative anzuschließen. Weitere prominente Botschafterinnen der Aktion sind Meryl Streep, Emma Stone, Cate Blanchett, Goldie Hawn und Gwyneth Paltrow sowie diverse Regisseurinnen, Produzentinnen und Drehbuchautorinnen. Die Kampagne soll die Gleichberechtigung von Frauen stärken; nicht nur in der Filmbranche, sondern grundsätzlich in allen Berufen.

13 Millionen Dollar für Rechtsbeihilfe gespendet

Damit auch "normale" Frauen von der Initiative profitieren, richteten die Organisatoren einen Fonds für Rechtsbeihilfe ein. "Für weniger privilegierte Frauen", schreibt die "New York Times", "wie Hausmeisterinnen, Krankenschwestern und Arbeiterinnen auf Farmen, in Fabriken, Restaurants und Hotels". Der durch Spenden finanzierte Fonds verfügt bereits über mehr als 13 Millionen Dollar.

Es sei allerdings schwer, über andere zu urteilen, solange die Branche selbst kein Paradebeispiel sei – Hollywood müsse zunächst "vor der eignen Haustür kehren", zitiert die "Times" Shonda Rhimes, Produzentin von Erfolgsserien wie "Grey's Anatomy". "Wenn diese Gruppe von Frauen nicht dafür kämpfen kann, ein Vorbild für andere Frauen zu sein, die weniger Macht und Privilegien haben, wer kann es dann?", sagte Rhimes mit Blick auf die Entwicklungen Ende vergangenen Jahres in Hollywood.

Im Zuge der #MeToo-Debatte sowie der Enthüllungen um Hollywood-Produzent Harvey Weinstein hatten auch viele Hollywood-Stars angegeben, Opfer sexueller Belästigungen und Schikanen geworden zu sein. Kritiker monierten dabei, dass die Frauen teils jahrelang geschwiegen und die Konventionen mitgetragen hätten – um dann jetzt aus einer höheren Position die Missstände anzuprangern, die ihnen einst selbst zu einer erfolgreichen Karriere verhalfen.

Acht Tipps – für Stars und Normalos

Die Initiative "Time's Up" soll nun helfen, strukturelle Ungerechtigkeit zu beenden. Die Kampagne gibt außerdem acht konkrete Ratschläge:

  1. Sei kein Teil des Problems. Für den Anfang – belästige selbst niemanden.
  2. Wenn dir jemand von einer Belästigung erzählt, schenke der Person Glauben. Unterschätze nicht, wie schwer es ist, über solche Dinge zu sprechen.
  3. Wenn du jemanden kennst, der belästigt wurde, hilf' demjenigen, indem du ihm Anlaufstellen nennst, an denen er Unterstützung bekommt.
  4. Solltest du sexuelle Belästigungen beobachten, konfrontiere den Belästiger oder hilf' der belästigten Person, aus der Situation zu entkommen. Ist das nicht möglich, unterstütze das Opfer indem du die Vorfälle bezeugst.
  5. Spende an einen Hilfsfonds (z.B. den "Time's Up"-Fond).
  6. Schau, ob deine Arbeitsbedingungen gerecht sind und ob du etwas dafür tun kannst, sie gerechter zu machen.
  7. Tu' etwas dafür, Arbeits- und Karrierechancen gerechter zu verteilen. Falls du in einer entsprechenden Position bist, hilf' jemandem aus einem weniger privilegierten Umfeld, einen Job zu bekommen.
  8. Triff bewusste Kaufentscheidungen – und unterstütze so gezielt Unternehmen und Organisationen, von denen du weißt, dass sie sich für gerechte Führung und Chancengleichheit einsetzen.

Tipps, von denen jeder sicher zumindest einige beherzigen kann – ungeachtet von Status, Prominenz und Geschlecht.

Gleichzeitig wollen viele Stars ganz bewusst ein Zeichen setzen. Für den Roten Teppich der Golden Globes planen sie eine ganz besondere Aktion. Mehr darüber seht ihr hier: 

Golden Globes 2018
kia
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