Trisomie-Bluttest: Kasse zahlt bald umstrittene Untersuchung

Eine Blutuntersuchung, die Trisomie-Formen erkennen kann, soll demnächst für Schwangere von Krankenkassen bezahlt werden – doch die Übernahme ist sehr umstritten.

Ein simpler Bluttest und schon gibt es Gewissheit, ob das eigene Baby zum Beispiel mit dem Down-Syndrom zur Welt kommt – seit 2012 sind solche Trisomie-Untersuchungen möglich. Bald sollen sie von der Krankenkasse übernommen werden, allerdings nur unter bestimmten Umständen.

Was wurde beschlossen?

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat beschlossen, dass voraussichtlich ab Ende 2020 einige Schwangere einen Bluttest von der Krankenkasse bezahlt bekommen, der Trisomie-Formen erkennen können soll. Somit könnten Schwangere vor der Geburt mit einfachen Mitteln erfahren, ob ihr Kind zum Beispiel mit dem Down-Syndrom zur Welt kommt.

Eine solche Früherkennung per Bluttest ist seit sieben Jahren möglich, die Kosten zwischen 130 und 540 Euro müssen Schwangere bislang selber tragen.

Was spricht gegen den Bluttest?

Kritiker befürchten, dass ein Bluttest, den die Krankenkasse übernimmt, dazu führen könnte, dass sich vermehrt Frauen untersuchen lassen und sich im Falle einer Trisomie-Diagnose dafür entscheiden könnten, das Kind abzutreiben. 

Was spricht für den Bluttest?

Schwangere können bereits heute einen Trisomie-Test auf Kassenkosten machen – dieser ist allerdings eine Fruchtwasseruntersuchung, die ein größerer medizinischer Eingriff ist, der in wenigen Fällen zu Komplikationen und sogar Fehlgeburten führen kann. Mit der Kostenübernahme für Bluttests könnten sich Schwangere künftig zu einer weniger aufwändigen und ungefährlicheren Untersuchung entschließen. 

Wie sind die Bedingungen?

Ethisch und moralisch hat die Entscheidung viele Ebenen – deswegen haben die Experten in der neuen Regelung auch vergleichsweise hohe Hürden für einen Bluttest von der Kasse eingebaut. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten zum Beispiel nur bei Risikoschwangeren und nach einer ausführlichen Beratung. Sollte eine Trisomie festgestellt werden, würde außerdem eine weitere Beratung verpflichtend fällig.

Keiner wollte sie adoptieren, doch dann kam er

Wie sind die Meinungen dazu?

Erwartungsgemäß gehen die Meinungen zu dem Thema auseinander, vor allem Abtreibungsgegner schimpfen laut gegen die Kassen-Übernahme.

Auch in der BRIGITTE-Community wird das Thema diskutiert. Userin marylin schreibt etwa: "Was sind denn die ethischen Bedenken? Diese Untersuchung wird doch schon gemacht, nur in anderer Form. Hoffte man, dass sich viele Frauen den Test nicht leisten können oder wollen? Und was soll die Konsequenz sein? Ein behindertes Kind zu bekommen, weil Frau zu arm oder zu geizig war? Und dann? Wem bringt das was?"

Francesca_X findet: "'In Ausnahmefällen' finde ich problematisch, denn das klingt nach Papierkrieg für die Ärzte. Besser wäre, dass der Test gezahlt wird, wenn die Schwangere es wünscht." Und R_Rokeby meint: "Es geht nicht drum ob oder ob nicht bzw. ob man das darf oder nicht, sondern alleine drum, wer es zahlt."

_vorbei sieht das neue Angebot kritisch: "Ich lehne das entschieden ab, weil es nicht um Heilungsmöglichkeiten geht, sondern darum zu selektieren welches Leben lebenswert ist und erwünscht ist und welches nicht - in den allermeisten Fällen wird ein Kind, das den Test nicht besteht, abgetrieben, die Zahlen liegen ja vor." 

Userin carcasonne schildert, dass sie bzw. ihre Mutter selber von einem ähnlichen Test betroffen waren: "Meine Mutter war 40, als sie mit mir schwanger war und lies die Fruchtwasseruntersuchung machen. Sie sagte immer ganz offen, wäre der Befund Trisomie gewesen, hätte sie abgetrieben und das verstehe ich gut."

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