"Blachman": Nackte Frauen, schwafelnde Männer

Der dänische Moderator Thomas Blachman fürchtet sich vor einer "schwanzlosen Gesellschaft". Deswegen philosophiert er im Fernsehen über Geschlechterrollen - während nackte Frauen vor ihm stehen.

Stummes Anschauungsobjekt: In der dänischen TV-Sendung "Blachman" begaffen angezogene Männer eine nackte Frau

Zwei Männer im dunklen Anzug sitzen auf einem Ledersofa, der Raum ist spärlich beleuchtet, die Blicke sind erwartungsvoll. Eine Frau tritt ins Scheinwerferlicht, streift den schwarzen Satinmantel von den Schultern und steht völlig nackt vor den beiden. Was klingt wie der Auftakt zu einer Peepshow in einem Herrenclub, ist tatsächlich ein neues Format im dänischen Fernsehen: "Blachman" heißt die halbstündige Sendung, die dienstags um 22 Uhr im öffentlich-rechtlichen Programm DR zu sehen ist und in Deutschland wohl undenkbar wäre. Konzept und Kulisse sind simpel: Der Moderator Thomas Blachman und ein mehr oder weniger prominenter männlicher Gast nehmen die nackten Frauen - pro Sendung sind es zwei - zum Anlass, über weibliche Schönheit, Geschlechterrollen oder den neuen Mann zu reden. Die Frauen werden auf einer leeren Bühne begafft, dürfen aber selbst nichts zum Gespräch beitragen. Ihre Rolle ist die des stummen Anschauungsobjekts.

Blachman ist so etwas wie der Dieter Bohlen Dänemarks - mit einem Schuss Till Brönner. Der 50-Jährige, der seine Hemden stets einen Knopf zu weit geöffnet trägt und mit tiefer Stimme spricht, ist Juror in der Casting-Show "X Factor". Früher machte er als Jazz-Schlagzeuger und Musikproduzent von sich reden, heute mit möglichst provokanten Fernsehauftritten.

In seiner Sendung verkündete er, zwischen Pornografie auf der einen und politisch korrektem Puritanismus auf der anderen Seite sei das männliche Geschlecht verlorengegangen. Dänemark drohe sich in eine "schwanzlose Gesellschaft" zu verwandeln. Die experimentelle Gesprächssituation seiner Show solle auch den Frauen dabei helfen, den Blick der Männer auf Frauen besser zu verstehen.

Das Hemd immer einen Knopf zu weit geöffnet: Thomas Blachman (re.), hier mit dem Modedesigner Henrik Vibskov

Doch wer die Sendung sieht, merkt schnell: Hier geht es nicht um einen Dialog der Geschlechter. Während die Kamera jeden Zentimeter Haut der Frauen in Nahaufnahme zeigt, verlieren sich Bachman und seine Gäste, darunter der Modedesigner Henrik Vibskov und der Schriftsteller Jan Sonnergaard, in Debatten über den passenden Namen für das weibliche Geschlechtsorgan. Oder sie gestehen offen, dass sie mit großen Brüsten noch nie etwas anfangen konnten. Auch wenn sich die Frauen in der Sendung freiwillig entblößen und selbstbewusst in die Kamera blicken: Beim Zuschauen ist ein unangenehmes Ungleichgewicht zu spüren zwischen den angezogenen Männern auf der einen und der stummen, nackten Frau auf der anderen Seite. Das ist auch einigen Gästen anzumerken, die lieber auf den Boden oder den Moderator schauen als die Frauen wie ein lebendes Kunstwerk zu studieren.

Im Vorfeld wurde die Show auch in Dänemark kritisiert, doch der große Aufschrei blieb aus. "Wir sind es schon gewohnt, dass Blachman gern provoziert", erklärt eine Frau in der Fußgängerzone von Kopenhagen. "Er ist wie ein Kind, das unbedingt Aufmerksamkeit erregen will. Am besten, man ignoriert ihn einfach."

Andere können der Sendung sogar positive Aspekte abgewinnen: "Die Frauen sind sehr verschieden: jung, alt, dick, dünn. Die natürlichen Körper sind eine Inspiration für die Gespräche", meint die Dänin Lotte Ebbensgaard. Und Heidi Jacobsen hat in gewisser Weise Verständnis für den Moderator: "Er feiert die Weiblichkeit und macht sich Gedanken über den Mann heute." Die Frauen in Dänemark bleiben erstaunlich gelassen angesichts dieser abstrusen Peepshow - vielleicht auch, weil in der Sendung letztlich die Männer ziemlich blöd dastehen. Hier können Sie die ersten vier von insgesamt sechs "Blachman"-Folgen ansehen.

Fotos: DR

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