Mutter von Tugce (✝) : Erinnerungen an ein mutiges Mädchen

2014 wurde Tugce beerdigt. Nun hat ihre Mutter ein Buch über die mutige junge Frau geschrieben, die für ihre Zivilcourage mit dem Leben bezahlte.  

Erinnert ihr euch? Am 3. Dezember 2014 wurde die Offenbacher Studentin Tugce Albayrak beerdigt. Sie war an ihrem 23. Geburtstag gestorben.

Tugce bezahlte für ihren Mut mit dem Leben

Die Geschichte schockierte ganz Deutschland: Tugce sah nicht weg, als eine Gruppe junger Männer in einer McDonald's-Filiale zwei Mädchen belästigten. Zusammen mit anderen Gästen sorgte sie dafür, dass die Männer den Laden verließen.

Doch auf dem Parkplatz lauerten sie der Lehramts-Studentin auf und beschimpften sie. Sanel M. schlug Tugce im Verlauf der Auseinandersetzungen schließlich so hart, dass sie mit dem Hinterkopf auf dem Boden aufschlug. Ihre Zivilcourage bezahlte sie mit dem Leben: Tugce starb an den Folgen ihrer Verletzung.

Der 18-jährige Sanel M. wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu drei Jahren Jugendhaft verurteilt. Tugces Familie hatte auf eine längere Haftstrafe gehofft. "Drei Jahre sind nicht genug für ein Leben", sagte Tugces Großmutter nach der Urteilsverkündung.

Eine ganz normale Kindheit

Nun hat Tugces Mutter Sultan Albayrak (47) ein Buch veröffentlicht: „Tugce – Ein Schicksal bewegt Deutschland". Darin schildert sie ihre unstillbare Liebe zu ihrer Tochter und erzählt, was für ein Mädchen Tugce war. Monatelang sprach sie mit dem Journalisten Ismail Erel, der alles aufgeschrieben hat und nun ein Buch daraus gemacht hat.

Is­mail Erel „Tugce – Ein Schick­sal be­wegt Deutsch­land" (Books on De­mand, 24,95 Euro, E-Book 17,99 Euro).

Die Mutter erzählt allerlei Anekdoten aus Tugces Leben: dass sie wild und sportlich war und sich (und auch andere) mehrfach verletzt habe. Dass sie Schokolade liebte und Tiere und Spongebob und Horrorfilme und dass sie ihre Hochzeit mit Tuncay plante, kurz bevor sie starb.  

Das Buch zeigt auch viele  Fotos: Tugce beim Balletttanzen, Tugce im Klettergarten, Tugce in den Ferien in der Türkei, die sie so sehr liebte. Und auch Fotos von Urkunden für  "vorbildliches soziales Verhalten" als Klassensprecherin und für ihre Ausbildung zur Juniorhelferin beim Roten Kreuz.   

Auch, wenn Tugce zuweilen eigensinnig sein konnte, zeichnete sie schon immer eine große Hilfsbereitschaft aus. Noch im Oktober 2014, einen Monat vor dem fatalen Tag, kam eine Frau zu Tugces Familie nach Hause, um sich bei Tugce zu bedanken. Ihre Mutter erzählt: 

"Eine ältere Frau stand an der Tür. „Wohnt hier ein schwarzhaariges junges Mädchen?“ fragte sie. Ich sagte, „Ja. Das ist meine Tochter. Warum fragen Sie?“

Dann erzählte sie ihre Geschichte: „Ich bin vor einiger zeit mit meinem Fahrrad gestürzt. Sie hat mir geholfen.“

Ich bat sie herein. Sie hat sich bedankt und noch gesagt, dass ich stolz auf meine Tochter sein könne. Danach habe ich mich auch an den Vorfall erinnert.
Tugce war mit Pascha Gassigehen. Sie kam aber schon nach einigen Minuten zurück. Sie war außer Atem. Noch bevor ich fragen konnte, was los ist, lief sie schon mit dem Verbandkasten aus dem Haus. Später erzählte sie mir, dass eine ältere Frau schwer gestürzt sei. „Mama, da ist eine ältere Frau gestürzt. Ich bin dann schnell nach Hause zurückgekommen, um den Verbandskasten zu holen.“

Tugces Mutter möchte mit ihrem Buch die Erinnerung an ihre mutige Tochter wachhalten: Is­mail Erel „Tugce – Ein Schick­sal be­wegt Deutsch­land" (Books on De­mand, 24,95 Euro, E-Book 17,99 Euro).

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