Tragödie in Hamburg: Mutter stirbt im Kreißsaal, Baby überlebt

Die Vorgänge in der Helios Mariahilf Klinik in Hamburg sorgen für große Besorgnis: Erst wurde der Kreißsaal aus Personal-Not geschlossen, jetzt starb eine Mutter während der Geburt.

Ein tragischer Todesfall in der Helios Mariahilf Klinik in Hamburg sorgt für große Bestürzung. Wie das "Hamburger Abendblatt" und der "Stern" berichten, ist dort eine Frau Anfang 40 während der Geburt gestorben. Das Baby überlebte. "Wir trauern mit der Familie und bedauern den Tod der Patientin sehr", heiße es in einer Erklärung der Klinik. Auch den Mitarbeitern sei dieses Ereignis sehr nahegegangen.

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Personalmangel führte zu Kreißsaal-Sperrungen

Bereits in der vergangenen Woche sorgte die Helios Mariahilf Klinik für Schlagzeilen. Weil Ärzte krank waren, kam es zu zeitweiligen Kreißsaal-Sperrungen. Die "Hamburger Morgenpost" berichtet: "Wie die Klinikleitung bestätigte, wurden von Freitagmittag um 12 Uhr bis Sonnabendfrüh um 9 Uhr, sowie von Sonntagmorgen, 8 Uhr, bis Montagmorgen, 8 Uhr, 'nur Kinder entbunden, die es ganz eilig hatten'." Schwangere, die in dieser Zeit mit ersten Wehen in das Krankenhaus an der Stader Straße kamen, wurden an nahegelegene Krankenhäuser verwiesen. Ein Albtraum für werdende Mütter, die voller Sorge und Aufregung zum Krankenhaus kommen, um ihr Kind entbinden zu können.

Als Grund für die drastische Maßnahme gab eine Sprecherin gegenüber dem "Stern" an, "dass nicht immer ein Oberarzt im Haus war, um bei Komplikationen innerhalb weniger Minuten bei den Müttern zu sein". Zwei Oberärzte hätten sich krankgemeldet, ein daraufhin beauftragter Honorararzt wäre ebenfalls wegen Krankheit kurzfristig ausgefallen. Daraufhin folgte der Entschluss zur Schließung. Notfälle seien selbstverständlich durch Rufdienste durchgängig abgesichert gewesen. Das Hebammenteam sei kontinuierlich vollständig besetzt gewesen.

Klinik dementiert Gerüchte

Der aktuelle Todesfall soll allerdings nichts mit den Personalengpässen zu tun haben. Gerüchte, die Mutter sei gestorben, weil es an Personal mangelte, wies die Klinik am Donnerstag entschieden zurück, so das "Abendblatt". Die ärztliche Besetzung sei zu diesem Zeitpunkt voll umfänglich gewesen: "Es waren drei Chefärzte, zwei Oberärzte, ein Assistenzarzt und zwei Hebammen anwesend." Ausdrücklich wird betont: "Der Todesfall ereignete sich außerhalb der temporären Sperrung und steht in keinem Zusammenhang." Die Klinikleitung spricht von einer "bisher einmaligen Reihung von unglücklichen Ereignissen".

Die Vorgänge in der Hamburger Klinik schlagen schon seit Dezember hohe Wellen, der Gesundheitsausschuss der Bürgerschaft ist alarmiert. Zu diesem Zeitpunkt war bekannt geworden, dass die Chefärztin der Geburtsklinik, Dr. Maike Manz, nach nicht einmal zweijähriger Amtszeit gekündigt hat – ebenso wie weitere Oberärzte – und die Klinik zum Sommer verlässt.

In einem Brief an Kollegen hatten Dr. Manz sowie die Oberärzte und -ärztinnen ihren drastischen Schritt mit unhaltbaren Zuständen begründet: "Unter den derzeit existierenden Rahmenbedingungen können wir unseren Ansprüchen an die medizinische Versorgung, die patientenfreundlichen Organisationsstrukturen und den Umgang mit Mitarbeitern nicht mehr gerecht werden."

"Das System der Geburtshilfe muss sich ändern"

Dr. Maike Manz äußert sich aktuell in einem Interview mit der "Zeit" kritisch zum System der Geburtshilfe in Deutschland. Auf die Frage nach der Überlastung der Geburtsstation in Hamburg verweist sie auf Verschwiegenheitsklauseln in den Verträgen, sie glaube allerdings, "dass sich die Schwierigkeiten längst in vielen, wenn nicht in allen geburtshilflichen Abteilungen in Hamburg und ganz Deutschland wiederfinden, ganz unabhängig davon, ob es sich um einen öffentlichen, kirchlichen oder privaten Träger handelt". 

Die Helios Mariahilf Klinik versucht derweil, die Sorgen werdender Eltern zu beschwichtigen. Auf der Internetseite der Klinik ist aktuell ein ausführliches Statement der Klinik zu lesen, in dem unter anderem steht: "Niemand muss sich sorgen! Wir werden kurzfristig neue Ärzte einstellen. Die Kündigungen haben keinen Einfluss auf Ihre Entbindung bei uns am Haus. Wir sind und bleiben DIE Geburtsklinik im Hamburger Süden. Wir sind zuversichtlich, dass wir durch den Führungswechsel neue Impulse erhalten und unsere Geburtshilfe damit noch besser aufstellen können."

mh
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